C/O Berlin: Eine Ausstellung ohne Fotos

C/O Berlin: Eine Ausstellung ohne Fotos

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Seit einer Weile hat die tolle Galerie-Plattform C/O Berlin am Berliner Zoo (daher passt auch gut Z / OO Berlin, auch wenn das Wortspiel eher zufällig ist) eine Ausstellung namens „No Photos On The Dancefloor“.

SLEAZE + No Photos
Der Eimer 1993. 14 Jahre feierten wir hier unseren ersten SLEAZE.releaze. Foto: Ben de Biel

Dabei geht es um die Berliner Club-Kultur von 1989 bis heute. Klingt gut, dachten wir uns – und besuchten die Ausstellung voller Vorfreude. Doch zu früh gefreut.

Denn der Name der Ausstellung ist offenbar wörtlich zu nehmen und sogar auszudehnen. Es gab insgesamt nämlich sehr wenig Fotos. Vielleicht wurde deshalb so oft erwähnt, dass es in Berliner Clubs gang und gäbe ist, dass keine Fotos erlaubt sind.

In manchen Clubs wie dem Berghain wird sogar die Fotolinse von Handys abgeklebt. Ob das nun ein echter Hinderungsgrund ist, sei mal dahingestellt. Da würde ich doch mehr auf das zweifelhafte Licht vieler Clubs hoffen.

Was gibt es zu sehen?

Jedenfalls ist die Ausstellung überschaubar. Gefühlt habe ich mehr Berliner Clubs besucht als es Photos gibt. Was es zu sehen gibt, ist eine Sammlung einiger Fotos von Leuten des Nachtlebens: Ben de Biel ist ebenso dabei wie natürlich Sven Marquardt und die tolle Lisa Wassmann, die früher viel für das BPitch Label fotografiert hat.

SLEAZE + No Photos
Kultstätte am Originalort: der Tresor in der Leipziger Straße. Foto: Martin Eberle

Ansonsten gibt es Flyer, sonstige Eintrittskarten und eine spannende Wand mit VIP- und Clubmarken. Das Ganze nicht groß chronologisch sortiert, sondern eher nach Fotograf oder Thema. Das Nicht-Chronologische erscheint am Anfang noch chrono-unlogisch, aber bei der kleinen Ausstellung macht das durchaus Sinn.

Was gibt es nicht zu sehen?

So gut wie alles… gibt es nicht zu sehen. Da die elektronische Musik in Berlin seit Ende der Achtziger so einen großen Bereich in der Clublandschaft einnimmt, erwartete ich keine Läden mit anderen Musikschwerpunkten.

Aber es sind nicht mal alle bedeutenden Techno-Clubs aufgeführt. Weder mit Fotos sonst noch groß erwähnt. Eine Zeitschiene von verschiedenen Orten fehlt ebenso. Dabei ist es doch spannende, wenn das legendäre Walfisch irgendwann zum grandiosen Hip-Hop-Club Boogaloo wurde und nur seit über 20 Jahren der Sage (und seit einigen Jahren auch der Kit Kat) Club ist.

SLEAZE + No Photos
Die Love Parade mit Sven Väth – als sie noch cool war! Foto: Ben de Biel

Oder das Ufer-Gehüpfe der Macher der Bar 25. Vom Kater Holzig und Kater Blau habe ich gar nichts gesehen, ebenso wenig von den einst legendären Ku’Damm-Discotheken oder anderen Läden wie Rock it, Magnet, Icon, Gretchen, Future, Yaam, Studio 78, Ecstasy / Havanna Berlin, Metropol / Goya oder Pfefferberg.

Chance vertan!

Was soll ich sagen? Die Idee ist super. Vielleicht etwas groß für eine Club-Metropole wie Berlin, wie man an meiner kleinen Club-Aufzählung eben sieht, aber selbst wenn man es nur auf bestimmte Musikrichtungen beschränkt, immer noch eine gute Idee.

SLEAZE + No Photos
Das sieht doch sehr nach der Bar-25-Abschlussparty aus. Foto: Carolin Saage

Berlin sollte die Idee aufgreifen und etwas Eigenes daraus machen. Aber leider verpufft diese Idee genauso wie die Idee eines Berliner Stadtplans mit aktiven und geschlossenen Clubs. Der Branchenverband Club Commission, die sich um solche Belange eigentlich kümmern möchte, ist da offenbar nicht richtig motiviert oder kreativ genug.

Jedenfalls ist es eine verpasste Chance und auch wenn das C/O Berlin sonst wirklich tolle Ausstellungen umsetzt – diese „No Photos…“ kann man sich sparen.

danilo

Wo: C/O Berlin, Hardenbergstr. 22 – 24, 10623 Berlin
Was: No Photos On The Dancefloor
Wann: 13.9. – 30.11.2019, 11 – 20.00
Wie viel: 10 Euro, ermäßigt 6 Euro

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