American Animals: Hier ist das Tier Mensch

American Animals: Hier ist das Tier Mensch

TEILEN

Langweilt dich dein Leben? Hast du es satt, nach der Pfeife anderer zu tanzen? Dann plane doch einfach einen Raubzug.

Die vier Studenten Spencer (Barry Keoghan), Warren (Evan Peters), Eric (Jared Abrahamson) und Chas (Blake Jenner) versuchten 2004, wertvolle Bücher aus der Bibliothek der Transylvania University in Lexington, Kentucky, zu stehlen.

SLEAZE + American Animals
Vier Studenten mit dem Kontrabass… oder wie war das?

Der noch weitgehend unbekannte britische Filmemacher Bart Layton nimmt sich mit American Animals eben jener Geschichte in einem der ersten filmischen Höhepunkte des noch jungen Jahres an.

Charakterstarke Tiere

Angesichts seiner befreiten Inszenierung und der eindringlichen Beschäftigung mit seinen Charakteren ist es tragisch, dass der Film hierzulande leider nur fürs Heimkino erscheint und zumindest nicht regulär auf der großen Leinwand zu sehen ist. Er hätte es verdient.

Denn Bart gelingt es, nicht nur bekannte Motive des Heist-Movies schwungvoll in Szene zu setzen: So erzählt der gebürtige Londoner von der langen Phase zwischen zündender Idee und praktischer Vorbereitung ebenso wie vom zähneknirschenden Ablauf. Vor allem aber sind es die Involvierten selbst, die gleich mehrfach eine Stimme kriegen.

Im Streifen kommen die wahren Täter nämlich selbst in vereinzelt eingestreuten Interview-Momenten zu Wort, womit Bart einige Szenen teils aus unterschiedlicher Perspektive erzählt und damit elegant dem möglichen Vorwurf einer Wahrheitsverzerrung umschifft.

Der Regisseur gründet seinen Film auf den Worten der Beteiligten und reflektiert ganz nebenbei über die Irrwege unseres Gedächtnisses und die Kluft zwischen Realität und Fiktion. Letztlich ist es aber vollkommen unerheblich, was tatsächlich wahr oder erfunden ist. Über die Kluft spannt sich eine alles zusammenhaltende Brücke der Emotionen.

Am Ende bleibt der Mensch

Wir sehen den vier jungen Männern dabei zu, wie die anfänglich nicht von allen Seiten ernstgenommene Idee konkrete Formen annimmt und der Tag bis zum Raub näher und näher rückt. Das zerrt schweißtreibend an den unerfahrenen und aus gut behütetem Hause kommenden Beteiligten.

Die American Animals sind womöglich nicht die wilden Tiere, nach denen sie sich angesichts ihrer selbst empfundenen Enge sehnen. Gleichzeitig ebnet Bart damit den Weg hin zur Frage, welche Erwartungen Eltern überhaupt an ihre Kinder stellen können. Sind Erwartungen als solche nicht schon überzogenes Druckmittel?

Der von außen injizierte oder zumindest als solcher empfundende Druck schlägt hier in eine sich dem entgegenstellende, antreibende Gegenreaktion um. Drum lasst uns einen Raubzug starten, unser Ding machen, hinaus aus der Langeweile und den Erwartungen anderer.

SLEAZE + American Animals
„Heist“ an der Wand, damit niemand den Film vergisst, den sie fahren.

Bart konfrontiert seine Charaktere auf dieser Seelenreise mit der brutalen Distanz zwischen euphorischem Selbstbild und niederschmetternder Realität und schafft es, diese Tiere vor allem als menschliche Wesen mit Zweifeln, Widersprüchen und Fehlern darzustellen.

Aus der anfänglichen Coolness und sich in Gang setzenden Selbstdynamik der Geschehnisse schält sich Schicht um Schicht das nackte Wesen seiner Protagonisten heraus. Mittendrin in dieser entfesselten Offenbarungsspirale ist Regisseur Bart Layton, der die Fäden stets zusammenhält und nie vergisst, um wen es hier eigentlich geht: die Menschen.

Alex

Titel: American Animals
Heimkinostart: 18.01.2019
Dauer: 116 Minuten
Genre: Krimi, Drama
Produktionsland: Großbritannien, USA
Filmverleih: Ascot Elite

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen