Alles klar, Kinder?

Alles klar, Kinder?

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Wir werden sehr kritisch gemustert, als wir endlich die letzten Treppenstufen genommen haben. Das ist ein wenig unfair; schließlich beschweren wir uns auch nicht darüber, dass wir plötzlich inmitten von ca. 70 Kindern stehen und mit ihnen darauf warten müssen, dass der Kinosaal endlich geöffnet wird. Außerdem sind wir bei Weitem nicht die Ältesten. Gut, die Ältesten ohne Kinder, aber das ist noch lange kein Grund dafür, dass wir hier wie Verbrecher behandelt werden. Auch unsere hervorragende Idee, uns lautstark auf den gebuchten „Love Chair“ zu freuen, darf in unserer angeblich so offenen Gesellschaft eigentlich nicht für Empörung sorgen. Dennoch fällt es einigen Wartenden sichtlich schwer, die Contenance zu bewahren.

SLEAZE.Allesklarkinder.2Davon lassen wir uns diesen wunderbaren Tag aber keinesfalls vermiesen. Zu lange haben wir uns auf ihn gefreut. Gleich sehen wir Spongebob Schwammkopf 3D. In 2D. Mein Begleiter hat dafür eine fast 500 km weite Anreise auf sich genommen. Es hat eben nicht jeder den Anspruch, stets kluge Entscheidungen zu treffen.

Nach langem Warten öffnen sich die Türen. Obwohl jeder, der hier steht, einen fest zugewiesenen Platz hat, geht sofort ein schrilles Gekreische und wildes Gedränge los. Dass wir deswegen schon wieder komisch angeschaut werden, registrieren wir kaum, denn schließlich sind wir so vor allen anderen auf unseren Sitzen. Körperliche Überlegenheit macht sich eben doch manchmal bezahlt.

Die nächste halbe Stunde liefert mir zwei wichtige Erkenntnisse. Erstens: Die Menschen, die die Werbung und die Filmvorschauen zusammenstellen, haben sich anscheinend vom Ende der „Herr der Ringe“-Trilogie beeinflussen lassen. Zweitens: Kinder sind sehr, sehr dumm. An völlig unangebrachten Stellen lachen sie über Nichtigkeiten. Wir wirken deswegen anscheinend sehr verzweifelt, denn eine Mutter, die direkt neben uns sitzt, spendet uns Trost. Ein Funken Menschlichkeit, der unsere Laune enorm hebt.

Nach 17 Trailern startet dann endlich das neue Abenteuer unseres Lieblingsschwammes, und die Kinder legen plötzlich doch eine erstaunliche geistige Reife an den Tag, können sie doch alle das Spongebob-Titellied auswendig. Dass dieses positive Urteil ein wenig vorschnell ist, werden die nächsten 90 Minuten jedoch zeigen. Denn der Film hat einige wirklich lustige Szenen, die „unsere Zukunft“ mit erstaunlicher Apathie vorüber ziehen lässt. Dabei verzichtet er allerdings komplett auf eine Story. Also nicht komplett, aber das Wenige, das man als Handlung bezeichnen kann, ist schon bemerkenswert dünn. Man muss fast schon Respekt dafür aufbringen, denn einfach war das sicher nicht.

Mitten im Film steht die Mutter, die vorhin so lieb zu uns war, wortlos auf und verlässt den Saal. Keine große Sache eigentlich, kann ja immer mal vorkommen, dass man aufs Klo muss. Das scheint bei ihr aber nicht der Fall zu sein, denn kurze Zeit später erscheint ein Angestellter des Kinos und erklärt dem allein gelassenen Kind, dass seine Mami nicht vorhat, sich das Ende des Films anzuschauen. Und eben haben wir noch ihre Menschlichkeit gelobt. Für den Jungen ist das aber offensichtlich nichts Ungewöhnliches, er hört dem Kinomenschen kaum zu. Es ist fraglich, ob er überhaupt gemerkt hat, dass seine Mutter verschwunden ist.

SLEAZE.Allesklarkinder.3Irgendwie sind wir froh, diese Szene erlebt zu haben. Andererseits hat sie dem Film damit auch Unrecht getan. Er ist bei weitem nicht so gut wie Spongebobs erster Ausflug auf die große Leinwand, was aber auch nicht zu erwarten war – schließlich wurde der großartige David Hasselhoff durch Antonio Banderas ersetzt. Der geneigte Fan wird es dennoch nicht bereuen, sich Spongebob 3D anzuschauen. Wie gesagt, es gibt kaum Handlung, aber viele typische schwachsinnige Details, die auf jeden Fall Spaß machen. Sollte es jedoch das Ziel der Macher gewesen sein, viele neue Fans für den gelben Schwamm zu gewinnen, so sind sie ähnlich fulminant gescheitert wie Bernd Lucke beim Versuch, Verbindungen zwischen AfD und Rechtspopulismus zu leugnen.

Simon

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