Aventho Wireless: Exzellent mit Hürden

Aventho Wireless: Exzellent mit Hürden

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SLEAZE + beyerdynamic Aventho Wireless

SLEAZE + beyerdynamic Aventho Wireless
Aven…thooooo schön

Seit ein paar Tagen vertraue ich meinen Ohren den Aventho Wireless von beyerdynamic an. Die Premium-Kopfhörer haben schon einiges an Preisen abgeräumt, aber wie wir hier schon oft nachgewiesen haben, bedeutet das ungefähr so viel wie das „Prädikat wertvoll“ bei Filmen. Was kann der Aventho also wirklich?

Von außen nach innen

Wir mach das genauso wie Kopfhörer, die auf uns einwirken: Wir arbeiten uns von außen heran. Es geht also zunächst um das Design. Das ist immer eine große Geschmackssache. So mag ich z.B. kein Braun (wie die Testhörer sind). Die Aventho finde ich aber trotzdem vom Gesamtdesign mit ihrer Metallaufhängung der Muscheln sehr gelungen. Es erinnert mich an gute alte Technik, die langfristig und zuverlässig ihren Dienst tat. Wenn der Kopfhörer nicht nur so aussieht, sondern das auch langfristig ist: perfekt!

Langfristig soll es auch beim Kopfhörer zugehen: Die Muscheln sind nachkauf- und der Akku, der angeblich 30 Stunden halten soll, ist auswechselbar. Leider nur vom Fachhandel, aber dass überhaupt, ist in unserer Wergwerfgesellschaft ja schon fast ein Juché wert!

Mit 238 Gramm ist der Kopfhörer vom Gewicht her ok, auch wenn er für sein filigranes Äußeres doch recht schwer wirkt. Oder nennen wir es passender: wertiger. Aufgesetzt, wirkt sich das Gewicht positiv aus. Leider vermisse ich (wie bei allen Kopfhörern) eine Verstellmöglichkeit der Breite.

Man kann die Kopfhörer ausfahren, aber wenn der Bogen des Bügels zu eng geformt ist, drückt das auf Dauer deinen Kopf zusammen. Das ist – zumindest bei meinem Testmodell – ebenfalls so. Ausgeglichen wird das anfangs von sehr weichen Ohrmuscheln, dessen Material als Tierliebhaber ich lieber gar nicht so genau wissen will (es soll aber Kunstleder sein).

SLEAZE + beyerdynamic Aventho Wireless
Ob das da unten so aussehen soll?

Wie ist der Klangteppich geknüpft?

Das fast schon obligatorische Warten, dass sich Smartphone und Kopfhörer gefunden haben, auch wenn sie nebeneinander liegen, bestätigt nur mal wieder, dass Liebe blind macht. Haben sie sich denn aber endlich gefunden, ist die Bluetooth-Verbindung ab dann konsequent fix.

Kommen wir zum Wesentlichen: Wie gemütlich ist der Klangteppich? Ist er hochflorig, also sehr gemütlich und kuschelig? Wie viele Knoten hat der Teppich? Und ist er gar handgewebt? Mit den Schubladen des gewebten Bodenbelags gesprochen: Keine Knoten, der Sound ist durchgehend samten und gleichmäßig, es könnte fast handgewebt sein. Allerdings definitiv kein Hochflor, denn tiefe Klänge scheint es in dem Kopfhörer nicht zu geben.

Ich nenne solche Geräte inzwischen Klassik-Kopfhörer. Die zeichnen sich dadurch aus, dass die hohen Töne im Mittelpunkt stehen und die tiefen Töne eher minimiert bis gar nicht beachtet werden. Auch der sehr gute MW60 von Master & Command, den wir letztens getestet haben, gehört in diese Kategorie.

MIY App nur Crap?

Aber das Besondere an diesem Kopfhörer soll sein, dass man mittels der MIY App seine persönliches Soundprofil ermitteln kann und sich der Kopfhörer dann anpasst. Das wäre natürlich genial, müsste aber auch mehr Bass für danilo bedeuten.

Die Entwicklung der App verantworten die noch recht neuen Berliner Sound-Connaisseurs von Mimi Hearing Technologies, die auf der IFA auch ein TV-Gerät mit Mimi-Technologie vorgestellt haben. Ich bin gespannt, was die App kann.

SLEAZE + beyerdynamic Aventho Wireless
Nerv…

Nicht viel… zumindest bekomme ich sie nicht richtig in Gang. Das wird im Netz mehrfach bemängelt und ich habe versucht, die Anleitungen und Tipps zu befolgen. Aber dennoch: Keine Chance!

Das geht schon damit los, dass die App einen anderen Akku-Stand anzeigt, als die nette Stimme im Kopfhörer beim Anschalten angibt. Nach etwas Aufladen haben sich die beiden Werte zwar korrigiert, aber… naja.

Für die Optimierung meines Klangverhaltens muss ich ein Profil erstellen mit der App. Nur kann ich nicht anfangen, weil ich angeblich offline bin. Das stimmt zwar nicht und sowohl WLAN als auch das mobile Internet gehen, aber die App ist davon überzeugt.

Man soll anfangs Updates durchführen, aber angeblich brauche ich das nicht, weil auf meinem Smartphone Android 7 ist. Die FAQ können mir auch nicht helfen, irgendwann kann ich selbst die nicht mehr aufrufen. Für ungeduldige Geister ist MIY jedenfalls nicht geeignet.

Die Mimi-PR betont hinterher, dass die Probleme bekannt seien und das Programm von beyerdynamic entwickelt worden sei – aber eigentlich müssten ja beide Firmen ausgiebig testen und ihnen daran gelegen sein, dass das Ganze ordentlich läuft.

Unterwegs…

Ich persönlich bevorzuge Over-Ears wegen der besseren Geräuschisolation. Allerdings sind diese On-Ears so gut, dass selbst die nervigen Fluggeräusche außen vor bleiben mussten. Auch die Touch-Funktionen am rechten Kopfhörer sind ein Traum. Sie funktionieren fast ohne Berührung. Laut, leiser, vor-, zurück skippen, alles sehr lässig.

Leider kann man die Kopfhörer nicht falten. Gerade wenn man viel unterwegs ist, eine unnötige Einschränkung. Dafür gibt es einen zusätzlichen Klinke-Eingang, sodass man auch mit leerem Akku noch seine Musik (und Ruhe) hat.

Aufgeladen wird das handliche Soundsystem von einem USB Typ C. Bei Handys wird der langsam Standard, doch bei Kopfhörern ist der bereits 2014 eingeführte Standard noch nicht sehr verbreitet.

Das Gerät wird von beyerdynamic als High-End-Gerät eingestuft, was berechtigt ist. Das hat aber natürlich auch seinen Preis. Ein UVP von 449,- ist meiner Meinung nach recht happig, auch wenn der Kopfhörer insgesamt sehr überzeugt.

SLEAZE + beyerdynamic Aventho Wireless
Flugzeugruhe

Fazit: Insgesamt ein absoluter Top-Kopfhörer, wenn einem Bässe nicht fehlen. Vielleicht kommen die mit der hochgelobten App, aber die konnte ich leider nicht testen. Gerade bei dem Preis empfiehlt sich daher für Bass-Liebhaber ein genauer Hinschauen und -hören.

danilo

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