Alles dreht sich

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Das türkische Kino wird seit einigen Jahren vor allem von einem Namen dominiert: Nuri Bilge Ceylan, der 2014 mit seinem wuchtigen Drei-Stunden-Epos Winterschlaf die Goldene Palme in Cannes gewann. Von einem wuchtigen Filmerlebnis kann beim Splatterstreifen Baskin seines türkischen Landsmannes Can Evrenol dagegen nicht die Rede sein. Sein gezwungen auf klug getrimmter, philosophischer Unterbau kann die eigentliche Idee des Films, einen biederen Gewaltporno zu entfesseln, nicht verdecken und wirkt im Angesicht des Geschehens wie eine alberne Randnotiz.

Hinfort, Hand!
Bedrohliche Hand, die erste..

Dabei erinnert seine figurenzeichnende Einleitung der Geschichte um eine Gruppe von Polizisten, die sich zunächst ein scheinbar belangloses Gespräch liefern (es geht u.a. um die Verbreitung von Sex mit Tieren beim Militär), sehr leicht an den Auftakt zu Quentin Tarantinos Heist-Kammerspiel Reservoir Dogs, wenngleich er auch in keinster Weise an dessen Spritzigkeit und Dialoggewalt herankommen mag. Auf dem Weg zurück geraten die Polizisten schließlich auf ein mysteriöses Anwesen und der Film besinnt sich auf sein eigentliches Anliegen: dem Exzess von Kannibalismus, Folter und Sex, verpackt in einer kalenderspruchreifen Geschichte um eine Art Sekte. Dessen Führer lässt dann auch solch Dinge vom Stapel wie: Man müsse lernen, mit dem Herzen zu sehen – nur um kurz darauf seinem Opfer das Auge auszustechen. Dieser überlange Part des Films erinnert an all die üblen, langweiligen Splatterfantasien, die gefühlt täglich auf die Menschen losgelassen werden und nichts weiter befriedigen als voyeuristische Pornoimpulse.

Nein, dies ist kein Undergroundkonzert.
…und ganz, ganz viele Griffel.

Dass sich die Geschichte dann auch noch in einer pseudo-philosophischen Metaebene verliert, dürfte nur all jene interessieren, die bis zum Ende nicht ohnehin schon abgeschaltet haben. Denn der Kreis schließt sich und das wortwörtlich. Die Idee einer sich ständig wiederholenden Wiederkehr und damit eine kontinuierliche Repetition von Ereignissen wird im letzten Moment in den Film geworfen und wirkt eher wie der witzlose Versuch, dem Ganzen dort mit Bedeutung zu schwängern, wo kein fruchtbarer Boden zu finden ist. Zwar finden sich rückblickend Hinweise auf diesen armen Twist – die im Film thematisierte Dualität von Realität und Traum verdeutlicht dies –, doch von eleganter Einbettung des Themas kann keine Rede sein, wenn immerzu mit dem Dampfhammer vorgegangen wird.

So ist der Film vor allem ein Nachkömmling der zahlreichen Splatterfilme, die heute ihre Genrewurzeln vielfach als nicht mehr als die Blaupause für die eigene Ideen- und Geschmacklosigkeit verwenden. Das ist nicht nur äußerst anmaßend, sondern ebenso ergähnenswert. Wenn das reine Herausreißen von Gedärm sich in nicht viel mehr als blutgetränkte Pornografie auflöst, ist dies nicht nur äußerst wirkungsarm, sondern mag im besten Fall in eine filmische Masturbation münden, die den kurzen Kick gibt, aber nicht nachhaltig befriedigt. Sofern bei einem unattraktiv-ödem Werk, wie diesem, überhaupt noch jemand so etwas wie Lust verspürt.

Alex Warren

Titel: Baskin
Regie: Can Evrenol
Laufzeit: 97 Min.
VÖ: 29.04.2016 (DVD, Blu-Ray, VoD)
Verleih: Capelight Pictures

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