Johnny Mad Dog

Published on Mai 26th, 2011

Regie: Jean-Stéphane Sauvaire

Diese französisch-liberianische Produktion, die jetzt auf DVD erscheint, schildert die Geschichte einer Gruppe Kindersoldaten während des blutigen Bürgerkriegs in Liberia im Jahr 2003. Der Film folgt Anführer Johnny Mad Dog und seinen zwangsrekrutierten, minderjärhigen Rebellensoldaten auf dem Weg in die Hauptstadt Monrovia, wo der Entscheidungskampf ausgetragen wird. Viele der Bilder kennt man aus den Nachrichten: Kinder, die mit Kalaschnikows und Raketenwerfern auf Pick-Ups gegen Regierungstruppen ins Feld ziehen, machtlose UN-Blauhelme und panische fliehende Zivilisten. Der Film ist aber weniger ein historischer Abriss des Konflikts als eine schonungslose Sozialstudie über Kindersoldaten. Wer wen warum bekämpft, ist denen egal, sie sind sowieso in einer Alptraumwelt gefangen, die sie nicht verstehen. Konsequenterweise verwendet Regisseur Sauvaire so gut wie keine Zeit auf die Erklärung der Politik hinter dem Bürgerkrieg. Der Film bleibt dicht bei seinen traumatisierten, ultragewalttätigen Protagonisten, in deren Köpfen Angst und Hass nicht mehr unterscheidbar sind und Gewalt die einzige Lösung ist. Die Bilder, die der Film dazu findet, sind eindringlich und verstörend – eine Mischung aus “Full Metal Jacket”, “A Clockwork Orange” und “Herr der Fliegen”. Die Kinder werden in Ritualen unter Drogen gesetzt und auf den Krieg eingeschworen. Behängt mit Talismanen, an deren Wirkung sie fest glauben, und kostümiert mit einer grotesken Mischung aus Militärkleidung, Perücken, Spielzeug, Karneval-Accessoires und sogar einem Brautkleid, ziehen die Jungen mordend, plündernd, vergewaltigend und sterbend durch ein Land in Trümmern. Am Ende des Bürgerkrieges steht statt Hoffnung und Erleichterung die Perspektivlosigkeit entwurzelter, traumatisierter Kinder, die nur Gewalt gelernt haben. Harte Kost, aber ein sehr guter Film.

Daniel S.

Reply

Comment guidelines, edit this message in your Wordpress admin panel

Spam protection by WP Captcha-Free