Berberian Sound Studio – Silenzio, hier wird vertont!

Berberian Sound Studio – Silenzio, hier wird vertont!

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Film-Highlights der Viennale 2012, Teil 1

Vor einigen Tagen machte ich mich vom kalten Berlin auf ins noch kältere und verschneite(!) Wien. Hier fand nämlich vom 25. Oktober bis zum 7. November das kleine aber feine Vienna International Film Festival – die Viennale – statt. Obwohl ich ja eigentlich wegen des Special-Programms „They wanted to see something different – Eine kleine Geschichte des Unheimlichen“ da bin, habe ich mir trotzdem noch die Zeit genommen, um mich für euch auf die Suche nach den Filmhighlights 2012/2013 zu machen. Damit ihr abseits vom Mainstream Kino auch die kleinen Independent-Streifen nicht verpasst, möchte ich euch hier meine Highlights der Viennale 2012 präsentieren:

Als wäre der britische Schauspieler Toby Jones (bekannt aus Filmen wie Red Lights, Snow White and the Huntsman oder Tinker Tailor Soldier Spy) ein sicherer Garant für geile Filme, spazierte ich ohne mich näher zu informieren ins wunderschöne Metro Kino, um mir Berberian Sound Studio anzuschauen. Warum auch immer, genügte mir die Tatsache, dass er darin die Hauptrolle spielt. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Denn der zweite Langspielfilm von Regisseur Peter Strickland ist ein extrem gelungener Horrorfilm der anderen Art. Hier wird nämlich nicht versucht, durch blutverschmierte Zombies, grauenhafte Meuchelszenen oder mysteriöse Teufelsbeschwörungen zu punkten. Ganz im Gegenteil. Sehr subtil und nur mit der Macht des Tons und sehr überzeugenden Schauspielern wird dem Zuschauer das Gruseln gelehrt.

Die Story ist simpel. Gilderoy (Toby Jones) ist Spezialist für Soundeffekte und wird von einem heruntergekommenen italienischen Filmstudio engagiert, um Regisseur Santinis Film aufzumotzen. In Italien angekommen, muss der stocksteife Brite feststellen, dass das Berberian Sound Studio so gar nicht dem entspricht, was er normalerweise als Arbeitsplatz gewohnt ist. Die Gänge sind düster, die Empfangsdame mehr an ihrer perfekt sitzenden Lockenpracht interessiert als an ihrem Job und die Schauspieler scheinen alle von einem seltsamen Geheimnis umgeben zu sein. Alles in allem keine besonders angenehme Atmosphäre, um einen Horrorfilm zu vertonen. Zwischen angsteinflößenden Schreien, dumpfen erstochenen Melonen-Sounds und Eisenkettengerassel verliert Gilderoy langsam aber sicher den Verstand und – was für ihn noch viel schlimmer zu sein scheint – die Kontrolle über sein ach-so-geregeltes Leben.

Berberian Sound Studio ist bestimmt kein Film für Leute, die sich von einem Horrorfilm gruselige Monsterattacken und blutige Massenabschlachtung von Menschen erwarten. Viel eher wird er all jene unter euch begeistern, die mehr auf das Gruseln durch die Psychoebene stehen. Filmstart in den deutschen Kinos ist bisher leider noch keiner bekannt gegeben worden. Behaltet den Titel aber mal im Hinterstübchen.

 

Mariella

 

Foto: Viennale.at

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