Bärtiges Klang-Mosaik

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Greybeards sind weder dem Computerspiel Elder Scrolls entsprungen noch die Reinkarnation von ZZ Top. Musik machen sie trotzdem und das auch nicht seit gestern, obwohl sie erst 21 Jahre alt sind. Die gelernten Jazz-Musiker widmen sich aber allen möglichen Formen der Rockmusik und haben ihr Debütalbum „Longing To Fly“ zusammengebastelt.

SLEAZE+Greybeards.AlbumDie Platte von Greybeards ist ein echtes Puzzle. Alle Teile passen auch irgendwie zusammen, jedoch ergibt es kein Bild. Jedes Puzzlestück hat eine andere Farbe. Übertragen auf die Musik bedeutet das: Neben einprägsamen Riffs wie in „Take The Fight“ gibt es schlichten, aber harten Punk. In „Future Designs“ muss man einfach mitsingen. Stimmlich ist Sänger Olle eine wilde Mischung aus Bon Jovi, Queen und manchmal Placebo, während die Musik von Classic Rock über Foo Fighters und 30 Seconds to Mars beeinflusst ist. Das klingt vielleicht wie ein spannender Mix aus verschiedenen Einflüssen und als wären Greybeards, was das Genre angeht sehr experimentell, doch haben sie daraus nicht ihren eigenen Stil gemacht. Auf „Longing To Fly“ klingt jeder Song komplett anders und unterscheidet sich vollkommen von seinem Vorgänger oder Nachfolger. Jedes Lied präsentiert ein anderes Genre und verkörpert dieses, wie es im Buch steht – als hätten sie sich eine Checkliste „Wie macht man einen Punk-Song?“ angeschaut oder die Eigenschaften eines echten Classic-Rock-Songs auswendig gelernt. So ist die Vielseitigkeit zwar gegeben und die vier Jungs beherrschen ihre Kunst auch definitiv, doch trotzdem fehlt der rote Faden. Die einzelnen Lieder haben viel Energie und machen wirklich Spaß. Nur hat man nie die Chance, sich komplett fallen zu lassen in der Musik, da der nächste Song einen immer völlig aus der Trance reißt.

Ausnahmsweise stimmt Aristoteles‘ Weisheit „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ nicht. Für mich funktioniert „Longing To Fly“ als Ganzes nicht, denn die Teile sind einfach zu verschiedenen und passen in dieser Form nicht zueinander. Wirklich schade ist dabei, dass die Qualität der Lieder ein bisschen untergeht. Wenn man sich aber einzelne Lieder herauspickt, lässt die Begeisterung nicht lange auf sich warten. Viele Lieder sind absolute Ohrwürmer und einige Riffs bleiben lange im Gedächtnis. Zudem ist das Album wirklich gut gemixt, da man Stimme und Instrumente imSLEAZE+Greybeardsmer in einer perfekten Balance zueinander hören kann.

Und übrigens, eine Gemeinsamkeit mit ZZ Top haben sie. Greybeards sind genauso stolze Bartträger. Allerdings reduziert sich dieser noch auf einen Schnauzbart. Den Vollbart und die Sonnenbrillen können sich Greybeards für ihre nächsten, stimmigeren Alben aufheben.

Maurin

Interpret: Greybeards
Titel: Longing To Fly
VÖ: 29.01.2016
Label: Attitude/Soulfood

 

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