SLEAZE Plattenteller #6: TASTE OF CHAOS mit Papa Roach und Disturbed; Casiokids, Oceansize und Neurosis

Published on August 31st, 2010

Tachchen,

der heutige Plattenteller dreht sich um handfesten Rock, ein bisschen alte Schule und norwegische Gesangskunst. Kurz gesagt, ein Querschnitt durch alles, was ihr so vielleicht noch nicht in der Hand hattet.

Nu Metal
Papa Roach
Time for Annihilation (On the Record & On the Road)
(V: 31.08. / Eleven Seven Music)

Neues Label, neue Platte. Die Nu-Metal-Veteranen Papa Roach geben ihr Debüt auf Eleven Seven Music, doch Debütanten sind die Jungs sicherlich nicht. Macht die Band doch schon seit 1993 Musik. „Time for Annihilation“ wartet mit dem gewohnten Papa-Roach-Sound auf und hat sich abermals voll und ganz dem Nu Metal beziehungsweise dem – wie ich es gerne bezeichne – „Hüpf Rock“ verschrieben. Sehr eingängige hymnenartige Songs, die man quasi schon beim ersten Mal hören intuitiv mitsingen kann. Die Liste des neuen Materials ist mit fünf Songs allerdings arg kurz geraten. Der Rest des „Albums“ sind Live-Versionen von Klassikern wie „Last Resort“. In denen wird deutlich, weswegen ich diesen Musikstil so liebevoll als „Hüpf Rock“ bezeichne, wenn Shaddix die Meute immer wieder mit „Jump around“ anheizt.

Und wie sich dies anfühlt, kann jeder demnächst selbst auf der „Taste of Chaos Tour“ auskosten. Neben Papa Roach werden auch Disturbed, Halestorm und Buckcherry für ein Rockerlebnis der Extraklasse sorgen. Die Zwischenstopps auf deutschem Boden:

22. November 2010 – Berlin
25. November 2010 – München
28. November 2010 – Freiburg
29. November 2010 – Hamburg
01. Dezember 2010 – Düsseldorf

Pascal

Alternative Metal
Disturbed
Asylum
(V: 26.08. / Reprise Records)

Longplayer Nummer Fünf der Metal-Band um den charismatischen Frontmann David Draiman. Zwei Jahre nach „Indestructible“ veröffentlicht Disturbed dieser Tage die Platte „Asylum“. Am typischen Disturbed-Sound hat sich sehr wenig verändert. Dies ist jedoch nur bedingt negativ zu verstehen. Denn kommen einen zwar sofort einige Passagen sehr vertraut vor, macht der Großteil der Tracks Spaß wie eh und je. Das sympathische an Disturbed ist, dass sie es immer wieder schaffen, gnadenlos hart zu Werke zu gehen und gleichzeitig für einprägsame Melodien zu sorgen. Dazu gesellt sich Draimans unverkennbare, einmalige Art zu singen. Gerade live wirkt er dann eher wie ein Prediger des Metals, der es wunderbar versteht, die Masse mitzureißen.

Wer auch gerne einmal mitgerissen werden möchte, kann dies auf der anstehenden „Taste of Chaos Tour“ erleben. Dort warten nicht nur Disturbed, sondern auch Papa Roach, Halestorm und Buckcherry auf euch. Für Deutschland sind fünf Termine angekündigt:22. November 2010 – Berlin
25. November 2010 – München
28. November 2010 – Freiburg
29. November 2010 – Hamburg
01. Dezember 2010 – Düsseldorf

Pascal

Neurosis- Enemy Of The Sun
VÖ: 03.09.2010
Neurot / Cargo Records
Trip-Core-Doom-Metal

Hier ist der Name Programm und hält was er verspricht! Nach dem Genuss dieser Scheibe fühle ich eine leichte Benommenheit und hab kleine Orientierungsprobleme im Raum/ Zeitkontinuum.

Nach einem kurzem Bassgrollen und der einen oder anderen Rückkopplung steigt das Teil auch gleich voll ein und nimmt mich mit auf eine finstere Fahrt in die untiefen meiner Seele. Dort angekommen macht die Truppe das, was sie am besten kann: Brachialste Riffs, mächtige Drumläufe, Feedbackorgien, verzerrte Bässe wechseln sich ab mit den schönsten Melodiefragmenten, die sobald man sich kurz erholt hat, einen noch tiefer in den Seelensumpf hinab ziehen. Das ganze wird noch durch Steves herausgeschrienen Weltschmerz gekrönt. Man bedient sich wie immer der verschiedensten Sound- und Percussionelementen um das ganze abzurunden.

Abgesehen von der Verbesserung der Aufnahmebedingungen, des Sounds und genialem Artwork, sind sich Neurosis über die letzten Jahre treu geblieben. Manch einer würde das als Stillstand bezeichnen. Doch Tatsache ist, dass die Jungs für sich schon vor Jahren mit Genreklassikern wie z.b. „A Sun That Never Set“ einen Stil kreiert haben, diesen konsequent durchforsten und verfeinern, in Tradition der Melvins oder Eyehategod. Dadurch müssen sie sich nicht ständig neu erfinden. Wozu auch? Die Jungs sind per Du mit ihren Dämonen.

Fakt ist: dies ist kein Sound für die Massen und man muss schon eine große Portion Willen mitbringen um diesen durchzustehen. Aber nach mehrmaligem Genuss erschließt sich einem diese Platte mehr und mehr wie ein Tool-Album. Allerdings empfehle ich dieses Teil nicht mehr als einmal am Tag zu hören. Falls eure/r Freundin/Freund sich von euch getrennt hat, würde ich’s ganz lassen.

Die Jungs leisten ganze Arbeit, und wie gesagt, hinterlässt diese Band nachhaltig eine gewisse Leere und Dunkelheit, die sich mit einer latenten Aggression paart. Vielleicht mal was um die Generation iPhone auf andere Seiten in ihrem Dasein aufmerksam zu machen und vielleicht die Leere, die der eine oder andere Abends verspürt, ein wenig aufzuhellen bzw. abzudunkeln und sich seiner Selbst zu stellen. O Gott, bloß nicht. Ich vermute, dass die Selbstmordrate bei Art-Direktoren aus der Werbebranche und ähnlichen Berufsgruppen sprunghaft ansteigen würde.

Also Leute, mehr Neurosis hören!!!

Denn Neurosis machen relevante Musik die zum Nachdenken oder Mitfühlen anregt.
Empfohlen sei auch die etwa eine Monat später erscheinende Live Scheibe, versehen mit einer kleine Werksschau der letzten Jahre!

Ekke

Progressive Rock / Post Rock
Oceansize
Self Preserved While the Bodies Float Up
(V: 03.09.  / Superball Music)

Aus England kommen nicht nur öde Brit-Popper, sondern auch einige sehr kreative Rockbands. Oceansize ist eine davon und seit nun mehr zwölf Jahren im Geschäft. Ihr neustes Werk trägt den langen Titel „Self Preserved While the Bodies Float Up“ – nicht das einzige Ungewöhnliche im Vergleich zu Standard-Rockplatten. Zehn Tracks und 51 Minuten Post/Progressive Rock warten auf aufgeschlossene Ohren. Oceansize-Kenner werden sofort die typische „Handschrift“ der Jungs heraushören und wirkliche Überraschungen sucht man auf der Scheibe vergeblich. Aber auch unabhängig vom bisherigen Schaffen ist die LP ein wenig enttäuschend. Zu träge und auch phasenweise uninspiriert schleppen sich viele Passagen daher und klingen leider zu oft belanglos. Sicherlich keine wirklich schlechte Scheibe, aber leider zu fade dargeboten und dadurch irgendwie überflüssig.

Pascal

Casiokids – Topp Stemning På Lokal Bar
VÖ: 27.08.2010
Moshi Moshi
Electro-Pop

Norwegen: Berge, Fjords, Stockfisch, Nordkap und Casiokids. Liegt doch auf der Hand. Seit 2006 das Debütalbum „Fück Midi“ erschienen ist, geistern die jungen Skandinavier immer mal wieder durch die nationalen Indie-Diskos, wenn man Glück hat, kommt mal ein total schnittiger Weltenbummler-DJ daher und verirrt sich in deine Lieblingskaschemme. Dann kommst du in den gar erstklassigen Genuss von Casiokids in Deutschland. Und dann wird der Albumname zum Programm. „Topp Stemning På Lokal Bar“ heißt nichts Banaleres als „Top Stimmung in der lokalen Bar“, so einfach ist Völkerverständigung.

Die Tracks auf der Platte reichen von Super-Mario-Minimal über feinsten Elektropop bis hin zu treibendem Technobeat mit dem einen oder anderen Stückchen Indie. So gesehen nicht unbedingt das neu erfundene Rad, interessant ist jedoch, dass die Casiokids die erste norwegische Band sind, die ihre Musik in Heimatsprache auch im Ausland veröffentlichen. So haben einige Lieder die urigen Namen „Fot i hose“, „Grønt lys i alle ledd“ oder „Gomurmamma“, niedlich oder?

Abgesehen von der zwergisch-angehauchten Sprache, und das meine ich nur positiv, bietet uns das Album aber eine Menge Abwechslung, hohen Anspruch und in aller erster Linie für den Elektrofreund sowohl entspannte Nummern als auch Tanzflächenkracher. Solange das so ist, dürfen die Casiokids weiter auf Norwegisch säuseln, wenn ich es mir recht überlege, will ich das sogar.

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