SLEAZE weiß: Nicht alle fünf lassen auch fünfe gerade sein.
Manche Menschen finden Morden sexuell anregend. Andere fühlen sich schon schuldig, wenn sie solchen Mördern eine Neurodermitis an den Hals wünschen. Manche Menschen klatschen freuen sich, wenn sie mit ihrem geklauten Fernseher das erste Mal GZSZ gucken. Andere andere haben ein schlechtes Gewissen, weil sie keine GEZ bezahlen.
Was eine Sünde ist, hängt vom Menschen ab. Aber wie man diese Sünde wieder gut machen kann, hängt von der (Welt)Religion ab. Das erklärt SLEAZE. Und damit sich die Religionen dabei nicht ungerecht behandelt fühlen, sind sie weder historisch noch sympathisch aufgereiht, sondern alphabetisch.
Eine Extrarunde für Buddhisten.
Das A und O der Buddhisten fängt mit K an. K wie Karma. Buddhisten sammeln Karma wie Playboys Schlüpfer. Karma gibt‘s immer automatisch, wenn ein Buddhist etwas denkt, macht oder fühlt, egal ob man sein Kind doch nicht haut (gutes Karma) oder ein Feuer auspinkelt (hängt vom Feuer ab). Und wer auf der fiktiven Karmabilanz ein ausgeglichenes Konto vorweisen kann, wird aus dem elenden Kreislauf der Reinkarnation befreit und gelangt ins Nirvana (bitte Band-Witz selber machen). Da das aber die wenigsten schaffen, geht es den meisten normalsterblichen Buddhisten eher darum, so viel positives Karma wie möglich zu sammeln, damit sie bei der nächsten Wiedergeburt in ein möglichst schönes Leben kommen.
Dieses Karussell der Wiedergeburten heißt Samsara und die nächste Runde geht auf jeden Fall rückwärts, wenn man zu viel negatives Karma gesammelt hat. Will heißen: Für Sünden gibt es unter Umständen mehr als lebenslänglich. Und sündigen fängt bei den Buddhisten früh an: Einer Fliege langsam Flügel und Beine ausreißen gehört genauso dazu wie der Gedanke, dass die Deutsche Telekom ein Scheißverein ist.
Fazit: Für Leute mit ganz viel Zeit ok. Ansonsten für die Karmabilanz bei jeder Sünde etwas Nettes machen.
Gott macht alles gut im Christentum.
Die christlichen Regeln zum Thema „Sünden“ sind komplizierter als die der Kleingartenverordnung. Es ist alles geregelt, unterteilt, noch mal geplant und so durchchoreografiert, dass Rihanna gleich beim ersten Paragraphen anfangen würde zu tanzen. Oder so: Für jeden Theologen ist die Vereinfachung in diesem Artikel wahrscheinlich schon eine Sünde, aber wegen Konfessionslosigkeit können sie keine Buße erwarten.
Christen sind mit Sünde aufgewachsen. Gleich mit der ersten Geschichte aus der Bibel, Adam & Eva, hatten die Christen den Salat. Gott war voll sauer und hat sich von den Menschen distanziert. Ab da haben dann alle versucht, getreu der 10 Gebote zu leben, was aber auch nicht immer gelang (Sodom, Gomorrha). Viel später hat Jesus sich für die Sünden der Menschen ans Kreuz nageln lassen. Das war schon mal ein ziemlicher Freifahrtsschein für die Christen, weil ja quasi schon jemand anders gebüßt hat.
Danach hat dann noch Martin Luther in einer Art Kampagne Gottes böses Arschloch-Image durch ein verständnisvolles, liebendes abgelöst. Will heißen: Seitdem nimmt Gott so ziemlich jede Entschuldigung an, vor allem von der Kirche selbst. Trotzdem heißt es immer noch, dass nach dem Tod das Jüngste Gericht aussortiert und die Bösen in die Hölle kommen. Aber keine Angst, es gibt jede Menge einfache Möglichkeiten, sich von diesen Sünden zu befreien.
Der katholische Sünder geht zur Beichte. Dort wird nach strenger Choreografie erst über praktizierten Gruppensex, Pädophilie oder Mord geplaudert und dann durch die Absolution mit Kopftätscheln vergeben. Da kann sich der Sünder schon mal sagen: „Puh, der erste Teil ist geschafft. In den Himmel komm ich schon mal.“ Aber trotzdem müsste er noch, zumindest für einen der Sünde entsprechenden Zeitraum im Höllenfeuer schmoren. Wäre da nicht der Ablass*! Was wir noch aus dem Geschichtsunterricht kennen, weil im Mittelalter die Kirche den Armen die letzte Kohle aus der Tasche gezogen hat („Gib mal, dann ist es hier auf Erden zwar ein bisschen scheiße, aber dafür gibt‘s im Himmel „All inclusive“ mit zweimal täglich warmem Essen), ist heute eine kleine Aufgabe für die reuigen Sünder. Sie müssen was Gutes machen (beten, Homosexuelle beschimpfen), und schon ist der direkte Weg ins Paradies geebnet.
Manchmal geht es sogar noch einfacher: Denn zum Beispiel an runden Geburtstagen wie im Jubiläumsjahr 2000 lassen die Kirchen-Chefs Fünfe gerade sein und geben einen Universalerlass für die gesamte Kirche bekannt. Und auch, wer Ratzes Urbi et Orbi hört, hat gerade einen vollkommenen Ablass empfangen. Neuerdings gehen die Ablass-Schwingungen sogar durchs Radio (1967), Fernsehen (seit 1985) und seit 1995 auch durchs Internet.
Ach ja, evangelische Sünder können auch beichten. Wird aber nicht so oft gemacht. Wer also nicht so viel mit sich selbst ausmachen kann, sollte schnell katholisch werden.
* gilt nur für getaufte Katholiken.
Fazit: Evangelen müssen sich mit ihrer Tat ziemlich auseinander setzen, deshalb ist die beste Konfession zum Sündigen eindeutig der Katholizismus. Keine Reflektion! Keine Konfrontation!
Im Islam ist Sünder bestrafen gutes Recht.
Wer als Moslem sündigt, sollte sicher gehen, dass er nicht in einem Land wohnt, in dem die Scharia staatliches Gesetz ist. Dann kann einem nämlich nach einem Diebstahl genau die Hand fehlen, mit der man den Radiergummi im Schreibwarenladen eingesteckt hat. Und „Achtung, Steinschlag!“ heißt es gerne mal für Frauen, die sich des Ehebruchs verdächtig gemacht haben.
Wer in einem Land sündigt, in dem die Scharia nicht gilt, der kann mit einem blauen Auge davon kommen (meistens von Bruder oder Vater).
Genug der Polemik, kommen wir zum religiösen Teil: Kleinere Vergehen können die Sünder schon durch die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten (z.B. Beten gen Mekka) tilgen. Mittlere bis mittelschwere Sünden können durch Reue und Buße vergeben werden. Aber wehe dem, dessen Sünde im weitesten Sinne was mit Unglauben zu tun hat. Wer auch andere Götter gut findet oder sogar sein Moslemsein aufgibt, dem wird nämlich nie verziehen. Wenn er dann z.B. im Iran wohnt, wird er erst nach staatlichem Recht tödlich bestraft – und dann noch mal nach seinem Tod mit ewigem Hölleschmoren. Wenn er z.B. in Deutschland wohnt und sich gut verstecken kann, erwischt es ihn erst nach seinem Tod.
Fazit: Entweder beim Sündigen verkleiden (Kopftuch, Schnurrbart) oder es besser gleich lassen.
Büßen im Judentum? Aber auch machen!
Sünde heißt auf hebräisch aveira und gibt es in drei verschiedenen Formen: Pesha oder Mered sind die Sünden, die man absichtlich gemacht, mit der man sich bewusst gegen Gott aufgelehnt hat. Dann gibt‘s noch Ovon, eine emotional begangene Sünde, ohne dass Gott etwas damit zu tun hat und Cheit, die Ups-Sünde, die man nicht mit Absicht gemacht hat. Allgemeines Leitmotto bei allein drei Arten ist „Nobody is perfect“ Und wenn dann mal etwas nicht so perfekt war, ist das eben meistens auch nicht so schlimm, denn es gibt kaum etwas, das nicht zu vergeben ist. Wichtig ist nur, dass etwas getan wird. Beten ist gut, aus der Welt schaffen noch besser.
Für die ultimative Versöhnung gibt es Jom Kippur. Das ist nicht der Schwager von Trapper John, M.D., sondern ein ganz spezieller Tag im Jahr, an dem die Juden zur Vergebung ihrer Sünden zusammenkommen. Im jüdischen Kalender geht dieser Versöhnungstag vom Sonnenuntergang vor dem 10. Tischri bis zum nächsten Sonnenuntergang. Für alle, die nicht mit Madonna befreundet sind: 2008 ist das Fest vom Abend des 8. Oktobers bis zum nächsten Abend, das ändert sich aber von Jahr zu Jahr. Die zehn Tage vor diesem Tag haben Juden Zeit, für ihre Sünden zu büßen. Und im Gegensatz zu den Katholiken, die alles in der Kirche abladen, müssen die Juden richtig was tun. Sie müssen Streitigkeiten beilegen. Sie müssen sich entschuldigen, sie müssen wieder gutmachen. Beten und Almosen geben ist auch nicht verkehrt. Nach diesen ereignisreichen zehn Tagen ist also Jom Kippur. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten. Könnte also etwas langweilig werden, aber danach können die Sünder hoffen, vom lieben Gott in seiner Jahresbilanz mit einem guten weiteren Schicksal belohnt zu werden. Und dass das für jeden Juden wichtig ist, wissen wir nicht erst seit gestern.
Fazit: Schönen Dank auch, Adolf Hitler! Wegen dir ist es immer noch unmöglich, Witze über Juden zu machen.
Für Hinduisten geht‘s in die Verlängerung.
Ja, in der indischen Mythologie gibt es eine Hölle (Hölle! Hölle! Hölle! Hölle!). Allerdings spielt die keine große Rolle, weil darin ja nicht ewig geschmort wird, sondern eben nur so lange geblieben, bis das Karma aufgebraucht ist. Im Hinduismus ist es nämlich so ähnlich wie im Buddhismus. Wer doofe Sachen macht, zum Beispiel der Heiligen Kuh ein Bein stellen, häuft schlechtes Karma an. Das kommt mit auf die Liste und beim Tod wird aufgerechnet, wie viel Gutes und wie viel Schlechtes der Mensch gemacht hat. Davon hängt ab, ob man als was Gutes (Marihuana, Guru) oder was Schlechtes (Efeu, Fußpfleger) wiedergeboren wird. Man wird immer wiedergeboren. Immer wieder. Und nochmal. Ganz wenige können diesen Kreislauf aufbrechen und zur Erleuchtung gelangen. Das schaffen aber wirklich nur Leute, die völlig asketisch leben, z.B. nackt, ohne festen Wohnsitz oder die sich seit 1973 auferlegt haben, den Arm hochzuhalten und seitdem nicht ein einziges Mal mehr geklatscht haben.
Fazit: siehe Buddhismus.
Rike (infemme.twoday.net/)
