(zu finden in Heft Nr. 21, Seite 14)
Hereinspaziert, verehrte Damen und Herren! Wir haben dieses Mal buchstäblich das Tor zur Hölle weit aufgestoßen und sorgen für ein gemütliches Lagerfeuer, welches niemals erlöschen wird. Alles, was man dazu tun muss, ist in ein uriges Dörfchen nach Turkmenistan reisen. Heiße Atmosphäre garantiert. Nur Würstchen, Steaks und sonstiges Grillgut muss jeder selbst mitbringen!
Darvaza oder auch Derweze ist der Name eines Dorfes mitten in der Wüste Karakum in Turkmenistan. Dieser bedeutet übersetzt Das Tor. Ein mehr als passender Name, seit 1971 in einem Krater, unmittelbar in der Nähe des Dorfes, bei Bohrungen prompt der Boden unter der Bohrplattform zusammenbrach und Methangas auszuströmen begann. Davon ausgehend, dass das Gas innerhalb weniger Tage aufgebraucht wäre, entzündete man dieses, woraufhin sich eine schöne Flamme bildete – welche bis zum heutigen Tage lodert.
Trotz der massiven Fehleinschätzung, was den Vorrat an Gas anging, war die Entscheidung, das Gas abzufackeln dennoch nicht die schlechteste, denn für die Umwelt – insbesondere die Ozonschicht – ist Methangas sehr belastend. Und da beim damaligen Kollaps gleich mal ein Krater von gut 70 Meter Durchmesser entstand, kann man sich leicht vorstellen, dass unter dem turkmenischen Wüstenboden eine Menge Gas lagert – welches nun fortwährend die Flammen nährt. Die Einheimischen gaben dem brennenden Loch den Namen Das Tor zur Hölle. Ein äußerst heißer Eingang, und wenn man nicht gerade der Teufel persönlich ist oder seine Haut aus Asbest gefertigt hat, sollte man lieber den Hintereingang ins Reich der Sünde suchen.
Natürlich ist der Krater schon unlängst nicht mehr nur interessant für Geologen und Industrielle, sondern auch für Touristen – ganz besonders für Anhänger Satans oder auch deren bibeltreuen Gegenparts, die in dem Naturschauspiel die Vorboten der Apokalypse sehen. Diese bescheren der Region natürlich beträchtliche Einnahmen – sehr zum Wohlgefallen des turkmenischen Präsidenten. Was ihm allerdings weniger schmeckt, ist die Tatsache, dass Gas auf dem Weltmarkt einen beträchtlichen Wert hat und die Vorräte unter seinem Land wohl wahrlich gigantisch sind. Und solange dieses Feuer brennt und die Quelle aufbraucht, sieht er, Tag für Tag, all die schönen Dollars buchstäblich in Rauch aufgehen. Das Problem ist, dass auch die umliegenden Gasfelder leer gesaugt und von den Flammen verschlungen werden. Bei einem Besuch im letzten April ordnete er somit an, dass das Tor der Hölle die Pforten schließen muss.
Dies ist schneller gesagt als getan und so dürfen feuerfeste Leser noch schnell die Koffer packen und eine Reise nach Derweze buchen. Gut möglich, dass pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum die Kerzen endgültig ausgepustet werden und man einer der Letzten ist, der todesmutig am Rand posiert und sich die eine oder andere Augenbraue versengt. Unvergessliche Schnappschüsse, mit denen man immer die Schwiegereltern beeindrucken kann. Sonnenmilch, Wasserflaschen und Asbest-Grillschürze nicht vergessen!
Pascal Scheib

