Bildbände über Tätowierungen sind in etwa so innovativ und neu wie Jeans und Feinriphemd. Das ist aber vollkommen egal, wenn das Buch so gut funktioniert wie die eben genannte Textilkombi. Manchmal muss es gar nicht neu sein, nur stimmig und gut durchdacht.
Ein solch gelungenes Projekt ist dem Briten Alex MacNaughton mit seinem Bildband „London Tattoos“ geglückt, der im Prestel Verlag erschienen ist. Das Konzept ist simpel.
MacNaughton suchte tätowierte Londoner, um sie zu fotografieren und sie um ein Statement zu ihren Tattoos zu bitten. Das Ganze funktioniert, im Gegensatz zu so vielen anderen Tattoo-Foto-Projekten, aus dreierlei Gründen.
Erstens: die Auswahl der Modelle. Vom 21-jährigen Hardcore-Boy, der bereits 90% seines Körpers inklusive fast abgeschlossenem Gesichtstattoo vollgetintet hat, über die 35-jährige Buisness-Kostümträgerin bis hin zum promovierten Kunsthistoriker, an Facettenreichtum fehlt es nicht. Zweitens überzeugen die selbstverfassten Texte der Tattooträger. Ohne den üblichen DMAX-Schmalz á la „weil ich endlich meinen Fußpilz überwunden habe, lasse ich mir Hibiskusblüten mit Schnörkeln tätowieren“, erfährt man, was für ein Verhältnis die Träger zu ihren Hautbildern haben.
Der letzte Grund, warum dieses Buch eine wahre Bereicherung für das Bücherregal ist, sind die Fotos. Ganzkörperporträts und viele ergänzende Nahaufnahmen zeichnen ein rundes Bild der Porträtierten.
Anna Motz







