Alien: Covenant: Battle of SLEAZE

Alien: Covenant: Battle of SLEAZE

Heute ist es soweit. Zwei Dinge treffen aufeinander! Erstens: Das große Battle of SLEAZE geht in die zweite Runde! Und es kommt ein neuer Alien-Ableger namens "Alien: Covenant" in die Kinos.

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Ridley Scotts neuster Beitrag zum Alien-Franchise ist heute Grund für die Diskussion. Und worüber könnte man besser diskutieren als über ein solchen Giganten im Science-Fiction? Also, wie bei dem vorherigen Beitrag über die Anime-Verfilmung Ghost in the Shell werden die beiden SLEAZE-Filmfanatiker Robert und Simon sich wieder gegenüberstehen und den neuen Alien-Film in einer schweißtreibenden Diskussion von vorne bis hinten durchanalysieren. Bis einer weint.

Nun aber zum Film. Die Ausgangshandlung von Covenant ist im Grunde dieselbe wie im Original-Alien von 1979, setzt dabei aber dennoch die Handlung vom Alien-Prequel Prometheus fort. Diese endete ja mit dem Aufbrechen der letzten Überlebenden der Prometheus-Besatzung zum Heimatplaneten der sogenannten Konstrukteure. Diese sind ja vermutlich der außerirdische Ursprung des menschlichen Lebens.
Aber zurück zum aktuellen Film, der zehn Jahre später spielt. Das Kolonialschiff Covenant befindet sich gerade auf der langen Reise zu einem Planeten, den es zu besiedeln gilt. Nach einem tragischen Zwischenfall, bei dem die Crew frühzeitig aus ihrem Kälteschlaf geweckt wird, stoßen sie auf ein Notrufsignal von einem erdähnlichen Planeten. Da es sich bei dem Signal um den John Denver-Klassiker Country Roads, Take me Home handelt und niemand mehr in den Kälteschlaf zurück will, wird sämtliche Planung verworfen und man entscheidet sich kurzfristig dazu, diesen Planet zu kolonisieren. Natürlich läuft nichts wie geplant, denn auf dem unverzeichneten Planeten gibt es nicht nur eine Bedrohung, die auf die ahnungslose Mannschaft wartet…

Jetzt aber genug um den heißen Brei geredet, also Ring frei!

SLEAZE + Alien: Covenant
Wenigstens sieht es wieder etwas nach Giger aus

Simon: Erst einmal vorab zum sollte gesagt sein, dass Covenant wahrscheinlich gar kein schlechter Science-Fiction-Horrorfilm ist. Vorausgesetzt, man hat sich noch nie wirklich mit der düsteren Alien-Reihe beschäftigt. Angenommen, man ist aber ein Fan der Reihe und hat bereits 2012 Prometheus gesehen, dann hätte man ahnen können, was einen erwartet. Und das sind hauptsächlich wirre Erklärungsversuche einer Mythologie.

Das ist nämlich, was mich am meisten an dem Reihen-Reboot stört: dass den Filmen zwanghaft versucht wird, das Mysteriöse zu rauben. Ich meine, das Faszinierende an Alien von 1979 war ja, dass niemand wusste, was zur Hölle eigentlich los war. Es wurde nicht erklärt, wer diese Riesen waren, die ihr Raumschiff auf dem einsamen, unwirtlichen Planetoiden landeten. Oder wie es dazu kam, dass sie eine solche gefährliche Fracht mit sich führten. Es ging einfach nur um die Situation. Um den Terror, mit dem die Crew der Nostromo konfrontiert wird. Das ist das, was Prometheus falsch gemacht hat. Er hat versucht, solche Sachen zu erklären und allem eine tiefere Bedeutung aufzuzwängen.

Und leider macht Covenant genau da weiter. Es muss dem Zuschauer unbedingt gezeigt werden, wie der legendäre Xenomorph entsteht, oder wie die Kultur der sogenannten Konstrukteure (diese großen, weißen Lullis aus Prometheus) aussah. Davon geht, meiner Meinung, viel von der Gefahr der Aliens verloren. So ist der Horror einfach nicht mehr der Selbe. Wie stehst du dazu, Robert?

Robert: Seh ich ganz genauso! (Warum nennen wir das eigentlich Battle? 🙂 ) Das Alien war das unerklärte Fremde, die tödliche Bedrohung. Wozu die Konstrukteure einführen (also die gab‘s ja schon in Prometheus)? Voll der Fremdkörper, dadurch wird erklärt, wie die Menschen entstanden. Interessiert niemanden, oder zumindest nicht im Rahmen eines Alien-Films. Das Alien ist ja gerade nicht menschlich, war immer das absolute Andere. Und die Erklärung für seine Existenz im ersten Alien war wunderbar: Es ist der perfekte Organismus, das perfekte Raubtier, die perfekte Kampfmaschine, die sich irgendwo anders, unabhängig von den Menschen, entwickelt hat. Und jetzt hat‘s ja sogar Konstrukteurs-Gene in sich, also ist damit sogar irgendwo mit uns Menschen verwandt (weil wir ja von denen abstammen). Wer braucht das denn? Ziemlich dämlich.

SLEAZE + Alien: Covenant
Nein, das hier ist nicht Ripley

Aber lange nicht das einzige Dämliche in Covenant! Der Streifen hat massive Strukturprobleme: Irgendwie muss der Anschluss an Prometheus geschafft werden, irgendwo muss auch ein eigenständiger Film aufgebaut werden, irgendwie muss die Crew auf einen fremden Planeten kommen. Der Teil geht sogar irgendwo noch ein bisschen klar in Covenant, aber danach muss eigentlich so stufenweises Killing beginnen, in Leveln, wie in jedem guten Horrorfilm: Immer mehr Charaktere sterben, zunächst die unwichtigen, dann der Endkampf, den vielleicht das letzte Menschlein überlebt. Und das gelingt Covenant gar nicht.

Und Covenant hat auch innerhalb der einzelnen Blöcke, der Akte und so voll die Flow-Probleme: Manche Szenen sind zu kurz, manche zu lang, manche sollen spannend sein und sind‘s dann nicht wirklich usw. Letztendlich geht fast alles schief, was einen spannenden, unterhaltsamen Film ausmacht. (Und ich möchte hier nicht mal die richtig peinlichen Szenen erwähnen, wie das gemeinsame Flöte spielen der beiden Michael Fassbender-Androiden.)

Simon: Probleme gab es allerdings nicht nur in der Struktur. Auch in Bezug auf das Drehbuch gab es wieder einige Probleme, und zwar nicht nur der wirre Prometheus-Quatsch. Es fing schon bei der einfachen Charakterzeichnung an. Blödsinnige Dialoge, die im Sand verlaufen, sind vor allem in der ersten Hälfte des Films häufig zu bemängeln. Auch die daraus entstehenden Handlungen der Personen werden dadurch ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Oft handeln die Personen einfach unglaubwürdig. Zum Beispiel werden jahrelange kostspielige Planung einfach in den Wind geschossen, um einfach auf einem komplett anderen Planeten zu siedeln. Ja, natürlich!
Solche saudämlichen, auf seltsame Weise im Horrorgenre-Retro erscheinenden Entscheidungen ziehen sich durch den ganzen Film, was wirklich schade ist, und ihn an manchen Stellen unfreiwillig komisch erscheinen lässt.

Wo wir aber grade bei den Charakteren sind: Da gibt es tatsächlich mal ein paar gute Worte zu sagen. Die sind nämlich größtenteils wirklich gut gecastet. Michael Fassbender ist wieder in seiner Rolle als Androide zu sehen, die diesmal ja sogar eine Doppelrolle ist, was – wie du ja gesagt hast – zu ein paar echt peinlichen Szenen führt (#roboterliebe). Auch Katherine Waterston gibt als Sigourney Weaver-Nachbau eine ganz gute Performance ab. Die größte Überraschung von Covenant ist aber Danny McBride. Bisher kennt man Danny nur aus Comedy-Filmen wie Ananas Express oder als infantiler Ex-Sportler Kenny Powers in der Serie Eastbound and Down. Hier beweist er aber, dass er durchaus auch ernst sein kann, und das sogar ziemlich gut. Definitiv ein Name, den man die nächste Zeit auf dem Schirm behalten sollte!

SLEAZE + Alien: Covenant
Der „Neomorph“

Robert: Yo, Kenny Powers ist wirklich ganz gut, aber Comedians haben ja auch schon oft als „ernsthafte Schauspieler“ überzeugt. Ich würde jetzt aber auch gerne mal davon wegkommen, Alien: Covenant als Film zu sehen. In Wahrheit haben wir es hier mit einer Lizenz zu tun, nichts anderes ist das. Nicht die Lizenz zum Töten, sondern die zum Geld drucken (hofft das Studio zumindest). Was Ridley Scott noch wirklich mit dem Film zu tun hat, kann ich nicht einschätzen. Vermute stark, dass er so eine Art offizieller Manager dem Namen nach war (ungefähr auf die Art, wie George W. Bush Präsident war 😉 ). Sehen wir den Tatsachen mal ins Auge: Der Typ hat seit 40 Jahren in Hollywood Erfolg. Ich möchte jetzt gar nicht auf Partys, Starlets und allgemein hedonistischen Lebensstil zu sprechen kommen. Ich rede von der Bodenhaftung, die schnell oder wenigstens über Jahrzehnte verloren geht, wenn man schon Alien, Blade Runner und Gladiator gemacht hat. Kein Vorwurf hier, Ridley!

Das Konzern-hafte dieses Films zeigt sich meiner Meinung nach nicht nur in der heftigen Ideenlosigkeit oder dem totalen Aufbereiten des ersten Alien, nein, ich möchte hier ganz besonders Billy Crudups Rolle ins Visier nehmen: Er ist am Anfang des Films Vize-Captain der Covenant. Aber warum ist er nicht Captain? Weil er Christ ist! (Den Mist denk ich mir nicht gerade aus, das ist im Film!)
Die Dämlichkeit der Dialoge hast du ja schon bemerkt, Simon. In Billys Fall kommen dann Sätze wie: „In unserer rationalen Welt wird man nie eine wichtige Führungsrolle einem gläubigen Menschen anvertrauen.“ (Wirklich!) Ein bisschen dämlich ist Billys Rolle dann auch noch, also verhält sich innerhalb der Story dämlich.

Einmal ist das hart unglaubwürdig, wenn man irgendwie den Menschen Billy Crudup kennt. Der ist nämlich schlau und eine ziemlich coole Socke. Aber selbst das ist nicht das Schlimmste. Warum schreibt denn „das Studio“ (sicher nicht Ridley Scott!) so eine Rolle in den Film? Stichwort Zielgruppen: Nicht nur die beiden Küsten sollen in den USA in diesen Film rennen, sondern auch das sogenannte „Heartland“ dazwischen: Die konservative Mitte der USA, Texas, Kansas und wie sie alle heißen. Und die sind, na klar, Christen. Für sie ist der arme Billy eine Identifikationsfigur, damit hast du als Produzent auch diese Märkte abgedeckt. Schön und gut aus einer Marketing-Perspektive, sorgt nur leider für einen saudämlichen Film. (Und das ist jetzt wirklich nicht meine Meinung als Atheist oder so. Was hat das mit Weltraum, Alien und Science Fiction zu tun?) Man stelle sich nur mal vor, im alten Alien von 1979 hätte es einen Christen gegeben (oder in 2001, Star Wars oder etwa Lautlos im Weltraum). Unvorstellbar in den damaligen 70er Jahren. Nicht nur die Crew hätte sich vor Lachen auf dem Boden gekugelt, auch das Kinopublikum und wahrscheinlich sogar das Alien.

Und warum kriegen wir, die heutigen Kinozuschauer, so einen Mist vorgesetzt? Money! Aber das ist nicht mein Geld und mir ist es ehrlich gesagt auch total egal, ob Texaner in Covenant gehen. Ich möchte einen guten Film sehen und nicht ein vollendetes Ich mach es allen recht-Produkt, das gerade dadurch total blutleer wird und überhaupt nicht mehr kickt. So was macht mich echt wütend!

Simon: Ok, bevor wir jetzt endgültig in andere Gefilde abdriften, sollten wir das Ganze vielleicht hier beenden. Zum Ende kann man vielleicht einfach noch sagen, dass mit Alien: Covenant nun vielleicht endgültig das schmerzhafte Ende der Saga besiegelt wurde. Andererseits: Kann es denn überhaupt noch schlimmer werden? Naja, wir werden sehen, denn Ridley Scott plant ja bereits den dritten Teil seiner Prequel-Reihe. Wird bestimmt mies. Naja, wie auch immer, es war mir wieder eine Ehre, mit dir zu „diskutieren“, Robert. Vielleicht finden wir ja mal einen Film, bei dem wir mehr getrennte Meinungen haben 😉

Robert und Simon

Titel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Laufzeit: 123 Min.
: 18.5.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: 20th Century Fox

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