Alle, die „was mit Medien“ machen: aufgepasst!

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So, heute wende ich mich mal dem tollen Grafik-Tablet Cintiq Pro von Wacom zu. Ja ok, eigentlich stimmt das schon gar nicht. Ich habe mich nämlich schon viele Wochen damit beschäftigt. Und nein, ich habe kein Unboxing-Video gemacht. Aber zugeben muss ich ja schon, dass es ein bisschen Spaß gemacht hat, das Ding auszupacken. Ich hab mich auch echt drauf gefreut.

Kurzer Hintergrund: Ich studiere Fotografie und illustriere auch sehr gerne, das heißt, ich arbeite regelmäßig mit einem Grafik-Tablet. Ich habe ein kleines Intuos Art für damals knapp 100€, mit dem ich sonst arbeite. Sehr gut für Einsteiger, sagt Wacom.
Ein Witz, sage ich! Zumindest im Gegensatz zu dem Cintiq Pro.

Das Teil sieht schon sehr viel edler aus. Und um noch eine Prise wortwörtliche Oberflächlichkeit zu preisen: Es passt auch super schick zum MacBook und anderen stylishen Apple-Produkten, die wir Designer ja bekannterweise alle nutzen (und deren Optik manchmal wichtiger ist als der Inhalt).

SLEAZE + Wacom Cintiq Pro
Bei der Bildretusche gibt das Tablett auch einiges her.
So. Hardware. Von klein nach groß.

Der Stift, der übrigens allein schon circa 100€ kostet, nennt sich Wacom Pro Pen 2 und ist der Shit. Klar, das Ding ist immer noch aus Plastik, aber nicht im unangenehmen Sinne. Das Teil hat ordentlich Grip dank der Gummierung, und zwei Knöpfe, die man individuell belegen kann. Allerdings muss man den Stift manchmal zuerst drehen, wenn man mitten beim Arbeiten ist, um diese benutzen zu können. Für den Stift gibt es einen Halter, der gleichzeitig neue Stiftspitzen inne hat und zum Herauslösen der alten genutzt wird.

Außerdem kommen zu dem Stift nochmal kleine Extraringe, mit denen du deinen Stift farbig markieren kannst. Sinnlose Spielerei, dachte ich zuerst. Bis ich überlegt habe, dass andere Leute ja vielleicht mehrere Tablets haben und somit auch mehrere verschiedene Stifte.

Der Stift hat 8.192 Drucksensitivitätsstufen, Neigungserkennung und ein Gewicht von nur 15 Gramm. Dreht man den Stift um, hat man einen Radiergummi.
Laut Wacom soll dieser Wunderstift weder eine Parallaxe noch einen Lag, also ein Hinterherziehen des Stiftes, geben was aber ganz so nicht stimmt. In beiden Fällen arbeitet das Cintiq Pro wesentlich besser als vorhergehende Tablets. Doch vielleicht hätte sich Wacom dieses Statement noch nicht jetzt aufdrücken sollen.

Gut, genug vom Stift. Ähem…Pro Pen tuuuuu meine ich natürlich. Ran ans Eingemachte.

Was gleich auffällt, ist die super schöne Oberfläche des Tablets. In matt, Mensch sei Dank. Ich weiß ja, es geht um die Farbbrillianz, aber trotzdem finde ich matte Displays schon immer etwas angenehmer.

Nun ja, jetzt sitzt du aber an deinem Arbeitsplatz und hast dein tolles, mattes Grafik-Tablet und schaust kurz auf dein Laptop-Display…Mist…komplett andere Farben, weil der glänzt! Die Farben sehen auf beiden Geräten wunderbar aus, nur vergleichbar ist der Look kaum, was es etwas schwierig macht, da farbtechnisch konkret zu arbeiten. Für mich ist es aber gut genug.

Das Wacom Cintiq Pro 13’’ hat 87% Adobe RGB-Abdeckung und kann maximal 16,7 Millionen Farben anzeigen. Außerdem kommt es mit HD-Auflösung und mit 5080 lpi.

Unangenehm fällt hingegen sofort auf, dass viel zu viele bullige Kabel dabei sind für einen angenehm minimalistischen Arbeitsplatz.
Für mich war eigentlich so der Gedanke: Superteures Grafik-Tablet = super simpler Arbeitsplatz. Falsch gedacht. Man muss natürlich das Tablet an den Strom anschließen und dann das Tablet an den Laptop oder PC. Im besten Falle benötigst du dafür nur ein Kabel, da mir aber der Thunderbolt 3 Port fehlt, brauche ich hier sogar zwei und muss den (wenigstens) mitgesendeten Adapter benutzen. Leider wirkt sich das Benutzen des Adapters und Thunderbold 2 negativ auf die Auflösung des Tablets aus.

Hm. Beides ziemlich nervig, andererseits findet man zumindest für den Kabelsalat sicherlich eine Lösung. Ich habe einen Trick gesehen, wo man einfach alle Kabel in eine Socke stopft und die unterm Tablet versteckt. Das funktioniert, da man das Tablet mit kleinen Füßchen nach oben aufstellen kann, um eine angenehmere Position zu haben. Danke für den Tipp, YouTube!

Einziges Problem: Man ist dann halt etwas eingeschränkt. Ich bin ja eine Person, die 500 Mal in einer halben Stunde ihre Sitzposition ändern muss und dabei schiebe ich auch regelmäßig das Tablet in die eine oder andere Ecke.

Wacom wirbt damit, vor allem bei dem Wacom Cintiq Pro 13 Zoll, dass es leicht zu transportieren ist und man super spontan damit arbeiten kann, was ich hier überhaupt nicht unterschreiben kann.

Ja, das Teil ist nicht sonderlich schwer, aber wenn man dann noch den Kabelsalat und den eigenen Laptop plus Ladekabel herumträgt, ist das nicht ohne.

Zusätzlich funktioniert dieses „spontan“ arbeiten leider halt nicht, wenn man jedesmal mindestens so viel Platz braucht, um Laptop und Tablet nebeneinander zu platzieren und alles angemessen miteinander zu verkabeln. So mit im Zug arbeiten ist da nicht.

SLEAZE + Wacom Cintiq Pro
Da ist es, das schicke Teil

Ich finde es sehr schwierig, dieses Tablet mit anderen Produkten wie zum Beispiel einem iPad Pro zu vergleichen. Allerdings ist das wohl ein Ding unter Designern momentan, wo sich die Meinungen spalten, und hier hätte das iPad wohl wirklich einen Punkt. Man kann total spontan ein paar Skizzen und Scribbles machen ohne großes Setup.

Andere Wacom-Tablets verfügen über anpassbare Express-Keys, wo du deine meist benutzten Shortcuts festlegen kannst. Das Wacom Cintiq Pro hat so etwas nicht. Du hast hier drei Möglichkeiten. Entweder du nutzt weiterhin die Shortcuts auf deiner Tastatur, was etwas umständlich ist, da du deine Tastatur nicht direkt vor dir hast, sondern logischerweise das Tablet. Du kannst auch gleichzeitig deine Finger über die Touch-Gestensteuerung nutzen, was bei großen Fingern und winzig kleinen Icons in Photoshop auch etwas umständlich ist. Die beste, aber auch teuerste Möglichkeit ist also, wenn du dir die Wacom Fernbedienung für das Tablett zusätzlich kaufst. Hier kannst du dann wie gewohnt Express-Keys festlegen, musst allerdings auch die Fernbedienung konstant in der Hand halten.

Die Frage, die ich mir hier stelle ist, warum Wacom keine ansteigende Kurve an Komfort und Entwicklung hat, sondern immer wieder Rückschritte macht und Fehler, die eigentlich schon bei Vorgängerversionen behoben waren. Warum von Express-Keys zu keine Express-Keys zurück gehen, warum von einem Kabel zurück zu zwei Kabeln? Das Ziel sollte doch sein, für alle Anwender und Preisklassen fortführend Fortschritte zu machen.

Es ist und bleibt ein Rätsel.

In der rechten oberen Ecke des Tablets findest du verschiedene Touch-Knöpfe. Hier kannst du den Display-Modus des Tablets umschalten, damit du es wie ein gewöhnliches Tablet benutzen kannst mit deinem PC als Bildschirm. Eine andere Einstellung ruft eine Display-Tastatur auf, die allerdings ungenau und langsam ist, zumindest wenn man mehrere Programme gleichzeitig aufhat.
Außerdem hat es eine Multi-Touch-Gestensteuerung, womit du deine Zeichnungen drehen, größer und kleiner zoomen und verschieben kannst. Diese reagieren doch meist sehr träge. Für das Rein- und Rauszoomen ist das sicherlich noch okay, aber wenn man keinen Antifouling-Handschuh hat, eher mühsam, da die beim Zeichnen aufliegende Hand konstant als Geste aufgefasst wird.

SLEAZE + Wacom Cintiq Pro
Das Illustrieren mit diesem Tablet ist ein Traum © Doro Halbig

Das Tablet fühlt sich auch unter dem Stift sehr, sehr gut an. Ich möchte nicht so weit gehen, zu sagen, es ist dasselbe Gefühl wie auf Papier zu arbeiten, womit Wacom wirbt. Dieses Gefühl kann man einfach mit einem Grafik-Tablet nicht imitieren. Aber es ist wesentlich näher dran, als ich es mir vorgestellt habe und als es mit den alten Wacom-Tablets möglich ist. Das liegt an der Etched Glass-Oberfläche des Gerätes und wäre auf einem glänzenden Display vermutlich auch wesentlich unangenehmer.

Das Cintiq Pro 13’’ hat auf der rechten Seite einen SD-Kartenslot, was ganz praktisch sein kann, wenn du keinen an deinem Laptop oder Rechner hast. Außerdem hat es sowohl links als auch recht USB-C-Ports und einen AUX-Anschluss. Etwas irritiert war ich, dass ich, sobald auf das Tablet umgeschaltet wurde, keine Musik mehr über de Laptop hören konnte, sondern meine Kopfhörer in das Tablet einstecken musste. Jedoch greifen hier aus irgendeinem Grund die Lautstärkeregler des MacBooks nicht und man muss manuell im Programm die Lautstärke regeln, was etwas mühsam ist.

SLEAZE + Wacom Cintiq ProSLEAZE + Wacom Cintiq Pro SLEAZE + Wacom Cintiq ProSumma summarum…

Das Wacom Cintiq Pro 13’’ ist definitiv ein hammer Grafik-Tablet, mit dem man sehr gut arbeiten kann, wenn man einmal seinen Workflow angepasst beziehungsweise umgestellt hat. Trotzdem sind die aufgezählten Macken ärgerlich für eine UVP von 1099,90€.

Es wirkt, als hätte Wacom sich bei der Entwicklung des Tablets nicht allzu viele Gedanken gemacht, was schade für ein Produkt mit so viel Potenzial ist.

Ich würde empfehlen, das zu übernehmen: Mach dir sehr viele Gedanken darüber, bevor du dich für den Kauf des Tablets entscheidest. Vielleicht möchtest du ja warten, bis Wacom sich entscheidet, alle guten Fähigkeiten und Gadgets in ein Tablet zu packen und nicht aufzuteilen und mit Mega-Mankos zu spicken. Auf der anderen Seite ist es schon ein geiles Teil – und es kann noch einige Tinte aus dem Stift fließen, eh Wacom soweit ist…

Und natürlich würde ich das Cintiq Pro 13’’ sofort gerne gegen mein Intuos Art eintauschen…vergleichen kann man das wohl kaum. 🙂

Doro

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