Blair Witch: Mit Hündchen in den Horrorwald

Blair Witch: Mit Hündchen in den Horrorwald

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Vor zwanzig Jahren erschien mit Blair Witch Project eines der größten Filmphänomene der vergangenen Dekaden. Eine clevere Marketingkampagne im damals noch jungen Internet verhalf der gerade einmal 60.000 US-Dollar leichten Produktion zu enormer Aufmerksamkeit, die weltweit fast 250 Millionen Dollar in die Kinokassen spülte.

Für das Genre des Found-Footage-Films bedeutete der Horrorstreifen über drei verschwundene Filmstudenten und die fiktive Legende der titelgebenden Hexe eine Zäsur. Zahlreiche Titel eiferten dem Amateurfilmstil inklusive Wackelkamera und kriseligen Aufnahmen nach.

SLEAZE + Blair Witch
Im Dunkeln lässt sich gut… Gruseln!

Das Franchise zog nicht nur weitere Filme, sondern u.a. auch eine Videospiel-Trilogie nach sich. Mit dem Spiel Blair Witch klopft nun also das nächste interaktive Schauderabenteuer an die Tür. Kurz vor der Veröffentlichung am 30. August konnten wir selbst Hand anlegen.

Blair Witch vertraut auf Horrorerfahrung

Hinter der neuesten Spieladaption steckt Bloober Team aus Krakau, das sich seit einigen Jahren dem Horrorgenre verschrieben hat. Größere Aufmerksamkeit erhielt die Firma zunächst 2016 mit dem Titel Layers of Fear, das von einem wahnsinnigen Maler handelt. Erst in diesem Jahr erschien die Fortsetzung.

Zum Œuvre der Mitteleuropäer gehört u.a. auch der Cyberpunkhorror Observer (2017) mit dem erst im Juli verstorbenen und vor allem aus Blade Runner bekannten Rutger Hauer.

In der rund zwanzigminütigen Anspielfassung von Blair Witch hatten wir mit der eigens für die Präsentation erstellten Demo die Möglichkeit, in fünf kürzeren Abschnitten grundlegende Aspekte des Gameplays kennenzulernen und erstmals selbst in die Atmosphäre des Titels einzutauchen.

Anders als in den bisher erschienenen Spielen des Franchises erlebst du den Trip durch den Wald nicht mehr in der Third Person-, sondern in der Ego-Perspektive. Eine durchaus sinnvoll wirkende Designentscheidung, denn das Spiel ist nicht nur vom Universum des Franchises inspiriert, sondern orientiert sich auch an einigen bekannten Motiven des Films, der seinerseits vollständig in Camcorder-Egosicht spielt.

Dein treuer Partner mit der kalten Schnauze

Das Spiel ist im Jahre 1996 angesiedelt und erzählt vom problemgeschüttelten Ex-Detektiv Ellis, der sich gemeinsam mit seinem Hund auf die Spur eines verschwundenen Kinds in den Wäldern Marylands begibt.

Der Vierbeiner steht dir bei deiner Untersuchung als wichtiger Verbündeter zur Seite. Verschiedene Befehle lassen ihn wahlweise die Gegend erkunden und Hinweise erschnüffeln. Zudem wittert er Bedrohungen im Dickicht oft im Voraus, sodass du seine Körpersprache genau im Auge behalten solltest.

In der Demo funktionierte das Zusammenspiel mit dem tierischen Partner bereits reibungslos, wobei erst die Vollversion zeigen wird, wie dynamisch und abwechslungsreich das Gespann auch über Stunden hinweg funktioniert.

Ferner gilt es, sich als Spieler auch auf die eigenen Sinne zu verlassen. So sammelst du etwa Hinweise, um mehr über die Geschichte oder den Ablageort eines für den Spielverlauf wichtigen Gegenstands zu erfahren.

Die fünf Kapitel der Vorschauversion sollten verkürzt die Essenz des Titels veranschaulichen, der sich hierbei als ungemein atmosphärischer Mix aus ruhiger Ermittlungsarbeit und adrenalingetränkten Horrorsequenzen zeigte. Neben dem Hund sind dir die Taschenlampe sowie ein Camcorder die treusten Gefährten.

SLEAZE + Blair Witch
Ein Lebensretter namens Taschenlampe

Mit dem Schein der Lampe lassen sich die düsteren und teils undefinierbaren Gegenspieler besiegen. Ein zweites Alan Wake (2010) soll Blair Witch aber nicht sein. Die Entwickler betonten, dass die Taschenlampe die Gegner wirklich ausschaltet, während sie im Horrorspiel der Max-Payne-Schmiede Remedy Entertainment noch dazu diente, sie zu schwächen und daraufhin mit Pistole und anderen Waffen zu töten.

Der Camcorder dient dagegen als manipulatives Werkzeug für Umgebungsrätsel. Mit dem Gerät kannst du gefundene Videobänder abspielen und beispielsweise an einem Punkt stoppen, um so durch eine eben noch versperrte Tür zu gelangen. Zudem zeigte mir sein Ausklappdisplay in einem der ikonischsten Orte des Films, das Blair Witch House, mit einer weiß glühenden Spur den Weg an.

Faszinierendes Grauen

Zwar wird erst das fertige Spiel zeigen, wie weitreichend und fordernd die Ermittlungen mitsamt Hund und Camcorder letztlich ausfallen. Die Demo war mit simpler Kombinationsarbeit jedenfalls ohne größere Unterbrechungen lösbar.

Immer wieder mitgerissen hat mich in der kurzen Anspielsession aber bereits die Atmosphäre des Spiels. Auf seinen linearen Pfaden fühlte ich mich oft unwohl und fasziniert zugleich. Die Entwickler inszenieren ihren Blair-Witch-Wald als pflanzenreichen Ort der Ruhe und des Terrors, der bei Tag und Nacht gleichermaßen anziehend wie furchteinflößend erscheint.

Hierfür sorgt nicht nur die audiovisuelle Umsetzung der Natur mit ihrem dichten Blattwerk und den angenehmen Umgebungsgeräuschen, sondern auch die in der Demo vorsichtige Dosierung des Horrors, der in einem Wechselspiel aus Suspense, Fluchtsequenzen und Klaustrophobie an den Bildschirm fesselte und selbst die helle Anspielumgebung vergessen machte.

Der Wald transformierte sich besonders in Momenten hektischen Entkommens als sich übernatürlich veränderndes Monstrum, während das Blair Witch House die Spannung vorsichtig in die Nähe des nervlichen Siedepunktes trieb. Trotz zum Teil konkreter Bedrohungen fand kein einziger richtiger Kampf statt, was Hoffnung auf ein vor allem psychologisch wie emotional effektives Horrorerlebnis macht.

Doch auch hier bleiben bis zum Relese der Vollversion Fragezeichen. Schafft es Blair Witch spielerisch, erzählerisch und inszenatorisch, die Spielzeit über Impulse zu setzen oder verliert sich das Spiel irgendwann in einem Dickicht an Wiederholungen? Es bleibt abzuwarten.

SLEAZE + Blair Witch
Lebensretter Nummer 2 mit ähnlich komischen Namen: Camcorder

Der erste Eindruck ist jedoch positiv. Noch ein kleiner Hinweis zu den Fassungen: Zunächst erscheint der Titel für Windows-Systeme und Xbox One. Auf Nachfrage wurde mir eine spätere Version für PlayStation 4 zwar nicht offiziell bestätigt, aber manchmal sagt ein Lächeln alles.

Alex

Titel: Blair Witch
Publisher: Bloober Team
VÖ: 30.08.2019
Plattform: Xbox One, Microsoft Windows

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