Blood into Wine – ja bitte!

Blood into Wine – ja bitte!

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Blood into Wine

Wein-Doku um Rockstar Maynard James Keenan

„See you down in Arizona Bay“, so lautet eine Zeile des Songs „Ænema“ der Progressive-Rock-Götter TOOL aus dem Jahre 1996. Fast schon prophetische Qualitäten die der charismatische Frontmann Maynard James Keenan an den Tag legte, denn viele Jahre später wird er in Arizona ein Weingut kaufen und dort des Öfteren anzutreffen sein – er will die Reben höchstpersönlich anbauen und ernten. Klingt wie das typische, abgedrehte Hobby eines weiteren überschätzten Rockstars. Aber wie alles, was Mister Keenan anfasst, ist auch dieses Projekt sehr ambitioniert und das Ergebnis mehr als beachtlich.

Wie kommt ein Musiker, der mit seinen mittlerweile drei Bands (TOOL, A Perfect Circle, Puscifer) äußerst erfolgreich ist und eigentlich ausgelastet genug sein müsste, dazu, nicht nur jede Menge Geld, sondern auch Zeit, in ein Weingut zu investieren?

Weswegen, nochmals als blutiger Anfänger starten, um überhaupt erst einmal die Kunst des Weinbaus zu erlernen? Um dies zu verstehen, muss man die gesamte künstlerische Laufbahn des Maynard James Keenan betrachten. Eigentlich muss man sogar sein gesamtes Leben betrachten – sofern dies überhaupt möglich ist, bei jemanden, der sich so ungern in die Karten schauen lässt, und noch weniger gern mit „ungezinkten Karten spielt“. Maynard war jedenfalls nie der stereotype Rockstar, der Musik nach dem Geschmack des Mainstreams macht oder auch nur irgendwelche Rücksicht auf Fan-Wünsche nimmt.

Meistens machte er exakt das, was man nicht auf der Rechnung hatte – und dies stets mit vollem Engagement. Und genau deswegen passt dieses kleine Weingut in der Nähe von Jerome, Arizona (USA) perfekt ins farbenfrohe Bild, welches die kreative „Arbeitsbiene“ seit Jahrzehnten zeichnet.

„Blood into Wine“ liefert einige Antworten auf die Frage „Warum MJK nun Wein anbaut?“, aber allen voran gewährt die Blu-ray/DVD viele sehr intime Einblicke in das Schaffen des Teams um Maynard und dessen Partner und Mentor Eric Glomski. Darunter finden sich neben Tipps und Tricks rund ums Wein anbauen und genießen, auch zahlreiche Anekdoten über die natürlichen und künstlichen Probleme und Schikanen, welche sich beim gewählten Anbaugebiet ergaben und –geben. Ebenso beinhaltet die Scheibe viele Lebensphilosophien und bietet nicht zuletzt, fantastische Landschaftsaufnahmen des trockenen Valleys.

Für den Soundtrack zeichnet sich selbstredend Maynard (in Form seines Soloprojekts Puscifer) selbst verantwortlich. Ganz besonders die Blu-ray wartet mit exzellenter Bild- und Tonqualität auf und kommt im besten 1080p-Full-HD-Gewand daher.

Neben Maynard kommt vor allem auch Co-„Star“ Eric Glomski ausgiebig zu Wort. Des Weiteren geben sich „Resident Evil“-Schönheit Milla Jovovic, die mit Maynard schon den einen oder anderen Song für Puscifer performt hat und der Schauspieler Patton Oswalt (bekannt aus „King of Queens“) die Ehre. Komödiantische Höhepunkte sind die Auftritte des Comedy-Duos Tim Heidecker und Eric Wareheim. Hier stellt Maynard seinen schrägen Humor unter Beweis und lässt sich voller Selbstironie auf die Schippe nehmen.

Solche Szenen wechseln sich immer wieder ab mit der ernsteren, nachdenklicheren Seite des Stars, z.B. wenn er voller Stolz von seiner verstorbenen Mutter, Judith Marie, erzählt, der er den ersten Wein seiner Marke „Caduceus“ gewidmet hat.

Neben den 100 Minuten Laufzeit, erwarten den Zuschauer im Bonusmaterial noch einige herausgeschnittene Szenen und was vor allem ein Kaufanreiz für Puscifer-Fans sein dürfte: Live-Mitschnitte von Puscifer-Shows. Diese sind zwar ebenfalls von lupenreiner Qualität, jedoch werden nur Ausschnitte der Songs gezeigt und sind somit leider viel zu kurz geraten. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf eine kommende Live-Blu-ray/DVD von Puscifer?

Interessierte Fans sollten der englischen Sprache mächtig sein, denn deutsche Untertitel sucht man vergebens (neben den englischen Untertiteln, kann man sich zumindest auch spanische anzeigen lassen). Zudem wird die Disk nur direkt über die Homepage www.bloodintowine.com verkauft, wofür man eine Kreditkarte benötigt. Zumindest hat die Blu-ray bzw. DVD keinen Regionalcode und läuft auf den entsprechenden Playern auch hierzulande.

Wer übrigens wissen möchte, wie eine Flasche „Nagual del JUDITH“, „Nagual del MARZO“ oder „Sancha“ schmeckt, sollte schon einmal Tickets in die Staaten buchen, denn diese gibt es nur in der hauseigenen Probierstube in Jerome, Arizona zu erwerben. Selbst die preisgünstigsten Erzeugnisse kosten allerdings schon 40 Dollar – pro Flasche versteht sich.

Dafür sind sich auch Weinkritiker einig, dass dem „Rock-Winzer“ wieder einmal etwas ganz Großes gelungen ist.

Ob Maynard- oder Weinjunkie: See you down in Arizona Bay!

Relevante Links:

www.bloodintowine.com

www.caduceus.org

www.puscifer.com

Pascal

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