Besser schrotten als verrotten

Besser schrotten als verrotten

TEILEN

Kies, Mäuse oder Zaster sind Begriffe für Geld, die schon lange in der Umgangssprache angekommen sind. Ihren Ursprung haben sie aber in der Geheimsprache der Bettler, Kriminellen oder Landstreicher. Diese Sprache wird unter dem Begriff Rotwelsch zusammengefasst und in Schrotten! auf das Soziotop „Schrottplatz“ ausgeweitet.

Für Regisseur Max Zähle ist es das Langfilmdebüt. Inspiriert zu Schrotten! hat ihn ein Freund aus seiner Kindheit. Er war oft bei ihm zu Besuch auf dem Schrottplatz der Familie. Viel mehr ist nicht bekannt über den Kontakt, der dann im Laufe der Jahre weniger wurde. Max hat noch erfahren, dass sein alter Freund eine Banklehre absolvierte – bis ein paar Jahre später seine Mutter den alten Freund im LKW des Familienbetriebes wiedersah. Mit deSLEAZE+Schrottenr Frage im Kopf, warum man erst aus dieser Welt der Schrotthändler flüchtet und dann wieder zurückkehrt, schrieb Max das Drehbuch zu Schrotten!

Mirko mogelt sich mit guten Ideen durch seinen Job in einer Versicherungsagentur. Bald schon verzockt er sich aber und braucht dringend Geld. Kurz darauf stirbt sein Vater Fiete Talhammer, der Besitzer des Familienschrottplatzes. Zwei Schrotthändler, mit denen Mirko seine Kindheit verbracht hat, holen ihn zurück nach Hause, denn zusammen mit seinem Bruder Letscho hat er den Familienbesitz geerbt. Mirko erkennt seine Chance, mit dem Verkauf des Grundstückes das Geld zusammenzukratzen, das er so dringend braucht. Für Letscho und alle anderen ist der Schrottplatz allerdings Zuhause und Familie zugleich. Sie möchten lieber den Plan von Fiete umsetzen und den Schrottplatz retten. Schnell wird klar, dass dieser wahnwitzige Coup nur gemeinsam gelingen kann.

Das typische Motiv, dass sich der Protagonist zwischen Heimat und neuem, selbst erkämpften Zuhause, zwischen Familie und Geld entscheiden muss, trifft hier auf einen außergewöhnlichen Ort des Geschehens: den Schrottplatz. Dass Mirko seine Vergangenheit nicht komplett abgelegt hat, wird schnell klar durch seine Benutzung auf dem Schrottplatz üblicher Symbole, auch bei der Arbeit. Auch das Rotwelsch versteht er noch, möchte es nur nicht hören oder verwenden.

SLEAZE+Schrotten

Wie das Leben auf dem Schrottplatz ist, kann man sich als Zuschauer gut vorstellen. Der Konkurrenzkampf, die Familienzusammengehörigkeit und das Außenseiterleben werden authentisch dargestellt. Doch gibt es Schwächen, was das Zwischenmenschliche und teilweise das Verhalten angeht. Es scheint, als hätte Regisseur Max Zähle seine Eckpfeiler für die Handlung gehabt, die in jedem Fall erreicht werden müssen. Es gibt immer ein Ziel, doch ist der Weg dahin nicht immer plausibel. Für mich sind Mirkos Entscheidungen manchmal nicht nachvollziehbar, besonders was seinen emotionalen Standpunkt betrifft. Es gibt Situationen, in denen es scheint, als hätten die Schauspieler nicht alles aus sich rausgeholt. Die Gespräche berühren nicht, obwohl sie es inhaltlich vermutlich sollten.
Lukas Gregorowicz und Frederick Lau, als die Brüder Mirko und Letscho Talhammer, schaffen es trotzdem besonders gut, die Unterschiede zwischen den beiden klar herauszustellen und den Zuschauer gleichzeitig die Verbindung durch die gemeinsame Vergangenheit spüren zu lassen. Die Komik bringen vor allem Bösewicht Kercher, gespielt von Jan-Gregor Kremp, und Schrotthändler Träumchen rein. Durch das Hinterlistige auf der einen und das Tollpatschige auf der anderen Seite kommt es zu ein paar lustigen Situationen.

Schrotten! besticht als Komödie mit viel Herz, doch für mehr sind die Charaktere doch zu flach und die Handlung etwas zu einfach umgesetzt. Trotzdem ist es ein amüsanter Film, der durch eine so nie gesehene, originelle Idee auffällt und für einen Filmabend mit der Familie sehenswert.

Maurin

Film: Schrotten!
Regie: Max Zähle
Dauer: 96 Minuten
VÖ: 05. Mai 2016
Verleih: Port au Prince Pictures

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen