Alte (Junkie-)Helden, Schräges und krasse Realität – Kino im Februar

Alte (Junkie-)Helden, Schräges und krasse Realität – Kino im Februar

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Yep, ganz recht: Diesen Monat kommt die (langerwartete) Fortsetzung von Trainspotting ins Kino! Wirklich! Aber nicht nur das, auch gibt es schräge Filme im Sinne von Horror, Grauen und Mystery – also alles, was uns bei SLEAZE ganz besonders gefällt. 🙂 Und dann zwei äußerst interessante Filme über die derzeitigen weltweiten Zustände. Das ist ja eh der heftigste Horrortrip von allen! Ich sag nur, Polizeigewalt und Flüchtlinge. Enjoy! 😉

Ikonischer Verpeiler: Spud

2. Februar

Die irre Heldentour des Billy Lynn: Ein verschachteltes, seltsames und lohnendes Werk: Ang Lee (Taking Woodstock) inszeniert die Jubeltour einiger US-Soldaten. Billy Lynn und seine Truppe werden unfreiwillig bei einem Kampfeinsatz zu medialen Helden und bekommen dafür ein paar Tage Heimaturlaub. Aber eigentlich wird die Einheit nur zur Schau gestellt, beispielsweise in der Halbzeitshow eines Football-Spiels. So sollen sowohl die Moral an der Heimatfront wie auch das Image der Armee verbessert werden – denn Medien und Öffentlichkeit sind mindestens genauso Krieg (um die Herzen und den Verstand) wie der eigentliche, richtige Krieg.

Klingt nach Medienkritik? Bedingt! Denn es geht auch viel um das Verhältnis der Soldaten zueinander und ihre Trauer über einen gefallenen Kameraden. Hauptfigur Billy erlebt in Rückblenden den damaligen Einsatz wieder und erinnert sich an „Shroom“ (Vin Diesel), der ein Mentor für ihn war. Gleichzeitig erwägt Billy, sich krankzumelden und daher nicht in den Krieg zurückkehren zu müssen – genug Stress dafür hat er erlebt.

So, als würde das noch nicht reichen, drehte Regisseur Ang Lee Billy Lynn in der höchsten je dagewesenen Bildrate, nämlich 120 Bildern pro Sekunde. Den bisherigen Rekord hielt Der Hobbit von Peter Jackson mit 48 Bildern pro Sekunde, normal sind 24. In 3D und 4K gibt es Billy Lynn natürlich sowieso, daher kriegst du hier (falls du im richtigen Kino sitzt!) das beste Bild, was man bisher für Geld sehen konnte. Ich sag nur: hyperreal! Allein deshalb ist der Film empfehlenswert.

Volt: Ein deutscher dystopischer Film über die Zukunft dieses Landes und der Flüchtlinge: Benno Fürmann ist Volt, Demo-Bulle in einer Einheit, die immer eingesetzt wird, wenn irgendwo Flüchtlinge einen Mob bilden. Den knüppeln die Bullen dann nieder. Die Flüchtlinge leben außerdem in improvisierten Notunterkünften oder einfach auf der Straße.

Die andere Seite: Die Deutschen in Volt wohnen in Gated Communitieshinter Zäunen und mit Wachleuten, denn draußen ist man ja nicht mehr sicher. Was für Deutschland wie Zukunftsmusik klingt, ist in anderen Ländern der Welt mit einem größeren Reichtumsgefälle schon lange Realität. Wird so auch unsere Zukunft aussehen? Ganz sicher nicht, wenn in den westlichen Demokratien noch mehr Dumpfbacken à la „Pussygrab“ an die Macht gewählt werden! 😉

Volt überzeugt mit einer schön düsteren Grundstimmung und einem nicen Soundtrack von Elektronik-Produzenten Alec Empire. Solche Filme könnte es mehr geben aus deutschen Landen!

9. Februar

Retterin der (Rest-)Menschheit? © SquareOne/Universum

The Girl with all the Gifts: Immer noch Lust auf Zombies? Wenn ein Genre schon längere Zeit populär ist, kommen hinten raus oft die interessantesten Beiträge. So wie The Girl with all the Gifts: In naher Zukunft gibt es die Hungries. Das Besondere an diesen Zombies: Du mutierst zu ihnen aufgrund einer Pilzinfektion und der Pilz breitet sich durch die Luft aus. Ultrafies! Da bringt selbst Weglaufen und nicht gebissen werden wie in The Walking Dead nicht sonderlich viel.

Ein paar wenige Menschen sind selbstverständlich immer noch übrig und leben in einer Art Militärbasis / Forschungseinrichtung. Dort werden besonders einige wenige Kinder behütet, die zwar infiziert sind, aber irgendwie auch noch ihre Menschlichkeit behalten haben. Wie so oft im Zombieland geht dann einiges schief und der Überlebenskampf beginnt.

Gut besetzter Streifen (Gemma Arterton, Glenn Close) von Regisseur Colm McCarthy (Peaky Blinders), der spannende Genre-Unterhaltung verspricht. Möchtest du mehr erfahren, lies unsere Rezension zu TGWATG.

16. Februar

Madame Ice: (E)Isabelle Huppert

Elle: Rache eiskalt: Michèle (Isabelle Huppert) hat ihr Leben komplett im Griff, ja grenzt sogar stark an einen Kontrollfreak. Beruflich erfolgreich, mangelt es ihr eigentlich an nichts. Doch dann gerät ihre Welt total aus den Fugen: Ein Mann bricht in ihr Heim ein und vergewaltigt sie.

Michèles Reaktion überrascht: Sie geht nicht zur Polizei, sondern verwendet anschließend ihre Energie auf Selbstverteidigung. Schießen und Nahkampf lernen, eine Waffe besorgen. Alles mit dem Ziel, dass das Erlittene nie wieder passieren kann. Extrem auf ihre Sicherheit bedacht, spürt sie zusätzlich mit Hilfe einer Sicherheitsfirma ihren Vergewaltiger auf. Hier soll nicht zu viel verraten werden, doch so viel sei gesagt: Dann geht sie immer noch nicht zur Polizei. 🙂

Und jetzt mal ein Wort zu Isabelle Huppert: Isabelle ist einer DER Stars des französischen Films. Sie hat schon mit jedem gedreht – Godard, Tavernier, Haneke, Ozon und ganz besonders, bis zu seinem Tod, immer wieder mit Claude Chabrol. Auch hat sie schon seit Heaven’s Gate 1980 immer wieder in großen Hollywood-Filmen mitgespielt. Trotz alledem ist Isabelle europäische Schauspielerin durch und durch. Ja, manche behaupten sogar, sie verkörpere einen ganz einmaligen Typ Sex-Appeal: Unter Null, und doch unendlich begehrenswert. An wem die schöne Isabelle bisher vorbeigegangen sein sollte, der schaue sich Elle an!

T2: Trainspotting: 20 Jahre früher: Es sind die 90er, Techno liegt in der Luft, doch in Schottland ist es langweilig. Renton, Spud und Sick Boy dröhnen sich mit Heroin zu, Begbie wirft Biergläser. Babys krabbeln an der Decke, in Toiletten wird getaucht. Auch heute noch sind all diese Bilder und Geschichten sehr präsent, denn Trainspotting war ein sogenannter Zeitgeist-Film: Er traf genau den Nerv bzw. die Vene.

Streng genommen hatte das Original auch nie so wirklich nur mit Heroin zu tun, fühlte sich vielmehr an wie ein Cocktail aller möglichen Substanzen. Und vor allem hatte Trainspotting: Energie satt! Super sympathische Schauspieler, schrägste Geschichten, ganz viel Humor. Und wie wird jetzt der zweite Teil? Hoffentlich gut! Und hoffentlich keine öde Mittvierziger-Midlifecrisis! Ist allerdings auch schwer vorstellbar bei diesen Chaoten. Irgendwas sagt mir, dass sie nicht nur Tee trinken werden! Klarer Tipp, doch Fans muss man T2 wohl eh nicht ans Herz legen.
Hier unsere ausführliche Rezension.

(Und halt die Augen offen und besuch (noch) öfter mal SLEAZE im Februar, denn eine Redaktionsstimme flüstert mir ein, dass wir diesen Monat auch Freikarten für T2 verlosen werden!) 😉

23. Februar

Was ist das für eine Irrenanstalt?

A Cure for Wellness: Ein schräger Psycho-Thriller von Fluch der Karibik- und The Ring- Regisseur Gore Verbinski: Dane DeHaan (Chronicle – Wozu bist du fähig?) wird in ein mysteriöses Wellness-Resort geschickt, um seinen Boss zurück an den Arbeitsplatz zu holen. Denn der Gute ist schon zu lange auf Kur und so langsam wird der Vorstand unruhig.

Doch dieses Spa macht eher krank: Alle seltsam drauf, man erfährt meist erst dort, dass man selber Krankheiten hat (angeblich), von denen man vorher noch gar nichts wusste! Und Optik und allgemeine Atmosphäre des Spas erinnern auch eher an Horrorfilme. Welche bösen Machenschaften verfolgt das Wellness-Center aber und wird Dane wieder heil herauskommen? Und wer ist eigentlich die schöne Mia Goth (Nymphomaniac II), die Dane dort auch noch kennenlernt? Fragen über Fragen und ein visuell vielversprechender Mystery-Thriller – könnte gut werden!

USA im Kriegszustand: Polizei oder Militär?

Do Not Resist – Police 3.0: Mittlerweile womöglich bekannt: In den USA hat die Polizei im Anschluss an George W. Bushs Kriege (Afghanistan, Irak) altes Militär-Equipment übernommen und verhält sich bisweilen wie eine Besatzungsarmee. Die eine Behörde (Polizei) kauft dabei das ausrangierte Material der anderen, nämlich eben des Militärs. So wird völlig unnötigerweise in Ghettos und ähnlichen Problembezirken heftigst eskaliert. Denn wie würdest du dich fühlen, wenn in deinem Viertel plötzlich Hummer und leichte Panzer auffahren? Wahrscheinlich wie in Afghanistan, denn für dort wurden diese Gefährte ja auch konzipiert.

In der Doku Do Not Resist geht es jetzt eben um Polizeigewalt in den USA, um deren zunehmende Militarisierung, und außerdem noch um den Einsatz neuer futuristischer Überwachungstechniken durch die Polizei. Deprimierende Zukunft satt also! Der Vater von Regisseur Craig Atkinson war selber einmal Polizist, und Sohnemann versucht in Do Not Resist das eigentlich Unmögliche: auch an die sich gewohnheitsmäßig hermetisch abschirmenden Beamten heranzukommen und mit ihnen zu sprechen.

Heraus kommt eine super informative Doku, die viel über das Schicksal der schwarzen urbanen Bevölkerung in den USA sowie über die Zukunft und Gegenwart der Polizeiarbeit erzählt. Auch wenn die Nachrichten derzeit noch mehr deprimieren als sonst: anschauen!
Zur ausführlichen Besprechung von Do Not Resist geht’s hier: Der Terror gegen die Eigenen.

Robert

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