Cannes – Abseits der Palmen

Cannes – Abseits der Palmen

TEILEN

Das Filmfestival Cannes besteht nicht nur aus einem Hauptwettbewerb, im Rahmen dessen in einer Abschlusszeremonie die verschiedenen Preise vergeben werden. Filme, die es nach Ansicht des Auswahlkommitees zwar nicht in den Wettbewerb schaffen, aber hinsichtlich ihrer andersartigen Originalität doch zeigenswert erscheinen, findet sich in der Sektion Un Certain Regard Ein gewisser Blick. Bekannte Gewinner in dieser Sparte sind u.a. Yorgos Lanthimos mit Dogtooth und Kim Ki-duk für Arirang. In diesem Jahr vertreten ist u.a. der Japaner Hirokazu Koreeda (Still Walking), der seinen neuen Film After the Storm vorstellt.

Außer Konkurrenz stehen in diesem Jahr der bereits erwähnte neue Woody Allen, Café Society, an. Dazu gesellt sich Steven Spielberg mit seinem Fantasy-Abenteuer BFG – Big Friendly Giant. Jodie Foster wird die Gelegenheit bekommen, ihren Geisel-Thriller Money Monster zu präsentieren, während sich Ryan Gosling und Russell Crowe in den groovigen 1970ern zur Aufklärung eines Mordfalls zusammentun, in Shane Blacks The Nice Guys. Komplettiert wird das Programm durch den Südkoreaner Na Hong-Jin, der in seinem The Wailing von einem Polizisten erzählt, der sich mit einem Schamanen und einer mysteriösen Frau zusammenfindet, um eine rätselhafte Mordserie und Auftreten einer Krankheit aufzuklären, von der auch seine Tochter betroffen ist.

Eine unabhängige, parallel stattfindende Sektion im Rahmen des Festivals entsprang einem einschneidenden Ereignis in der Festivalhistorie: 1968 kam es im Zuge der Maiunruhen in Frankreich zum Abbruch der Festspiele – unvergessen die Pressekonferenz, auf der Regisseure wie François Truffaut (Sie küßten und sie schlugen ihn), Jean-Luc Godard (Außer Atem) und Miloš Forman (Einer flog über das Kuckucksnest) sich öffentlich mit den protestierenden Studenten und Arbeitern solidarisierten und gegen Polizeiunterdrückung, die französische Regierung sowie den Strukturen der französischen Filmindustrie protestierten. Im Zuge der Ereignisse wurde die Sektion Director’s Fortnight gegründet. In diesem Jahr sind hier u.a. der neue Film des für seine surrealistischen Werke bekannten Chilenen Alejandro Jodorowsky, Endless Poetry, zu sehen.

Ein Blick in die filmische Vergangenheit wagt das Festival bei seinen Cannes Classics. Schon das jährlich wechselnde Poster verweist regelmäßig auf vergangene Werke – so besteht es dieses Jahr aus einer Impression aus Jean-Luc Godards Die Verachtung. Das Programm der Classics besteht diesmal u.a. aus Filmen von William Friedkin (Sorcerer, 1977), Krzysztof Kieślowski (Dekalog V und Dekalog VI, 1990), Andrei Tarkowski (Solaris, 1972) und Jean-Luc Godard (Masculin Féminin, 1966).

Eine ganze Reihe weiterer Sparten komplettiert das Programm des Festivals, darunter Kurzfilme, eine eigene Sektion für Dokumentarfilme, Special Screenings und Midnight Screenings. Bei allem spektakulärem Aufwand und Drumherum fasst Jean-Luc Godard die den Filmen gewidmete Aufmerksamkeit so zusammen: „Leute kommen nur nach Cannes, um ihre Filme zu bewerben. Aber der Vorteil ist, wenn du zum Festival gehst, bekommst du in drei Tagen so viel Berichterstattung, dass es den Film für den Rest des Jahres bewirbt.“

Wir tun unser Bestes.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT