Bunt, brutal und stylish – The Editor

Bunt, brutal und stylish – The Editor

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Jedem, der auf Trash-Filme steht, sollte Astron-6 ein Begriff sein. Mit ihrem neunten Streich, „The Editor“, hauen die Jungs aus Kanada schon wieder einen Knaller raus.Sleaze + Editor

Bekannt ist die Schmiede für ihre Kombi aus Horror und Comedy im 80er Stil, der auch angelegt an die italienischen Gialli-Filme der 70er Jahre ist. (Ein beliebtes Subgenre der alten Thriller.)

Wir können uns dem nicht entziehen.

Auch „The Editor“ ist eine Hommage an diese Epoche, aber es wurden noch Attribute wie Grusel und eben Witzigkeit dazugepackt. Zudem zeigt dieses surreale Werk, wie man geschickt alles alleine macht. Ok, alleine zu zweit, denn die Regisseure sind gleichzeitig die Writer UND die Hauptdarsteller.

Die Schauspieler rund um Adam Brooks in der Hauptrolle des Editors und Matthew Kennedy als antagonistischem Kommissar spielen ihre Rolle sehr gut. Also schlecht. Also treff- und stilsicher. Als kleinen Bonus hat sogar Udo Kier eine überraschend große Rolle bekommen.

Sleaze + Editor
Irgendwas ist hier fehl am Platz

Realistisches und unaufgesetztes Spiel hätte nicht gepasst, die Charaktere sind so schön trashig überspielt, aber nicht zu aufdringlich und peinlich. Das Gleiche trifft auch für die 80er-Mukke, das nostalgische Kostüm und die Symbolik zu.

Dank des gelungenen Settings und der schönen Stilistik findet man hier, was man lange unbewusst vermisst hat. Wann wird schon mal absichtlich schlechtes und asynchrones Dubbing über die Lippen gelegt?!

Die übertriebene Lichtgestaltung (und natürlich die ganze nackte Haut) trifft auch herrlich die Mitte zwischen Pornokino und Experimentalfilm.

Die ganzen einzelnen Elemente des Wahnsinns passen wie LEGO-Bausteine zu der nicht ganz ernsthaften Geschichte. Das heißt allerdings nicht, dass sie schwach wäre. Vielleicht nicht die einfallsreichste, aber dafür grundsolide-bescheuert. Ein paar Längen hat dieses abgefreakte Feuerwerk, die ihn auf seine finale Spielzeit bringen, aber dafür kommt gegen Ende sogar noch ein wenig Metaebene dazu. (Abspann lohnt sich!)

Der Grundplot ist recht simpel. Der Editor (Adam Brooks), mit bürgerlichem Namen Rey Ciso, muss einen Film schneiden, der allerdings gerade noch gedreht wurde. Blöderweise ist er nicht mehr der Beste seines Fachs, (obwohl er wohl mal weltklasse gewesen sein soll) und zu allem Überfluss wird ein Darsteller nach dem anderen ermordet. Den Opfern werden die Finger so abgetrennt, wie man es bei Rey sieht. Der hatte mal einen kleinen – nennen wir es – Unfall mit seinem Schnittwerkzeug. Kein Wunder also, dass Rey für den stümperhaften Kommissar Peter Porfiry zum Hauptverdächtigen wird. The Show must go on und so gehen die Ermittlungen weiter, genauso wie unsere geliebt-gehassten Partizipanten (uns selber inkludiert) weiter Richtung Wahnsinn gehen.

Sleaze + Editor
Vorsicht mit scharfen Gegenständen!

Wer am Ende der Täter ist, kann man an den übrigen Fingern der Opfer abzählen, aber wie der Film wirklich ausgeht, das weißt du noch nicht!

Sleaze + Editor
Das wird nicht gut ausgehen.

Dass „The Editor“ nur mit FSK 16 gekennzeichnet wurde, muss entweder ein Fehler sein oder die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat mal Geschmack bewiesen. Klar, abgerissene oder schmelzende Gesichter, eine Kettensäge in der Schulter und die ganzen abgehackten Finger sind keine leichte Kost, aber bei diesem Haufen köstlicher Geschmacklosigkeit, garniert mit dummen wie intelligentem Witz, kann man den Film auch ohne vorhandene Volljährigkeit in vollen Zügen genießen.

Fehlt es dem Film also an irgendetwas? Naja, für voll sollte man „The Editor“ nicht unbedingt nehmen. Die ganzen Ohrfeigen sind ein Zeugnis dessen und bis auf die angesprochenen Längen und etwas (nicht)-zielführenden Dialoge fehlt es nirgendwo. Im Gegenteil, man sollte eher festhalten, was er hat.

  • Gute praktische Effekte, die einfach charmanter sind als Blut und Gedärm aus dem Rechner
  • Herrlich überzeichnete Charaktere („That´s an excellent penis you have“)
  • Ein passendes Stück Mysterie (Wo kam der Kuchen her?)
  • Die richtige Stimmung über die komplette LängeSleaze + Editor

Auch wenn er etwas älter ist, „The Editor “ ist von offensichtlich sehr talentierten, stilbewussten und dennoch experimentierfreudigen Machern. Der Streifen füllt die Lücke, die Horrorfilme – oder Filme im Allgemeinen – in den letzten Jahren weit offen gelassen haben: die Unernsthaftigkeit. Heutzutage wird sich so bitter ernst genommen. Muss heute immer alles auf Hochglanz poliert sein? Nein!

Danke Adam Brooks, Matthew Kennedy und danke Astron-6!
Eine klare Empfehlung unserer Redaktion!

Jetzt Lust auf mehr Astron-6? Dann könnte dir „The Void“ auch gefallen!

Chris

DVD-Veröffentlichung: 23.06.2017
Laufzeit: 102 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Regie: Adam Brooks, Matthew Kennedy
Hauptdarsteller: Adam Brooks, Matthew Kennedy, Paz de la Huerta
Verleih: Universum Film

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