Ansichtssache Selbstmord

Published on September 19th, 2008

Eine Million aller Selbstmorde weltweit enden tödlich. Überall wird sich erhängt, erstickt, vergiftet, oder auch, in Regionen mit gut ausgebautem Schienenverkehr, von Zug, S- oder U-Bahn überrollt (Beispiele). Ist ein Mensch erfolgreich dem Tod auf die Schippe gesprungen, ist das Geschrei groß. Ob die Hinterbliebenen jedoch brüllen, weil sie traurig, wütend oder auch beeindruckt sind, hängt von der (Welt-)Einstellung ab. In diesem Potpourri der Selbstmordreaktionen kann jeder nachlesen, wo wie welcher Selbstmord gefunden wird.

Deutschland:
In der Bundesrepublik lautet der deutliche Konsens zum Thema Selbstmord: „Das hängt davon ab.“ Die Katholiken zum Beispiel finden das überhaupt nicht lustig. Weil es für sie nur einen gibt, der über Leben und Tod entscheidet, und das ist der liebe Gott höchstpersönlich. Bis zum 19. Jahrhundert wurden Selbstmörder von Katholiken in ungeweihter Erde verscharrt, heute werden sie meistens nur unter den Teppich gekehrt.
Die Mehrheit der unchristlichen Deutschen findet Selbstmord zwar echt schrecklich, kann ihn aber meistens nachvollziehen, wenn er als Weg aus einer schweren Krankheit oder einem Schicksalsschlag gewählt wurde. Aber Vorsicht: Gar kein Verständnis haben übrigens Versicherungen! Weil sie nur in den wenigsten Fällen bei Selbstmord zahlen, empfiehlt es sich, das Ganze wie einen Unfall aussehen zu lassen.
Insgesamt gibt‘s für so viel Wischiwaschi:

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Schweiz:
In der Schweiz kann sich nach Herzenslust umgebracht werden, denn hier ist seit November 2006 Selbstmord ein Menschenrecht. Ob sie deshalb zu den Ländern mit überdurchschnittlich hoher Selbstmordrate gehört, wird von den Schweizern noch sehr lange überlegt. Auf jeden Fall führt diese gesetzliche Regelung zu einem regelrechten Suizid-Tourismus: Menschen, denen es woanders nicht gestattet ist, ihrem meist sehr kranken Leben ein Ende zu setzen, bestellen bei Organisationen wie Dignitas für ca. 3.500 €einmal Sterbehilfe für Ausländer. Dafür bekommen sie neuerdings rezeptfreies Helium in der Plastiktüte (schlecht) oder einen Cocktail, der so knallt, dass sie rausgetragen werden müssen.
Für so viel Sterbe-Anarchie gibt‘s:

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Japan I:
Wer in Japan sein Gesicht verliert, schneidet sich auf und sucht es in seinen Eingeweiden. Dieser Selbstmord zur Wiederherstellung der Ehre nennt sich Seppuku oder Harakiri, und findet nach einer so langen, komplizierten Choreografie statt, dass selbst Detlef D! Soost Probleme dabei hätte. Wichtig: Wenn sich ein Gesichtsverlierer den Bauch aufschneidet, darf er keine Miene verziehen und auch nicht stöhnen. Tut er das, ist er zwar tot, hat aber seine Ehre trotzdem nicht wieder hergestellt. Er darf sich aber nach vorn beugen, damit sein Assistent ihm, mit ebenfalls streng ritueller Technik, die Wirbelsäule entzweit. Diese Technik wird übrigens immer noch von einer Schwertkampfschule geübt, obwohl Seppuku seit 1868 verboten ist. Allen, die das durchziehen, ist große Anerkennung garantiert.
Allein schon für das Behalten der Choreo gibt es:

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Islamische Länder:
Wer in islamischen Ländern seinem Leben ein Ende setzen will, sollte statt dem Strick lieber einen Sprengstoffgürtel wählen. Denn wer sich allein umbringt, dem droht ewiges Höllenfeuer, z.B. mit Schmerzen, Hitze, großem Durst. Wer hingegen so viele Ungläubige wie möglich mitnimmt, kommt auf direktem Weg ins Paradies – ein prima schattiges Plätzchen, an dem Jungfrauen mit großen „Augen“ rund um die Uhr kalte Getränke reichen. Und während die Hinterbliebenen eines einsamen Selbstmörders nie wieder zum Kartenspielen eingeladen werden, feiern Anhänger den Tod des Selbstmordattentäters ordentlich ab (Fotos in Kameras halten, Fahnen verbrennen).

Für den Solo-Selbstmord gibt‘s deshalb nur:

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Aber dicke Props für Selbstmordattentäter:

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Beim Amazonas-Volk der Suruahà:
Bei den Suruahà ist das gesamte Volk permanent druff. Sie hauen sich das Cunahà rein, weil ein Baum Äste hat, weil der Wind von links kommt und manchmal auch einfach nur so. Dazu malen sie sich lustige rote Punkte auf den sehr nackten Körper. Eigentlich war dieses Gift für die Suruahà-Version von Angeln gedacht: Cunahà ins Wasser schmeissen, warten bis es wirkt, und dann ganz gemütlich die gelähmten Fische einsammeln. Seit sie wissen, dass es auch bei Menschen gut knallt, gehört schon für Kinder ein Rausch zum guten Ton. Es ist völlig normal, sich mit einer Überdosis ins Aus zu schießen, die Hälfte der Einwohner hat das in den letzten Jahren so gemacht. Und trotzdem gibt es keinen Namen für diese Art von Selbstmord. Immer wenn den Indianern ein Name einfällt, wollen sie ihn aufschreiben, dann merken sie, dass sie ja gar keine Stifte haben, woraufhin sie sich fragen, woher sie dann wissen, dass es überhaupt welche gibt, um sich gleich darauf über die Glitzerhüte zu freuen, die ihre Synapsen aus der Fontanelle schießen. Wer also ein paar nette Filme fahren will, bevor er still und leise auf namenlose Art Adieu sagt, ist bei den Suruahà richtig. Überdosis mit Abenteuerbonus macht:
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Rike
Infemme.twoday.net

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