Brahms: The Boy II: Der Anti-Horrorfilm

Brahms: The Boy II: Der Anti-Horrorfilm

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SLEAZE + The Boy II
Jungs unter sich (haben viel Spaß?)

Was heißt eigentlich Horror? Keine Sorge, im Folgenden liest du keine überbordende Abhandlung über jenes Genre, das laut des Lexikons der Filmbegriffe „Grusel, Schauer, Schock und Angst bewirken soll.”

Mit Blick auf den jüngst gestarteten Brahms: The Boy II handelt es sich aber um eine überaus interessante Frage. Immerhin gilt die unabhängige Fortsetzung des 2016 erschienenen The Boy als ein Sprössling jener Gattung. Nur: Grusel, Schauer, Schock und Angst – wie zum Beispiel bei Halloween – schleuste der Streifen nicht in mein Gefühlsleben.

Was also ist The Boy II? Vielleicht ein ungemein unorigineller und platter Versuch, am Erfolg des Vorgängers mit Hintergedanken an ein mögliches Franchise anzuknüpfen.

Keine dumme Idee, immerhin nahm Teil eins bei einem kolportierten Budget von zehn Millionen US-Dollar über 74 Millionen an den weltweiten Kinokassen ein. Und immerhin zwinkert das Finale des nun vorliegenden Nachfolgers einer Expansion der Filmreihe dermaßen ungeniert zu, dass es einen erschaudern lässt.

Der Film selbst verpuffte nach dem Prolog dagegen in seine zusammengeramschten Einzelteile. Eine junge Familie, bestehend aus den Eltern Liza (Katie Holmes) und Sean (Owain Yeoman) sowie Sohn Jude (Christopher Convery), fahren nach einem angsteinflößenden Einbruch daheim zu einem Waldanwesen, um den Terror hinter sich zu lassen. Hier freundet sich der kleine Junge mit der titelgebenden Puppe Brahms an.

The Boy II: Nur einer unter vielen

SLEAZE + The Boy II
Auch skeptisch (wegen des Films?): Liza

Was folgt, ist ein Stelldichein der Genre-Konventionen. Jahr für Jahr schwappen etliche so genannte Horrorfilme in die weltweiten Kinosäle und auf die heimischen Bildschirme. Jahr für Jahr zeigt diese Welle mit Ausnahme sich leidenschaftlich brechender Ausläufer einen erheblichen Trend zur Wiederholung. Stets trifft sie mit dem immergleichen Tempo, der immergleichen Form und der immergleichen lauwarmen Temperatur auf den Strand namens Publikum.

The Boy II tut nichts, was nicht schon viele andere Titel vor ihm weitaus effektiver getan hätten. Dabei traut sich der Film bis zu einem gewissen Punkt sogar ins Terrain des Traumas. Während die Geschehnisse im Waldhaus in Anwesenheit der Puppe immer seltsamere Formen annehmen, scheint es so, als könnte sich alles im Kopf der jungen Mutter Liza abspielen.

Braver Junge

Bald erreicht die Geschichte aber ein Schnittstelle, an der sie Übernatürliches etabliert und banalisiert. Regisseur William Brent Bell, der schon das Original in Szene setzte, torpediert auch den letzten Interpretationsspielraum des Zuschauers, indem er klare Fakten schafft.

Spätestens ab diesem Punkt kehrt der Film seinen wenigstens vorsichtigen Versuchen, Empathie für seine Welt und Charaktere zu zeigen, den Rücken. Nun erschien er mir nur noch wie ein automatisierter Selbstläufer.

Erzählerisch hakt er nur noch eine typische Eskalationsspirale ab. Die Puppe treibt einen stumpfen Keil in das Familiegefüge, in dem sich Mutter, Vater und Sohn ein wenig anfauchen. Irgendwann aber entlädt sich die finstere Macht der Puppe dermaßen offensichtlich, dass kaum einer die Machenschaften des stillen Anwesenden leugnen kann.

Hinter allem steht ein sich allmählich entfaltendes dunkles Geheimnis, dessen Auflösung im Wesentlichen Bekanntes auftischt. Ein mürrisch dreinblickender Fremder in Gestalt des stets mit Langwaffe und Vierbeiner daherkommenden Joseph (Ralph Ineson) avanciert zudem zur ungewollt komischen Randfigur eines ohnehin eindimensionalen Drehbuchs.

Brahms: The Boy II erfüllt brav und überraschungslos Erwartungen. Der Film wandelt in dieser Gangart auf extrem horrorfeindlichem Territorium, auf dessen öden Grund kein Grauen und Unbehagen gedeiht.

SLEAZE + The Boy II
Lahmes Puppenspiel

Seine Schauerbemühungen offenbaren häufig eine kurzsichtige Jumpscare-Natur, die ihn im Zusammenspiel mit den sich selbst erfüllenden Erwartungen letztlich blind für den Horror selbst machen. So gesehen könnte man ihn auch als Anti-Horrorfilm bezeichnen.

Alex

Titel: Brahms: The Boy II
Kinostart: 20.02.2020
Dauer: 86 Minuten
Genre: Horror, Mystery, Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: Capelight Pictures

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