20 Jahre MELT: Mit Bookerin Julia auf Zeitreise

20 Jahre MELT: Mit Bookerin Julia auf Zeitreise

Das Melt feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Und SLEAZE sein 10-Jähriges Jubel-äh-um! Da sind wir natürlich alle in Feierlaune. Außer dieser positiven Laune heraus haben wir Julia kontaktiert, um zu erfahren, wie man so lange so erfolgreich feiern kann. Denn Julia ist bereits seit 2005 beim MELT! und damit eine der längsten Mitarbeiterinnen. Heißt: Sie kann aus dem Nähkästchen der Festivalgeschichte plaudern wie keine Zweite. Maßgeblich war sie daran beteiligt, das Festival zu dem zu machen, was es heute ist. Zweifelsohne…das Bookerin-Gen wurde ihr in die Wiege gelegt!

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Es ist ein wunderschöner Dienstagvormittag, als mich die Bookerin Julia Gudzent, beim MELT ist sie auch noch Head of Artist Liaison, zum exklusiven SLEAZE-Interview empfängt. Entspannt grinsend in gestreifter Hose und Samtjacke schlägt sie vor, meine Fragen auf einer Bank in der Sonne zu beantworten. Gute Idee! Mit Spreeblick legen wir los…

Bereits mit 15 Jahren hast du dein erstes Konzert mit der Punkrock-Band Horace Pinker gebucht. Wie schafft es ein 15-jähriges Mädchen, eigenständig ein Konzert zu organisieren?
Das war eher Zufall. Mein Bruder spielte in Bands, dadurch bin ich in diese Szene gerutscht, in der Jugendliche selbständig Konzerte in München organisiert haben. Ein Freund von meinem Bruder hat mich dann gefragt, ob ich das nicht machen wollen würde, wenn er für sein Studium nach Tübingen zieht. Ich war schon immer sehr Musik interessiert und fand es total faszinierend, wenn Jugendliche – wie ich das war – eigenständig Konzerte auf die Beine stellten. Also habe ich einfach mal, jung und dumm, wie ich war (lacht), „ja“ gesagt und er hat meinen Kontakt dann an die Leute weitergegeben, mit denen er bereits Kontakt hatte. Die haben dann angerufen und gefragt, ob ich das denn machen möchte.

Wolltest du schon immer in organisatorischen / musikalischen Bereich tätig werden bzw. wie kamst du auf diese Richtung?
Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich wollte mir das immer als Hobby behalten. Ich habe auch Englisch und Spanisch studiert und hatte immer ein bisschen die Vorstellung, dass das kein richtiger Job ist. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, mir eine „richtige“ Arbeit suchen zu müssen. Ich bin in den Bereich eher reingerutscht. Irgendwann haben mich dann Bands gefragt, ob ich mit ihnen auf Tour gehen und durch ganz Europa reisen möchte. Nachdem ich bei diesen Jobs auch schon Geld bekommen habe, bin ich dann dabei geblieben. Hätte ich begonnen, mir in einem anderen Bereich etwas aufzubauen, hätte ich erst anfangen müssen mich von ganz unten hochzuarbeiten. Heute übernehme ich das Organisatorische im Voraus. Ich ziehe alle Fäden zusammen, verteile die Aufgaben, schaue, dass alles läuft und bin eher so der „Troubleshooter“, wenn es dann mal ein Problem gibt und man vielleicht auch mit dem Management oder dem Agenten telefonieren muss. Das mache ich dann. Oder wenn ein Künstler ausfällt, schiebe ich die Running Order hin und her und spreche das mit meinen Booking-Kollegen nochmal ab. Solche Geschichten. Ich bin also eher dafür verantwortlich, Probleme zu beheben.

Du hast dir zu diesem Zeitpunkt also bereits „subtil“ einen Namen gemacht?
(lacht) Ja, genau! Nicht absichtlich, eher aus Versehen. Die Leute kannten mich dann einfach, kamen auf mich zu und haben gefragt, ob ich für sie arbeiten möchte.

Ist es dann so, dass die Leidenschaft an der Sache weg ist und die Musik für dich inzwischen nur noch ein Job ist?
(lacht) Ich muss sagen, ich höre privat nicht mehr so gerne Musik wie früher. Das ist aber nicht schlimm, es macht mir immer noch wahnsinnig Spaß und ich habe an den seltensten Tagen im Jahr das Gefühl, wirklich ins Büro zu gehen, sondern eher dass ich meinem Hobby folge. Es macht mir einfach immer noch riesig Spaß, ich lerne jeden Tag neue Dinge und kann mir keinen besseren Job vorstellen! Natürlich überlegt jeder einmal, den Job einmal zu wechseln. Es gibt aber einfach keine Firma, bei der ich lieber arbeiten wollen würde, weil mir das ganze Konstrukt einfach so zusagt! Außerdem ist das MELT nach wie vor mein Lieblingsfestival. Einerseits, weil es mein Baby ist, ich habe es schließlich mit aufgebaut, und andererseits, weil ich jedes Mal von dem tollen Gelände geflasht bin. Diese ganzen Bagger, Kräne und Lichter hat man einfach nirgends sonst. Ich denke mir jedes Jahr aufs Neue: „Was zur Hölle ist hier eigentlich los?! Wie krass ist das denn??!“ (lacht)
Ich muss auch sagen, ich bin ein Nerd und lese mir unglaublich gerne die Bandrider durch. Ich freue mich schon riesig, wenn ich endlich den Rider von den Foo Fighters durchlesen und mit meiner rechten Hand, Elmar, im KaDeWe die Einkaufsliste abarbeiten und den ganzen teuren Champagner einkaufen kann! Das ist mein Lieblingstag im Jahr! (lacht) Wir tun dann immer so, als wären wir zwei reiche Kids, die die dekadenteste Party der Welt schmeißen und triezen die Verkäufer, dass sie uns den Alkohol aus dem Kühlraum holen. (lacht) Das ist super lustig, auch wenn man es nicht für sich selber kauft!

Hattest du als Kind eine konkrete Antwort auf die Frage, was du einmal werden möchtest?
Ja, ich wollte Lehrerin werden. Ich bin wahnsinnig gerne in die Schule gegangen und habe wahnsinnig gerne gelernt!

Hast du mit der Intention, Lehrerin zu werden, Englisch und Spanisch studiert?
Nein, ich wollte Übersetzerin werden. Englisch war schon immer mein Lieblingsfach.

Die Sprachen kommen dir jetzt im Job sicher zugute, im Kontakt mit fremdsprachigen Menschen?!
Ja, auf jeden Fall. Spanisch spreche ich zwar nicht mehr, das war auch eher so meine Nebensprache, aber Englisch klar, jeden Tag! Zu 80% sprechen wir Englisch im Büro, allerdings ist es so, dass wir da einen sehr engen Wortschatz haben (lacht). Man spricht eben nur über Konzerte, da kommt dann nicht viel Neues dazu. Außerdem habe ich sehr viele englischsprachige Freunde.

Wie bist du zum MELT gekommen?
Ich habe in einer kleinen Booking-Agentur begonnen, die gibt es aber inzwischen nicht mehr, und bin dort als feste-freie Mitarbeiterin mit Bands auf Tour gegangen. Nachdem sich zwei Mitarbeiter und gute Freunde von mir zerstritten hatten, war ich eine Zeit lang etwas desillusioniert von der Branche und dachte: „Ach, jetzt wirst du Musikjournalistin!“, und habe mich auf ein Praktikum bei Intro beworben. Da saß dann eben der Stefan als damals einziger Mitarbeiter vom MELT, der hat sich mich dann gleich geschnappt. Tja,dann war das nichts mit dem Musikjournalismus, dann habe ich weiter Konzerte gemacht wurde gleich im ersten Jahr vom MELT an den Artist Infopoint gesetzt. Dort hieß es dann: „Mach einfach mal (lacht).SLEAZE + Julia

Das klingt nach sehr vielen Freiheiten. Gibt es bestimmte Kriterien, nach denen du die  Acts auswählst und kontaktierst, oder hast du bei der Wahl komplette Freiheit und entscheidest dich je nach persönlichem Belieben?
Ja, es kommt immer auf das Projekt an. Beim MELT ist beispielsweise Stefan der „Head of Booking“, da spreche ich mich dann schon mit ihm ab. Später werden dann noch im Team Vorschläge eingebracht und dann wird entschieden, wer gebucht wird.

Das MELT Festival besteht diesen Sommer seit 20 Jahren. Du bist bereits seit 2004 dabei. Hast du im Laufe der Jahre verschiedene Trends (musikalisch, Festivalmode technisch) etc. ausmachen können?
Naja, heutzutage EDM, gell?! (lacht) Ich habe schon gemerkt, dass sich Festivals über die Jahre verändert haben. Worauf jetzt viel mehr Wert gelegt wird, sind die ganzen Side Events wie Yoga auf dem Festival, gut essen, Theater. Das ist schon sehr viel inzwischen. Der Besucher möchte nicht mehr nur noch eine Bühne auf dem Gelände haben und sich ein Konzert ansehen, sondern auch das außen herum, also ein gesamtheitliches Erlebnis. Besonders bei kleinen oder mittelgroßen Festivals zählt das Drumherum. Bei Rock am Ring funktioniert das natürlich steif über die Bands, die dort spielen. Damals, als wir mit dem MELT angefangen haben, waren wir das einzige Festival, das Musikgenres geschmacklich zusammenpassend ausgewählt hat. Das gab es vorher noch nicht, zumindest nicht so kuratiert. Inzwischen ist das ein weiterer Trend, es gibt heute viele Festivals, die das so machen wie das MELT. Außerdem gibt so Dinge wie zum Beispiel diesen bestimmten „Manuka“-Honig aus Neuseeland, der gut für die Stimme sein soll und dann im Bandrider angefordert wird. Das ist natürlich übertrieben, ich meine, Honig ist Honig, warum muss man den um die halbe Welt fliegen? Im Prinzip gibt es aber nichts Einfacheres, als die Künstler mit gutem Essen und Getränken glücklich zu machen. Ich kann das auch vollkommen nachvollziehen, wenn man nach einem ganzen Jahr auf Tour mal wieder seine Lieblingschips haben möchte und sie dann im Rider extra aus Großbritannien anfordert.

Ist der Festivalgänger von heute also anspruchsvoller geworden?
Ja, auf jeden Fall! Die Leute erwarten schon mehr als früher, würde ich sagen. Es ist auf jeden Fall eine interessante Entwicklung. Gerade durch Social Media wird es zum Trend, sich mehr mit Lifestyle auseinander zu setzen. Dadurch gibt es keine festgefahrenen Szenen mehr, sondern es vermischt sich alles miteinander. Ich finde das aber weder gut noch schlecht.

Hebst du deine Backstage-Tickets auf und gibt es ein bestimmtes „Souvenir“, mit dem du eine der schönsten Erinnerungen verbindest?
Ja, ich hebe alle meine Backstage-Pässe auf, nur keine Bändchen. Aber ich stelle sie jetzt nicht bei mir zuhause aus (lacht). Einen Lieblingspass habe ich tatsächlich nicht.

Hast du eine Plattensammlung?
Ja, ich habe eine Plattensammlung.

Gibt es eine bestimmte Platte, bei der du bereust, Geld dafür ausgegeben zu haben?
Mit Sicherheit ein paar, aber die habe ich bestimmt inzwischen schon wieder über Ebay weiterversteigert. (lacht)

Streifst du gelegentlich nach den Shows über das Gelände und hast du dabei schon einmal etwas Skurriles oder Geld gefunden?
Ich bin tatsächlich keiner der Menschen, die das Gelände gezielt absuchen, ich habe aber schon des Öfteren gehört, dass man besonders auf dem MELT sehr gut Geld finden kann (lacht). Vor allem früher, als wir die DJs noch in bar ausbezahlt haben, ist es nicht selten passiert, dass nach dem Set beim Feiern auf dem Sleepless Floor die Gage verloren ging. Genau aus diesem Grund regeln wir inzwischen alles per Überweisung. Man findet sicher viele Sachen, aber ich muss sagen, nach dem Festival habe ich keinen Bock mehr auf Festival (lacht) und fahre sobald als möglich nach Hause.

Um zu einem etwas anderem, jedoch stark debattierten Thema zu kommen… Die Aussage, Frauen hätten es in der Musikbranche schwerer als Männer und würden oftmals nicht ganz ernst genommen hört man nicht selten. Was ist deine Meinung dazu?
Ich denke, ich habe das ganz gut getroffen, weil ich das Glück hatte, in Stefan einen guten Partner zu haben, der mich immer unterstützt hat, wenn ich versucht habe, Frauen in der Branche zu fördern. (Wir haben uns das beide ein bisschen zur Aufgabe gemacht, Frauen aktiv zu fördern, weil wir in meinem Team größtenteils mit Frauen zusammen arbeiten und auch gerne Praktikantinnen einstellen. Wir waren einfach schon immer ein sehr gutes Team.) Vor allem bei Booking-Agenturen fällt mit immer wieder auf, dass Frauen oftmals die Assistentinnen- und Männer die Booking- bzw. Führungspositionen haben und sich aus irgendeinem Grund aber auch nur männliche Mitarbeiter heranzuziehen scheinen. Vielleicht liegt das aber auch an dem „Wir gehen gemeinsam Bier trinken und Fussball schauen und werden Best Buddys“-Phänomen (lacht). Man sieht auch bei zeitgleich abgeschlossenen Ausbildungen, wie schnell die Männer im Job weiterkommen und wie langsam hingegen die Frauen.

Hast du einen Lösungsvorschlag und wenn ja, wie sieht der aus?
Stefan und ich haben es uns beide zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Branche aktiv zu fördern, weil wir beide auch einfach lieber mit beiden Geschlechtern zusammenzuarbeiten als nur mit Männern. Im Team arbeite ich größtenteils mit Frauen zusammen und stelle auch gerne Praktikantinnen ein. Ich muss aber auch sagen, dass es natürlich nicht nur an den Männern liegt, sondern gleichermaßen an den Frauen, die einfach nicht das Selbstbewusstsein mitbringen, für sich einzustehen und zu sagen: „Ich habe jetzt das und das verdient und ich will jetzt aber diese Position haben.“ Sehr viele Frauen sagen auch – und das wundert mich immer wieder –, sie wollen keine Führungsposition haben und schlagen zum Teil auch Jobs aus, weil sie sagen, es ist ihnen zu viel Verantwortung. Ich weiß nicht, ob da vielleicht der Gedanke, irgendwann einmal Kinder zu haben, im Hinterkopf ist. Das finde ich zum Teil aber sehr seltsam.

In einem Interview wurdest du vor Kurzem als die „Heldin der Nacht“ bezeichnet. Bekommt dein Beruf Bookerin branchenintern Lob und Aufmerksamkeit, bzw. hast du das Gefühl, dass deine Tätigkeit angemessen gewürdigt wird?
Das ist eine interessante Frage, darüber habe ich noch nie richtig nachgedacht. Ja, ich sehe mich auf jeden Fall angemessen gewürdigt und bin der Meinung, dass ich in der Branche eine angemessene Stellung innehabe. Ich spreche auch oft auf Panels oder halte Vorträge auf Branchenevents wobei mir dabei eine negative Entwicklung aufgefallen ist. Früher wurde ich wegen meines Jobs und meiner Qualifikationen eingeladen, während momentan der Trend dahin geht, dass alle auf Feminismus machen und mich nur noch einladen, weil sie noch eine Frau brauchen. Das sage ich dann immer sofort ab. Ich setze mich nicht auf ein Panel, weil ich eine Frau bin, das hat nichts mit meinem Job zu tun, sondern weil ich meine Arbeit gut mache und etwas zu erzählen habe!

In Anbetracht deiner beruflichen Karriere und deines Ranges kannst du dir eine solche Absage „leisten“. Ich kann mir vorstellen, dass Berufseinsteigerinnen, die auf Jobangebote angewiesen sind, solch entwürdigende Anfragen aus Hilflosigkeit heraus trotzdem annehmen.
Ja, das stimmt und da bin ich auch der Meinung, sie sollten diese Angebote annehmen. Sie sollten auf jeden Fall klarstellen, dass sie das nicht machen weil sie eine Frau sind, aber gerade weil sie es schwieriger haben, sollten sie jede Möglichkeit ergreifen, sich selbst voranzubringen. Das finde ich ganz wichtig! Was ich auch interessant finde, ist der Punkt, dass Frauen oft als Zicken bezeichnet werden, wenn sie sich durchsetzen. 

Gibt es eine Band/einen Künstler, bei dem du sehr stolz darauf warst, sie/ihn angeworben zu haben?
Nein, eigentlich nicht. Es gibt zwar immer wieder Künstler, bei denen man sich freut, wenn sie spielen, weil man privat ein großer Fan ist, aber die Sache ist die, ich bekomme vor Ort nicht besonders viel vom Künstler mit und bin auch nicht besonders Headliner-fixiert. Ich buche eher die kleinen, mein Kollege die größeren Acts. Einen Act, den ich wahnsinnig gerne einmal buchen würde wäre Sia, weil ich einfach persönlich ein wahnsinnig großer Fan bin. Das ist mein Booking-Ziel, danach gehe ich dann in Rente! (lacht) Das kann sich aber auch nächstes Jahr schon wieder geändert haben, weil es dann wieder ein anderer Act ist, den ich gerne einmal selber hätte. Aber wie gesagt: von den meisten Künstlern sehe ich selbst gar nicht viel. Ich gehe immer beim Headliner des letzten Tages kurz auf die Bühne, um mir die Show von dort oben anzusehen. Es geht mir dabei gar nicht unbedingt um den Künstler, sondern um die Reaktion des Publikums. Wenn man die Atmosphäre dort oben mitbekommt und die Reaktionen der Leute sieht, dann weiß man wofür man das alles macht. Das empfehle ich jedem! Dieses Jahr beim MELT freue ich mich total auf Sampha, Sylvan Esso und Nao.

Erinnerst du dich an deine schlechteste Erfahrung und im Umkehrschluss an die beste Erfahrung als Bookerin bisher?
Mir sind schon ganz viele schlechte Sachen passiert, die ich jetzt nicht alle hier in der Öffentlichkeit breit reden möchte (lacht). Ich mache jeden Tag Fehler, muss ich ganz ehrlich zugeben. Das ist auch wichtig. Ich sage meinem Team immer, sie sollen Fehler machen, dadurch lernt man am meisten. Das Wichtige ist nur, das Problem zu kommunizieren und Bescheid zu sagen, damit dir die anderen Leute dabei helfen können, den Fehler zu beheben. Wir machen beim Festival keine Operation am offenen Herzen. Es stirbt hier niemand, wenn mal eine Band nicht auftritt. Es ist natürlich schade, aber das passiert einfach. Jeder sollte Fehler machen dürfen, ohne Angst haben zu müssen zu versagen! Was die beste Erfahrung angeht wird es schwierig, da gibt es so viele. Das Schönste, was mir einfach im letzten Jahr passiert ist – und das hat jetzt gar nichts mit dem Künstler zu tun – das ist einfach mein Team, das ich mir über die Jahre hinweg aufgebaut habe und das ich wahnsinnig liebe! Das Schönste daran ist, dass ich mit vielen Leuten sehr gut befreundet bin, auch wenn ich sie nur über den Sommer sehe, weil sie alle in anderen Städten leben. Meine eine rechte Hand wohnt in Mannheim und wir haben den ganzen Sommer über zusammen gearbeitet. Am letzten Abend nach den Abbauarbeiten haben wir uns dann noch auf einen Wein im Hotelzimmer zusammengesetzt, als eine Hamburger Mitarbeiterin im Taxi vorfuhr, weil sie ihren Haustürschlüssel vergessen hat. Für sie war das natürlich ärgerlich, weil sie den ganzen Weg wieder zurückkommen musste, aber wir haben uns unglaublich gefreut, dass sie nochmal „vorbeigeschaut“ hat. Wir haben dann noch bis in die Nacht rein gequatscht, das war ein wahnsinnig schöner Festivalabschluss! Was auch immer schön ist, ist das positive Feedback, das ich bekomme und die Kunden, die auf mich zukommen, weil sie wissen „Okay, gut, da brauche ich mir keine Gedanken machen, auf die ist Verlass.“ Es gibt auch immer wieder Leute, die kleine Geschenke mitbringen, zum Beispiel ein Sektchen oder eine Entspannungscreme, um dir etwas Gutes zu tun, weil sie wissen, wie stressig der Job manchmal sein kann. Das ist sehr aufmerksam, aber im Endeffekt ist es auch schon genug, wenn man ein „Danke“ hört.
Ich muss sagen, es ist auch einfach klüger, sowohl als Künstler als auch als Tourmanager nett zu sein. Man sagt nämlich niemandem etwas ab, wenn er nett zu den Leuten ist. Wenn jemand nett fragt, antwortet man auch nett und tut immer sein Möglichstes, um den anderen glücklich zu machen!

Das ist eine schöne Schlussquote. Damit schließe ich dieses Interview. Vielen lieben Dank fürs Beantworten der Fragen und dass du dir die Zeit genommen hast!
Ja, sehr gerne!

Sophia

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