4 Blocks in der 2. Runde

4 Blocks in der 2. Runde

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Es ist soweit. Die jetzt schon Kultserie „4 Blocks“ startet in die zweite Staffel. Wer trotz des Hypes es nicht mitbekommen hat: Es geht um die arabische kriminelle Familie Hamady, die in Berlin-Neukölln ihr Leben bestreitet.

SLEAZE + 4 Blocks
Tony mit neuem Schutzschild.

Das Besondere daran: Endlich mal sind die Charaktere authentisch. Also nicht wie so häufig, wo der Gute einfach gut ist (wenn er auch manchmal innerlich zerrissen ist und daher Dummheiten macht) und der Böse einfach nur TIEFBÖÖÖÖÖSE. Nein, hier ist es menschlicher. Familien-Oberhaupt (oder wie es jetzt ja neuerdings heißt: Clan-Chef) Tony Hamady hat äußerst sympathische Züge – auch wenn er in der zweiten Staffel viel härter ist als in der ersten.

Genauso sein aufbrausender Bruder Abbas, der im Streit seine Freundin gern mal „Du Hässliche“ nennt, zeigt auch immer wieder, dass er seine Hässliche (die natürlich in Wahrheit gar nicht hässlich ist, mal abgesehen von ihrem billigen Modegeschmack) doch sehr doll liebt – wenn auch auf seine Straßenart.

4 Blocks kann was!

Ich persönlich bin kein Serien-Täter. Diese Serien sind mir einfach zu große Zeitkiller. Aber 4 Blocks lohnt sich, auch wegen seiner sozialen Bedeutung. Denn ähnlich wie schon der Kurzfilm „Familiye“ beleuchtet die Serie eine Subkultur, mit der wir regelmäßig indirekt zu tun haben (von den Geldwäsche-Casinos über die ätzenden Shisha-Bars bis hin zu den fetten AMG-Karossen in der SLEAZE-Nachbarschaft), aber trotzdem eigentlich kaum direkt in Berührung kommen.

SLEAZE + 4 Blocks
Krasser, härter, genauso fett!

Dazu kommt die Serie authentisch rüber, was ich gerade bei den Hollywood-Produktionen („Warum macht Protagonist 1 das jetzt? Das ist doch voll unlogisch!“) oft vermisse. Einzig, dass es in dem vom Schmuddel- zum Szene-Bezirk gewandelten Neukölln in der Serie kaum Einflüsse gibt. Der berühmt-berüchtige Hipster taucht nur einmal bei einem Elternabend auf, ansonsten ist die Serie eine erstaunlich Jutebeutel- und Club-Mate-freie Zone.

Aber das ist eine Kleinigkeit. Was der Serie wirklich fehlt, sind: Wellensteyn-Jacken. Ja, richtig gelesen. Die Firma mit dem nach einem Schweizer Kreuz aussehenden Logo hat – nicht nur – in Neukölln jeder anständige Macker an. Und auch sonst in Berlin fast jeder Türsteher. Wie kann so ein wichtiges Accessoire in der Serie fehlen? Die ganzen, ausschließlich deutschen Luxuskarren sind doch auch da.

Respekt vor der Schauspielerei

Sehr positiv fallen die Schauspieler auf. Nicht nur professionelle wie Kida Khodr Ramadan, der den Anführer Tony Hamady spielt. Selbst der Rapper Veysel, der hier den Abbas mimt, und vor allem Massiv als Latif überzeugen mit ihrer Arbeit.

Man sollte aber gerade wegen der guten Schauspielerei nicht denken, dass man nun in das echte Leben eines Clans hineingeschaut hat. Auch wenn einige Sachen von dem wenigen, was ich über Clans weiß und höre, authentisch wirken.

SLEAZE + 4 Blocks
Abbas und seine „Hässliche“

Fazit: 4 Blocks hat das Zeug, eines der ersten echten Kultserien in diesem recht neuen Genre zu werden. Es ist kein „Scarface“, aber ein Berliner „8 Mile“ könnte es schon werden. Darum: Nicht verpassen und hoffen, dass es eine dritte Staffel gibt.

danilo

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