„Du schreibst in SLEAZE Zwei was über ein Pornoheft, eins für Jungs und eins für Mädchen!“ Dies ist der markerschütternde O-Ton von Chefsleazel Y. Bitte?
All strenger Verfechter eines Platzes von Sex und seinen Abbildungen im Alltag war ich trotzdem verwirrt. Soll ich bewerten, wie gut sich der Lachs beim Anschauen schlängeln lässt? Ob das Papier feucht abwaschbar ist?
Für Mädchen

Also erstmal die Lektüre fürs andere Geschlecht. Nennt mich verklemmt, aber ich schau nicht gerne auf nackte Jungs, denen man jeden Moment über den Weg laufen kann, sei es beim Sport oder Sportgucken. Und nebenbei noch ihren ausgestreckten Kaspar in der Hand halten, als wollten sie damit angeln gehen.
Bei Ästhetikfragen bin ich zum Glück nicht die erste Adresse und ich steh´ auf Frauen.
Also Bilder von sympathischen Jungs, geschmückt mit Texten über das weibliche Sein, Jagdverhalten und Beuteschemata, Berichte und Interviews mit und über Berühmtheiten.
Aber auch Modetipps fehlen nicht. So kann das Mädchen von heute schauen, ob das Muschihaar gerade kurz oder lang getragen wird oder ob sich ein Scheitel lohnt.
Wer war’s?
Schuld daran sind Elke und Nikki, zwei Frauen aus Köln. Sie wollten endlich mal ansprechende Jungs in einem Pornoheft für Frauen abgebildet haben. Weil so viel und manchmal auch ziemlich eindeutig nacktes Fleisch gezeigt wird, musste sich das Heft das Attribut Pornoheft gefallen lassen. 2005 erschien die erste Ausgabe, um eine weitere Lücke im Dschungel des Zeitschriftenmarktes zu schließen. Dabei legen die beiden Damen Wert auf junge Männer, die nicht den grassierenden Idealen entsprechen.
Das auch wir mit einem Pornoheft gesegnet wurden, ist der Leserschaft zu verdanken. Nach der Veröffentlichung des Jungsheftes wurden Stimmen laut, welche die viel besungene Gleichberechtigung heraufbeschwor und ein Heft für Männer forderte.
So sollte es geschehen.
Giddyheft

Ähnlich unprätentiös kommt das Heft für die Jungs daher. Als Anschauung diente mir die zweite Ausgabe. Frauen, die man bei der einen oder anderen WG-Party gesehen haben könnte oder die einem frühmorgens den Venti vor die Nase stellen, damit man auf dem Weg zur Bahn nicht im Rinnstein weiterschläft.
Zum Lesen gibt es Konsumvorschläge der anderen Art. Nichts pornöses, eher was für Jungs, die ihr Erwachsenwerden weiter hinausschieben wollen. Zu Wort kommt auch ein Asket, der sich dem Sex mit sich selbst entsagte.
Weiterhin bekommt man Hilfestellungen für Onanie, interessante Interviews, hier die Sängerin Panda, oder Filmvorschläge.
Beide Hefte kommen ganz ohne plättende Werbung aus und sind über www.jungsheft.de zum Preis von je sechs Euro zu haben.
Lesenswert mit Substanz oder so.
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