23 und mehr paranoide Mathematiker

23 und mehr paranoide Mathematiker

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Bevor der Templerorden verboten wurde und dessen Anhängerschaft mehrheitlich ihre Köpfe in der Schlinge wiederfanden, gab es 23 Großmeister.
Ein normal entwickelter Mensch hat 23 Bandscheiben.
Gleichzeitig benötigt das Blut exakt 23 Sekunden, um einmal komplett im Körper zu zirkulieren.
Und Paris Hilton war 23 Tage im Knast. Kann doch kein Zufall sein, oder?
Ihr riecht sicher auch schon den lieblichen Duft der Verschwörung! Wir auch!

Wenn Robert Anton Wilson (zusammen mit Robert Shea) nur geahnt hätte, welch‘ Riesen-Wellen und wilde Verschwörungstheorien seine „Illuminatus!“-Trilogie aus dem Jahre 1975 schlagen würde!
Eigentlich war das Ganze nur als Satire gedacht, gerade eben auf wahnwitzige Verschwörungstheorien. Jedoch wird so etwas schnell zum „Schuss in den Ofen“ und Selbstläufer, wenn ein solches Werk in die Hände von humoristisch unbegabten Menschen gerät. Und die westliche Gesellschaft strotzt nun einmal vor solchen Leuten.
Für sie waren die Bücher der Beweis, dass es eine, im Geheimen arbeitende, Weltverschwörer-Gruppe gibt. Die Illuminaten! Sie ziehen in Wahrheit an unser aller Fäden und bestimmen tagtäglich, „was“, „wie“ und „wo“ geschieht auf der Weltbühne. Und die Zahl „23“ ist ihr Erkennungszeichen, quasi ihre Signatur!

Und plötzlich, nach dieser Erkenntnis, findet man sie überall, die 23. Natürlich nicht nur als einzelne Zahl „23“. Das wäre zu plump. Nein, die Illuminaten sind schlaue Kerlchen und spielen mit allen irgendwie möglichen mathematischen Kombinationen, die mit den Ziffern „2“ und „3“ vorstellbar sind.
Zum einen hätten wir da die so genannte Quersumme von 23 (auch wenn man Mathe früher gehasst hat, das bekommt jeder hin!), sprich 2+3=5.
Die 5 ist prima, weil unser Zahlensystem und -verständnis gut auf der 5 und deren Vielfachen aufbauen kann. Dann kann man die 23 natürlich spiegeln, also 32.
Auch ganz klar ein Zeichen für die Illuminaten-Bande! Das ist der „23-Erkennen-Grundkurs“. Fortgeschrittene werden immer besser und kombinieren. Die Area 51 ist selbstverständlich 23+23+2+3=51.
Womit bewiesen ist, dass dort auch ein Briefkasten der „Illus“ hängt. Mathe-Asse, die bei sowas nur müde gähnen, errechnen hingegen sofort, dass die letzten beiden Kommastellen der Quadratwurzel von 23 ebenfalls 23 sind (4,79583123).
Das amerikanische „Bombengeschenk“ fiel um 15:08 Uhr auf Hiroshima; und 15+08=__ (genau!).
In Tschernobyl stieg die Atomparty übrigens um genau 01:23 Uhr. Und selbstredend ist auch der Teufel ein Illuminat! Beweis, hier: 2 : 3 = 0,666 (dass es eigentlich 0,6666666666 Periode ist, spielt KEINE Rolle).

Es sieht also wieder mal so aus, als müssten wir alle sterben. Es gibt massenweise Seiten im World Wide Web zu diesem Thema (der Buchstabe „W“ ist übrigens der 23. im Alphabet).

Viele wichtige historische Daten lassen sich auf 23 quersummieren. Und ganz zu schweigen von zig-mal so vielen absolut unwichtige Daten.
„23er-Tage“, an denen wieder einmal nur grauer Alltag herrschte, an denen nichts Weltbewegendes geschah.
Aber darüber liest man natürlich nichts.
Menschen neigen nun mal dazu, kausale Beziehungen herzustellen – auch zwischen Dingen, die absolut keine Verbindung haben. Und so gibt es zwar immer tolle Vergangenheitsdeutungen, aber keine (zutreffenden) daraus folgenden Zukunftsvorhersagen.

Außer natürlich, dass der Weltuntergangstag schon bombenfest steht: 23.12.2012. Um das Jahr 2012 auf Verschwörungslevel zu bekommen muss man dabei mathematisch schon recht gewieft sein, es geht so: 2+0= 2 und 1+2= 3. Der heiße Tipp stammt übrigens von den Maya, und uns würde 23:23 Uhr als Uhrzeit sicher nicht überraschen.
Endlich mal ein Weihnachten, auf das man sich freuen kann!

Im Grunde ist der ganze Spuk um die „23“ in all‘ ihren Variationen nichts weiter als eine tolle Möglichkeit, seine mathematische Denkfähigkeit und sensorische Wahrnehmung nicht vollends einrosten zu lassen.
Man sollte es nur nicht übertreiben, sonst landet man ganz schnell in der Klapse – und die ist ganz sicher fest in den Händen der Illuminaten!

Und wenn man es genau betrachtet, wird einem auch klar, wer eigentlich wirklich Schicksal spielt und mitunter zum Mörder wird: die einzige Konstante im Universum, die Mathematik.
Womit bewiesen sein dürfte, dass „Mathe“ Gott ist.

Pascal

Linktipp: www.die23er.de

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