(zu finden in Heft Nr. 3, Seite 24)
Kubanische Nächte sind heiß! Ein Urlaub auf Kuba ist sicherlich für viele mehr als attraktiv. Jedoch kostet so eine Reise nach Übersee meist eine Stange Geld. Wie schön, dass da die USA eine Art Lotterie betreibt. Zu gewinnen gibt’s eine Freifahrt nach Kuba, die Aufenthaltszeit ist unbestimmt. Die Chancen zu gewinnen kann man drastisch erhöhen, indem man „arabisch“ aussieht und dem islamischen Glauben angehört. Wir drücken euch die Daumen und…
Herzlich willkommen in Guantánamo-Bay!
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die USA Freund und Feind nahezu täglich neu definiert. Manche sagen sogar, dies geschehe mitunter minütlich. Und so befindet sich das derzeit renommierteste Gefangenenlager von Uncle Sam ironischerweise auf Kuba. Manche nennen es Gefängnis, manche nennen es Gulag, manche nennen es moderne Folterkammer. Hört man jedoch auf die Worte der zuständigen amerikanischen Regierungsvertreter, klingt es wahrlich viel mehr nach einem Feriendomizil. Man spielt zusammen Fußball, schaut sich tolle amerikanische Filme an, genießt die paradiesischen Abende bei kühlen Getränken und warmen Speisen.
Und man redet viel miteinander. Ja, vor allem das miteinander reden sei besonders wichtig. Man lernt sich näher kennen. Manche, ja es gibt manche, die wollen zu Beginn ihres Urlaubs nicht viel reden. Sie sind schüchtern oder wissen zunächst nicht, was man sagen soll. Aber Uncle Sam ist ein fantastischer und geduldiger Gastgeber und weiß auch solchen Leuten zu helfen sich „zu öffnen“ und „fallen zulassen“. Waterboarding soll dazu eine sehr beliebte Sportart vor Ort sein. Der Teilnehmer lässt sich dabei vom Spielleiter ein Tuch über Nase und Mund legen. Danach sorgt der Spielleiter für einen kontinuierlichen Wasserfluß über das Gesicht des Teilnehmers. Wird alles richtig gemacht, stellt sich beim Teilnehmer alsbald ein Gefühl ein, das frappierend an Ertrinken erinnert. Aber keine Sorge, dieser Sport ist wirklich von jedem sehr schnell zu erlernen! Als gut ausgebildeter Spielleiter, sagt einem Uncle Sam, wann man eine Pause von dem lustigen Spiel braucht.
Da Waterboarding ein echter Eisbrecher ist, nutzt man die Pausen gerne, um sich zu unterhalten. Praktischerweise ist der Wasserspaß perfekt dazu geeignet, den Kopf frei zu bekommen. Endlich sieht man wieder klar und erinnert sich plötzlich an Dinge, die einem wenige Stunden, Tage, Wochen oder gar Jahre zuvor völlig entfallen waren. Böse Sachen wie, dass man es selbst höchstpersönlich war, der Jesus ans Kreuz genagelt hat. Selbstverständlich ging auch Osama bin Laden bei einem ein und aus. Trotz des Gestehens der wirklich verwerflichen Taten muss man aber nicht sofort das Urlaubsparadies verlassen. Ganz im Gegenteil! Uncle Sam ist sehr gütig und verständnisvoll. Man darf sogar darauf hoffen in eine Einzel-Suite verlegt zu werden. Keine störende Sonne oder Fenster. Keine quasselnde Menschen um einen herum. Einfach nur für sich selbst sein. Die Einrichtung mag vielleicht spartanisch sein, aber hey, immerhin ist man alleine – für mindestens 22 von 24 Stunden täglich. Leider muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass ein Guantánamo-Bay-Club-Urlaub eine sehr intime und persönliche Sache ist. Das bedeutet, dass man leider keinerlei Besuch empfangen darf. Absolut tabu sind vor allem Angehörige der UN, Amnesty International oder ähnlicher Gruppierungen.
Die Errichtung des Lagers ausgerechnet auf Kuba hat einige Gründe und gewisse Vorzüge. Zum einen hatte man eh noch einen über hundert Jahre alten Pachtvertrag für die Bucht in der Schublade. Zum anderen gab es da einen nutzlos gewordenen Marine-Stützpunkt, der auf sinnvollere Verwendung wartete. Aber der interessanteste Nebenaspekt ist die Tatsache, dass Kuba einen „rechtsfreien Raum“ darstellt. Hier greifen die nervigen Gesetze des amerikanischen Mutterlandes nicht. Somit kann man sich unnötige und zeitfressende Umwege über Gerichte ersparen und die Menschen sofort in ihr neues Zuhause auf Kuba bringen. Denn schließlich sind sie schuldig und früher oder später werden sie eh geständig. Also wozu Zeit und Geld verschwenden, das man besser gleich in den nächsten Krieg gegen den Terrorismus stecken könnte?!
So oder so, ein Aufenthalt auf Kuba im Guantánamo-Bay-Club ist auf jeden Fall eine unvergessliche und prägende Zeit für jeden Teilnehmer. Wir drücken wie gesagt fest die Daumen.
P.S.: Auf Anfrage beim zuständigen C.I.A.-Ressortleiter für „Urlaubsreisen und Auftragsmorde“ erhielten wir kurz vor Redaktionsschluss den aktuellen Urlaubskatalog, welchen wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern und halten weiterhin die Daumen gedrückt…
Pascal Scheib

