Avatar: Mehr als blaue Männchen

Avatar: Mehr als blaue Männchen

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Die Band im Bühnenoutfit. Foto: Johan Carlen

Es ist ein Name, den viele mit den blauen, halbnackten Figuren von James Cameron verbinden. Doch eine gleichnamige Band erfreut sich immer größerer Beliebtheit: Avatar. Die Metaller spielen nun als Vorband von Disturbed. Genau wie James Cameron lieben die Jungs von Avatar es, Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel von einer Eule, die in den Krieg zieht. Johannes Eckerström ist Frontmann der schwedischen Band. Sein „Avatar“ ist ein Clown, der als Erzähler auftritt. Uns erzählte er in leicht gebrochenem Deutsch mehr über die Band.

Frontmann Johannes mal ohne Schminke. Foto: Lisbeth Schröder
Frontmann Johannes auch ohne Schminke ein Clown. Foto: Lisbeth Schröder

SLEAZE: Euer neues Album Feathers & Flesh ist ein Konzeptalbum. Warum stellt gerade eine Eule die Hauptrolle dar?

Johannes: Wir wollten mit Archetypen spielen: In Fabeln gibt es immer den schlauen Fuchs oder den großen bösen Wolf. Und so kam uns die Idee der Eule. Sie geht durch die Geschichte, trifft auf die anderen Wesen und lernt dabei… nichts. Das Potential zu lernen ist da. Aber das Vieh versagt völlig und ist überhaupt nicht diese schlaue Eule. Und dann haben wir den Adler. Der hat eigentlich auch etwas Heroisches und Archetypisches. Aber unser Adler ist eigentlich ein Arschloch.

SLEAZE: In eurem neuen Song The Eagle Has Landed geht es genau darum. Ihr singt über diese Figur: „Die Welt feiert, während wir auf deine Rückkehr warten“… Hört sich sehr wie eine Anspielung auf Jemanden an.

Johannes: Hinter dem Adler steht einfach eine menschliche Eigenschaft. Wir Menschen denken immer, dass wir auf der guten Seite sind. Das ist wie bei Die Schöne und das Biest. Da ist der Jäger: Der große, starke Kerl, der das Monster töten, das Mädchen retten und viele Kinder zeugen will. Aber Jeder, der den Film gesehen hat weiß, dass er eigentlich ein arrogantes Arschloch ist. Das können wir auch in der Wirklichkeit finden. Da gibt es ja auch das Land der Adler. Die retten die Welt, erlösen alles und erzählen einander, dass sie die Nummer Eins sind.

SLEAZE: Die USA?

Johannes: Könnte sein, ist nicht ganz unwahrscheinlich. Aber zuallererst geht es um den Adler und seine Rolle in der Geschichte. Und dass wir alle diese Arroganz haben können.

SLEAZE: Ist das die Quintessenz des Albums: Dass wir uns nicht für etwas Besseres halten sollen?

Johannes: Nein… Die Eule erinnert sich nur an die Nächte. Da ist sie die Königin und Regierende des Himmels. Aber in der Nacht erscheint der Adler und sagt: In einigen Stunden geht die Sonne auf und dann werde ich regieren. Deine Zeit ist vorbei. Die Eule akzeptiert nicht, dass die Zeit weitergeht, die Veränderung und dass sie ihre Macht verlieren kann. Sie denkt: Wenn ich den Adler töte, gibt es die Sonne nicht mehr. Genial! Jetzt ist Krieg! Aber die Sonne wird so oder so aufgehen. Das ist es, worum es in der Geschichte geht.

SLEAZE: Warum habt ihr euch diese Geschichte ausgerechnet in Form eines Konzeptalbums ausgedacht?

Johannes: Wir suchen immer eine Herausforderung. Letztes Mal war die Herausforderung ein Livealbum. Nun wissen wir, dass wir das können. Diesmal haben wir diskutiert: „Wie wird ein Konzeptalbum gemacht?“„Keine Ahnung.“„Okay, dann machen wir’s.“ Dann wollten wir eine Geschichte erzählen. Uns kam die Idee, dass ich als Clown ein Märchen erzählen könnte. Das Album fängt an mit „willkommen, setz dich hin, ich erzähle dir etwas“. Ich bin es, der die Geschichte mit der Eule erzählt.

Foto: Johan Carlen
Wo ist die Eule? Foto: Johan Carlen

SLEAZE: Warum ausgerechnet diese Darstellung als Clown? Wie seid ihr darauf gekommen?

Johannes: Da hatten wir Glück. Wir haben es mit Black Waltz (vorletztes Album, Anm. d. Red.) geschafft, das Album zu visualisieren. Wir sehen alle aus, wie unsere Musik klingt. Wir denken, dass das Visuelle nicht nur ein Image ist, sondern Teil der Kunst. Aus reiner Zufälligkeit haben wir für das Album die Chance bekommen, ein Musikvideo mit einem Typen aus einer Freakshow zu drehen. Im Video machen alle Menschen freakige Sachen. Ich dachte: „Was kann ich tun? Ich könnte ein Clown sein, ein unheimlicher Clown.“ Ebenso die anderen. Und dann haben wir in den Spiegel geschaut und dieses Klickgefühl gehabt. „Ach so, das war’s. So sieht unsere Musik aus.“

SLEAZE: So habt ihr euer Aussehen entwickelt?

Johannes: Unser Aussehen haben wir nicht wirklich entwickelt, wir haben uns nur entdeckt.

SLEAZE: Und musikalisch? Wie habt ihr euch da entwickelt?

Johannes: Wir sind eine Metal-Band und es gibt einige einfache Regeln und Prinzipien, auf die wir bauen können. Bei Metal gibt es den Gitarrenriff. Du schreibst dein besten Riff und dann überlegst du: Was kann der Schlagzeuger dazu machen? Also das Heiraten zwischen Gitarre und Drums. Dann folgst du einfach der Musik und lässt dich tragen. Das Lied leitet uns auf eine Reise und wir fahren da hin, wohin es uns führt.

SLEAZE: Das habt ihr früher nicht getan?

Johannes: Früher gab es mehr Regeln, beispielsweise machen wir jetzt eher schnelle oder langsame Lieder? Das ist alles weg. (Betont jedes Wort:) Wir! Müssen! Es! Lieben! Es klingt alles ganz einfach, wo wir jetzt stehen, aber es war eine lange Reise. Vier von uns sind seit fast 15 Jahren zusammen geblieben. Unser neustes Mitglied ist seit sechs Jahren dabei.

SLEAZE: Aber ihr könnt euch immer noch gut leiden?

Johannes: Manchmal (lacht). Wir haben anfangs mehr gestritten. Wir haben das alles schon gemacht. Wir haben uns schon gehasst.

SLEAZE: Und wie wird eure Geschichte weitergehen?

Johannes: Auf Kurzperspektive: Wir wollen diesen Sommer wieder ein Musikvideo drehen und die Amis besuchen. Dann geht’s in Europa richtig los. Irgendwann wird es uns auf dieser Reise langweilig, dieselben Lieder zu spielen. Dann müssen wir neue machen. Wir suchen wieder eine neue Herausforderung, ein neues Album. Nicht noch ein Album von Eulen, das hatten wir schon. Dann kommt etwas ganz Neues, etwas Kompliziertes.

Lisbeth

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