Aufbruch zum Mond: Ahnunglos im Weltraum

Aufbruch zum Mond: Ahnunglos im Weltraum

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Es gibt da diese wundervolle Szene in Der Club der toten Dichter, in der Robin Williams als Englischlehrer John Keating seinen Schülern die akademischen Flausen aus dem Kopf zu treiben versucht.

SLEAZE + Aufbruch zum Mond
 Buzz Lightyear in Zweifel.

Er, der Freigeist, versucht im Muff der konservativen Akademie voller Alteingesessener, mit Herz und Seele aufzuräumen oder zumindest einen Hauch Leben in den pseudointellektuellen Elfenbeinturm hineinzublasen. In besagter Szene geht es um ein Lehrbuch, das seinen Lesern vorgaukelt, es gebe so etwas wie objektive Maßstäbe und Bewertungsrichtlinien für Lyrik.

Einfach mal keine Ahnung haben

So ähnlich verhält es sich ja auch mit der Filmkritik und damit diesem Text, der sich eigentlich dem Mondlandungsdrama Aufbruch zum Mond (engl. Originaltitel: First Man) annehmen soll. Da geht es um konkrete Funktionen, Aufgaben und Ziele einer solchen Auseinandersetzung, die irgendwann einmal niedergeschrieben und als heiliges Wort verstanden wurden.

Und natürlich hat jeder selbsternannte Experte eine ganz andere Auffassung dessen, wohin sie überhaupt führen soll. Oder anders ausgedrückt: Auf allen Seiten wurde die Weisheit mit selbstgeschmiedeten Löffeln hinuntergeschlungen. Und was macht Lehrer John in Der Club der toten Dichter? Er lässt seine Schüler den gedruckten Schund solcher Anmaßungen herausreißen. Danke, Mr. Keating.

SLEAZE + Aufbruch zum Mond
Wo geht die Reise hin, Neil / Ryan?

Das führt uns nun zurück zu dieser Kritik, die eben solchen Anmaßungen mit einem heiteren Denk- und Gefühlsvakuum gegenübertritt. Auch einige Wochen nach der Sichtung von Aufbruch zum Mond stehe ich vollkommen ahnungslos da. Diese Ahnungslosigkeit ließe sich leicht mit besonders klug und laut klingenden Worthülsen wegballern. Ich könnte dir ganz viel stumpfes Faktenwissen über Regisseur Damien Chazelle (La La Land), Hauptdarsteller Ryan Gosling (Blade Runner 2049 UND La La Land) oder auch dessen Figur, den titelgebenden Astronauten und „First Man on the moon“ Neil Armstrong in deinen Denk- und Sinnesapparat aka Gehirn werfen. Doch stattdessen sage ich: Ich habe keine Ahnung. Und das ist ok.

Irgendwo war ich verloren

Die Geschichte um die jahrelange Vorbereitung auf die erste Mondlandung und ihrer Durchführung bettet Damien in ein traumatisches Ereignis des Raumfahrers in spe ein: den Tod seiner Tochter. Doch auch viele, viele Tage seit der ersten Sichtung finde ich so wenige Spuren, die mich emotional an diese eigentlich sehr tragische und gleichsam historische Geschichte zurückführen, weshalb mir damit einhergehend die Worte fehlen.

Aufbruch zum Mond lässt mich so ungemein kalt, obwohl Damien verspielte, intime Bilder der zu Beginn noch vollständigen Familie Armstrong findet, in denen er die Kamera geradezu frei an die Seite seiner Handelnden stellt. Das große Drama inszeniert er noch nicht einmal auf den großen Schock hin. Er drückt nicht die vielzitierte Tränendrüse; der Moment ist plötzlich da. Der Tod ist plötzlich da.

Aber irgendwann, daran erinnere ich mich, verlor mich Damien und da waren wir noch nicht einmal im Weltraum. Womöglich passierte es irgendwann während der gefühlt langen Zeit, die Damien mit der Vorbereitung der Astronauten verbringt.

SLEAZE + Aufbruch zum Mond
Die Boygroup ist bereit, auch den Mond zu erobern.

Denke ich an Aufbruch zum Mond, sehe ich vor allem viele einzelne Bild- und Tonstücke, die aber einfach nicht zusammenpassen wollen, jedenfalls nicht bei mir. Wer weiß schon, was sich da noch im Unbewussten herumtummelt; mein Bewusstsein sträubt sich gegen dieses Wirrwarr an Eindrücken und hinterlässt Verwirrung einhergehend mit der Hoffnung, dass eine der nächsten Sichtungen irgendetwas bewegt. Es ist eine Art Blackout-Gefühl, in dem sich keine Art von Filmfluss für Damiens neusten Streifen finden lässt. Denke ich an Aufbruch zum Mond, treibe ich ahnungslos durch den Weltraum.

Alex

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