Auf die musikalisch Wilde Jagd gehen

Auf die musikalisch Wilde Jagd gehen

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die_wilde_jagd_02Die Wilde Jagd, so wird ein alter germanischer Mythos genannt, der besagt, dass in den Rauhnächten – den kalten Nächten um den Jahreswechsel – die Geister toter Jäger über den Himmel ziehen. Der Sage zufolge zieht in jenen Nächten das wilde Geister Heer unter tobendem Lärm aus Gerassel, Johlen und Ächzen durch die Lüfte. Uuuuh…Grusel, Grusel. Was verbirgt sich also hinter dem neuen Projekt von Ralf Beck und Sebastian Lee Philipp, das sich genauso nennt?

Was heute mit dem Phänomen der Luftstimmen begründet wird, fangen die beiden Düsseldorfer, die sich im sagenumwobenen Salon des Amateurs kennenlernten, musikalisch ein. Wer nun denkt, bei so einem Namen müsse es sich um finsteren Metal handeln, liegt jedoch daneben. Mit ihrem gleichnamigen Debütalbum weben Die Wilde Jagd einen mystischen Klangteppich, der ohne Frage an Krautrock vergangener Zeiten erinnert. Weniger gitarrenlastig, gestützt auf treibende Trommelrhythmen, steht hier der Synthesizer zumeist im Mittelpunkt. Kein Wunder, denn Ralf, der bereits zahlreiche Alben produzierte, ist leidenschaftlicher Sammler von allen möglichen verschiedenen Klangmaschinen. In seinem Studio Uhrwerk Orange experimentierten die beiden ausgiebig an seiner Sammlung herum.

Das Ergebnis lässt sich wohl als eine Mischung aus Neo-Krautrock und Electronica bezeichnen. Mit acht Songs schaffen Die Wilde Jagd es, den germanischen Spuk beinahe unangenehm lebendig erscheinen zu lassen. Schon der (in wahrer Krautrock-Manier beinahe achtminütige) Opener „Wah Wah Wallenstein“, lässt das beunruhigende Gefühl aufkommen, dass sich vielleicht der Himmel auftun und zornige Jäger Geister die Keule schwingen könnten. Easy Listening ist das nicht! Der weitere Verlauf führt durch ein Labyrinth aus Klängen, in dem allerdings repetitive Gitarrenloops und klare Beats für Orientierung sorgen. Songtitel wie „Durch dunkle Tannen“ „Jagd auf den Hirsch“, oder „Morgenrot“ lassen erahnen, dass das Ganze tatsächlich etwas von einer Geisterbeschwörung im kalten Winterwald hat.

Die Wilde Jagd zeigen nicht nur lokale Referenzen zu NEU!, Propaganda, DAF oder den Krupps, sondern machen ihnen auch musikalisch alle Ehre. Mit ihrem Album lösen sie gekonnt Genregrenzen auf und erschaffen eine überwältigende Atmosphäre. Freunde experimenteller Klänge werden hier auf ihre Kosten kommen.

Künstler: Die Wilde Jagd
Album:
Die Wilde Jagd
VÖ: 01.05.2015
Label: Bureau B
Länge: 47 Minuten

Lisa

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