Die Schwedenstraße: Ove aus der Mülltonne

Die Schwedenstraße: Ove aus der Mülltonne

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Eigentlich kennt sie jeder. Diese mürrischen, älteren Damen und Herren, die im Supermarkt pünktlich zur Feierabendzeit den Gang versperren oder Falschparker anmotzen. Ove ist genau so jemand. Er macht in seinem Wohngebiet täglich einen Kontrollgang, erinnert zu gerne an das Fahrverbot, hasst Drängler und achtet bei den Nachbarn auf die Mülltrennung. Dabei vergisst er nie, besonders grantig aufzutreten und böse zu gucken.SLEAZE.Ove 2

Der Film „Ein Mann namens Ove“ ist in Schweden um einiges beliebter als der Protagonist bei seinen Nachbarn. An seinem Startwochenende hat er die Spitze der Kinocharts erklommen und damit sogar Star Wars VII überholt. Mit 250 000 Besuchern an drei Tagen hat er sich nebenbei auch noch den Titel als erfolgreichste schwedische Eigenproduktion geschnappt. Wirklich außergewöhnlich für so einen ruhigen Film, wenn man bedenkt, dass in Deutschland nur Til Schweiger-Filme oder Fack Ju Göhte solche Rekorde aufstellen.

Ove hat es nicht nur schwer mit seinen Nachbarn, die sich einfach nicht ordnungsgemäß verhalten, sondern leidet auch sehr darunter, dass seine geliebte Frau vor wenigen Wochen gestorben ist. So schnell wie möglich möchte er zu ihr und beschließt, sich zu erhängen. Jedes Mal, wenn er die Schlaufe um den Hals hat, wird er jedoch gestört von Kindern oder Katzen. Als dann auch noch neue Nachbarn einziehen, die seinen Briefkasten kaputtfahren, gibt er zunächst auf. Ab diesem Moment wird alles anders. Diese Familie stellt sein ganzes Leben auf den Kopf. Besonders die Mutter fordert von Ove immer wieder Dinge, die ihn einiges an Überwindung kosten.

In diesem Film steckt so viel Herz, das man sich wundert, warum die Leinwand nicht einfach platzt. Schnell entdeckt man hinter Oves mürrischer Fassade echte Gefühle und wie sehr ihn der Verlust seiner großen Liebe schmerzt. Obwohl man so viel Mitleid empfindet, kann man über ihn lachen. Besonders am Anfang kommen einem die Situationen sehr bekannt vor und man glaubt, Menschen wie Ove genau einschätzen zu können.SLEAZE. Ove 3Trotz der vielen Lacher zeigt „Ein Mann namens Ove“, dass gerade hinter diesen verbitterten Personen oft eine tragische Geschichte steckt. Durch viele Rückblenden und Erzählungen von Nachbarn lernt man als Zuschauer mehr über Oves Vergangenheit. Regisseur Hannes Holm ist hier aber nicht der Fehler unterlaufen, den Hauptdarsteller als komplett anderen Menschen darzustellen. Selbst als Kind und jungen Erwachsenen erkennt man Ove wieder in seinem Verhalten, besonders daran, wie er mit seiner Frau umgeht.
Schade ist allerdings, dass der Film stellenweise langweilig ist und Ove einige ähnliche Situationen erlebt, bei denen man schon weiß, wie er reagiert. Auch der Humor wird im Laufe der Handlung immer weniger. Während in der ersten Szene pro Minute geschätzte drei Gags sind, findet man später nur alle paar Minuten eine witzige Bemerkung. Rolf Lassgård überzeugt in seiner Rolle als schwedischer Griesgram, den man genauso mag wie Oscar aus der Sesamstraße und trotzdem kann man sich nicht vorstellen, das er in echt auch mal lächeln könnte.

In den Dialogen und Figuren steckt vor allem viel Witz und Herzblut. „Ein Mann namens Ove“ ist nicht einfach nur eine seichte Komödie, sondern es gibt hier wirklich eine Botschaft. Die Umsetzung der Grundidee und die tollen Charaktere überschatten größtenteils auch die kleinen Mängel. Der Zuschauer wird durch die Handlung getragen mit nur ganz kleinen Stolpersteinen, wenn der Humor dann doch etwas zu kurz kommt.

Maurin

Titel: Ein Mann namens Ove
Regie: Hannes Holm
Dauer: 116 Minuten
VÖ: 07.04.2016
Verleih: Concorde Filmverleih

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