Hit Me Baby One More Time

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Mit „Southpaw“ liefert Hollywood mal wieder eine Stehaufmännchen-Geschichte, die gefühlt schon tausend Mal erzählt wurde. Es geht erneut um einen Boxer, der nach einem schicksalhaften Erlebnis wieder von ganz unten anfangen muss. Diese Art der Geschichte lieben die Amerikaner, denn der Spruch „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ dank Finanzkriese und unzähligen Armeeeinsätzen ist längst so eingerostet wie der einst so positive Ruf dieser Nation. Doch so leicht geben sich die Amis nicht geschlagen und so füttern sie uns mit immer neuen Heldengeschichten. Auch die Geschichte vom Boxer Billy Hope, der sich nach großem Ruhm und Erfolg am Boden wiederfindet, ist genau der Stoff, aus dem Hollywoods Drehbücher gemacht sind. Aber bevor wir „Southpaw“ jetzt in irgendeine Anti-Mainstream-Schublade stecken, muss ich für diesen Film eine Lanze brechen. Denn hier zeigt sich das Hollywood-Kino von seiner schlagkräftigsten Seite. Und eins muss man den Amis lassen, denn für Filme wie „Southpaw“ wurde das Kino erfunden.

Die Handlung lässt sich schnell erzählen. Profiboxer Billy Hope boxt sich mit seinem unkonventionellen Stil an die Spitze. Billy kennt keine Abwehr, denn er fängt die Schläge mit dem Gesicht ab. Seine Reaktion darauf folgt mit ganzer Härte. Billys Frau Maureen kann der „Hau-Drauf-Taktik“ ihres Mannes nur wenig abgewinnen und verlangt von ihm zu pausieren. Billy lässt sich auf ihren Vorschlag ein und alles könnte so schön sein – bis Maureen bei einer Schießerei ums Leben kommt. Danach bricht Billys Welt sprichwörtlich zusammen. Er verliert seine Weltmeistertitel, sein Haus und am Ende auch das Sorgerecht für seine Tochter. Billy steht am Ende und muss von ganz vorne beginnen, um sein Leben wieder auf die rechte Bahn zu lenken.SOUTHPAW

Auch wenn die Handlung schon so einen Bart hat und einen jetzt nicht sofort aus den Socken haut, lohnt sich ein Kinobesuch alle mal. Denn hier wird eine alte Geschichte auf neue ergreifende Art erzählt.

Die Boxszenen sind so intensiv, als wäre man selbst im Ring. Dabei spielt besonders die Kameraführung eine wichtige Rolle, mal aus der Perspektive des Gegners, bekommt der Zuschauer die ganze Wucht von Billys Schlag zu spüren. Gleichzeitig sorgt der Madison Square Garden als Originalschauplatz für die Authentizität des Kampfes. Die Stimmung der Fans und die Stimmen der Sportkommentatoren lassen den Kampf so wirklich und wahr erscheinen, da wird selbst der letzte Boxmuffel mitgerissen. Mit der emotionalen Backstory geladen, ist der Kampf nicht nur einfach ein sportliches Ereignis, sondern ein Kampf ums Überleben. Und dabei geht es nicht um Leben und Tod, sondern um Billys Leben als Vater und als Profiboxer. Besonders in den Kampfszenen werden die Verzweiflung und Billys Überlebenswille so erschreckend deutlich.

The Billy Hope-Kalil Turay fight at Madison Sq. Garden, where a despondent Billy spirals out of control. Rayco Saunders (Kalil Turay), JGIm Ring verwandelt sich Billy in eine Bestie, der man besser nicht im Weg stehen sollte. Doch nach dem Kampf verwandelt sich Billy in eine beinah erbärmliche Kreatur, die aus allen Ecken und Enden blutet und kaum aufrecht stehen kann. Und genau in diesem Wechsel vom Monster zum Mensch zeigt sich Jake Gyllenhaals grandioses Schauspieltalent. Er verschafft der Figur Billy eine Vielschichtigkeit, die den Film eben nicht zu einer typischen Stehaufmännchen-Geschichte macht. Dafür musste Jake so einige Strapazen über sich ergehen lassen. Zu dieser monströsen Ausstrahlung kam er nicht über Nacht, sondern sie ist das Ergebnis eines harten fünfmonatigen Trainings. Und diese Wandlung vom Normalgewicht zum Klotz ist ihm gelungen. Jede Ader scheint bei jedem Schlag zu platzen. Der gesamte Körper ist ein einziges Minenfeld, das jeden Moment zu explodieren droht. Doch neben der körperlichen Transformation zeigt Jake auch auf emotionaler Ebene Höchstleistung.

SOUTHPAW

Er verleiht der Figur Billy zwei Gesichter, in denen Jake gleichermaßen eindrucksvoll brilliert. Natürlich gab Jake bereits Einblick in seine Wandlungsfähigkeit. So haben wir sein Talent bereits in seiner Rolle als schwuler Cowboy in „Brokeback Mountain“ oder als skrupelloser Journalist in „Nightcrawler“ bewundern können, doch setzt seine Darstellung in „Southpaw“ seiner Schauspielkarriere die Krone auf.

Aber auch die anderen Darsteller wie der Oscar-Preisträger Forest Whitaker und Rachel McAdams wurden nicht grundlos für diesen Film engagiert. Selbst die Filmtochter Leila, gespielt von Oona Laurence, spielt so authentisch wie es für ein 13jähriges Mädchen kaum vorstellbar ist.

Wir haben dem Soundtrack des Films bereits einen ganzen Artikel gewidmet, doch muss hier auch noch mal kurz auf die Musik im Film eingegangen werden. Sowohl die eigens von James Horner komponierte Filmmusik als auch der von Eminem zusammengebastelte Soundtrack machen jede Szene zu einem Gesamtpaket.

Es gibt einen gefallenen Helden und eine Geschichte, die bis oben hin vollgepackt ist mit Emotionen. Der Film ist Hollywood pur und das ist keineswegs negativ gemeint. Denn wenn Hollywood es richtig macht, wird Kino zu einem Erlebnis. Und „Southpaw“ ermöglicht so ein Erlebnis.

Mareike

Titel: “Southpaw”
Regie: Antoine Fuqua
VÖ: 20.08.15
Dauer: 123 Minuten
Verleih: TOBIS

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