‭Kino-März: Hipster-Cyborgs in Tokio und weitere Blockbuster

‭Kino-März: Hipster-Cyborgs in Tokio und weitere Blockbuster

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Scarlett Johansson plays Major in Ghost in the Shell from Paramount Pictures and DreamWorks Pictures.

Das Filmjahr 2017 zieht an. Nachdem in den ersten beiden Monaten noch der Blick zurück dominierte – Stichwort: Awards Season – und einige Weihnachtskracher wie Star Wars: Rogue One ihre letzten Millionen auf der großen Leinwand abräumten, geht es jetzt in die nächste Runde: Etliche Blockbuster stehen bereit, u.a. eine Fortsetzung von Wolverine und ein King Kong-Remake. Ganz besonders Ghost in the Shell mit Scarlett Johansson verspricht gut zu werden. SLEAZE stellt vor und liefert erste Eindrücke.

2. März

Logan: The Wolverine

Endlich mal ein Superheldenfilm nach SLEAZE-Geschmack. Statt kunterbuntem Avengers-Effektgedöns gibt es bei Logan, dem neuen Film um X-Men-Shootingstar Wolverine, endlich mal wieder so richtig auf die Fresse. Blutig, düster, und es wird verdammt viel geflucht. James Mangold hat sich dieses mal wirklich ins Zeug gelegt, um ein R-Rating zu bekommen.

Leg dich nicht mit mir an: Wolverine aka Hugh Jackman

Der Film spielt im nicht allzu fernen Jahr 2029, in dem die beiden Mutanten-Buddies Logan aka Wolverine und Professor X (Sir Patrick „Picard“ Stewart) ziemlich runtergekommen und alt sind. Die X-Men sind zerbrochen, Mutanten gibt es so gut wie keine mehr. Und doch gibt es da die kleine Laura, deren Fähigkeiten erstaunliche Ähnlichkeiten zu denen von Logan haben, und die von einer finsteren, paramilitärischen Organisation gejagt wird. Nach anfänglicher Skepsis schließt man sich zusammen und was folgt, ist ein von Gewalt durchsiebter Trip quer durch die Vereinigten Staaten.

Der Film ist erfrischend anders als die bisherigen X-Men- und Wolverine-Abenteuer. Der angeblich letzte Film, in dem Hugh Jackman (hier mit tollem Rauschebart) den mit Klauen bepackten Übermenschen spielt, wirkt tatsächlich wesentlich erwachsener. Dazu trägt nicht nur der hohe Gewaltfaktor bei, sondern auch der staubige, trostlose Look des zukünftigen Amerikas. Nicht selten wird dabei Bezug auf aktuelle politische und gesellschaftliche Themen genommen. Außerdem gibt es ein paar fette Plot-Twists. Wer also beinharte Action mit den bekannten Gesichtern sehen will, die ab und zu auch mal Köpfchen beweist, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.

9. März

Moonlight

Alle Jahre wieder wird irgendein völlig überhypter Film bei den Oscars als bester Film ausgezeichnet. Dieses Jahr war es, nach ein paar Minuten Ruhm für den ohnehin schon mit (unserer Ansicht nach unverdienten) Oscars überschwemmten La La Land, das Drama Moonlight.

Moonlight erzählt in drei Kapiteln die Geschichte von Chiron, einem jungem Schwarzen. Er wächst in einer gefährlichen Gegend von Miami auf, seine Mutter ist drogenabhängig und an der Schule wird er gemobbt. Erst als der kubanische Drogendealer Juan sich um den Jungen kümmert, bekommt er ein gewisses Gefühl der Zugehörigkeit. Trotzdem muss er sich noch in dieser brutalen Welt zurechtfinden und allerlei emotionale Probleme bewältigen.

Auch kleine Jungs werden mal zu Gangstern: die späteren Jahre in Moonlight.

Der Film von Newcomer Barry Jenkins wird sehr schwer verdaulich sein, da er so ziemlich alle Themen behandelt, die nicht im Mainstream-Kino vorkommen. Homophobie und Rassismus sind nur zwei davon, die einen wichtigen Teil des Films ausmachen. Ist wahrscheinlich nicht für jedermann geeignet, aber wird mittlerweile (wenn man Rotten Tomatoes und Metacritic glauben darf) als der beste Film des Jahres 2016 gehandelt.

Kong: Skull Island

Wenn Hollywood mal wieder die Ideen zu etwas Neuem ausgehen, dann wird recycelt. So auch bei der neusten Version der King Kong-Geschichte, welche ja vor nicht allzu langer Zeit auch von Peter Jackson (Der Herr der Ringe) aufgekocht wurde. Meistens kommt bei solchen Wiederverwertungen nur schnöder Schund raus, wie zum Beispiel bei Total Recall, Dredd oder Robocop.

Immerhin wurde die Geschichte sehr abgewandelt: Die Handlung spielt im Jahr 1971, als sich eine Truppe aus Soldaten, Journalisten, Wissenschaftlern und Mitgliedern einer zwielichtigen Organisation namens „Monarch“ auf eine Expedition zu einer unbekannten Insel machen. Wie sich rausstellt, wird diese, abgesehen von einem Stamm Ureinwohner, auch von einem verflucht großen Affen namens Kong bewohnt. Und fiesen Monstern. Es entbrennt also ein Überlebenskampf, bei dem sich auch das Team untereinander im Weg steht.

Klingt cheesy, ist es wahrscheinlich auch. Aber man muss schon sagen, dass der Trailer geil aussah. Wie eine Mischung aus dem neuen Godzilla und Apocalypse Now. Außerdem hat der Film eine echt gute Besetzung. Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman und sogar John C. Reilly sind dabei und kämpfen sich durchs Dickicht.

16. März

Die rote Schildkröte

Psychedelische Ansätze, doch zu inkonsequent.

Ein zwiespältiger Animationsfilm, den man trotz interessanten Anteilen nicht klar empfehlen kann: Ein Schiffbrüchiger landet auf einer menschenleeren Insel im Nirgendwo. Der Namenlose baut sich ein Floß, doch die titelgebende Schildkröte hindert ihn am Wegkommen. Was dann passiert, wäre kriminell, wenn man es spoilert!

Dieser Film könnte gut sein, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär. Denn zum Einen hat man die Robinson-Geschichte nun wahrlich schon hunderte Male gesehen. Und noch dazu ist sie in Die rote Schildkröte auch nicht sonderlich gut gemacht. Es wird nicht geredet in dem Streifen, doch leider wird er dadurch eher uninteressanter. Stille will gelernt sein!

Auch die Animationen überzeugen nur bedingt. Zu lieb- und detaillos kommen sie oft daher. Vergleiche doch einmal die prominent vorkommende Krabbe des Films mit der unendlich besser dargestellten aus Pixars Kurzanimationsfilm-Oscargewinner Piper! Noch dazu ist dieses Werk eine Studio Ghibli-Koproduktion und wird auch als solche vermarktet.
Auch SLEAZE berichtete schon über diese wunderbare japanische Zeichentrickschmiede. Doch mit einem niederländischen Regisseur und in Frankreich animiert, ist Die rote Schildkröte nun wahrlich kein klassisches Ghibli-Werk. Ja, dieser Film bringt sogar den guten Ghibli-Namen in Gefahr! Geht man allerdings nicht mit (eventuell zu großen) Vorerwartungen an Die rote Schildkröte heran, ist der Film durchaus anschaubar.

Mit Siebzehn

André Téchiné, einer der letzten großen europäischen Regisseure der alten Garde, überzeugt mit einem energiegeladenen Jugendfilm: Die Wege zweier siebzehnjähriger Jungs (Kacey Mottet Klein und Corentin Fila) kreuzen sich immer wieder, zeitweise wohnen sie sogar zusammen. Da bleiben Prügeleien und andere Machtkämpfe nicht aus. Doch was steckt wirklich hinter den vielsagenden Blicken?

Regisseur André siedelt sein Werk in einer Kleinstadt in den Bergen an. Ein Mikrokosmos. Die Mutter von Damien ist Ärztin und deren Mann fliegt Hubschraubereinsätze in Afrika in einem diffusen Antiterroreinsatz. Klingt konfus? Keineswegs, denn André hält meisterhaft alle Erzählstränge in der Hand. Und gerade den turbulenten Hormon- und Gefühlshaushalt seiner beiden siebzehnjährigen Protagonisten fängt er mit seiner freibeweglichen Kamera immer wieder ein. Unmittelbar wie mit siebzehn Jahren ist Mit Siebzehn. Tipp für Cineasten!

23. März

Lommbock

Die Pizzeria gibt’s immer noch, nur wurde aus dem „a“ ein „o“.

Ob man jetzt, 16 Jahre später, eine Fortsetzung zum Kult-Hit Lammbock braucht, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, wir bekommen sie. Die beiden Hauptrollen werden auch wieder von Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz übernommen, und die meisten Charaktere von damals, wie zum Bespiel dieser Tourette-Assi, kommen auch wieder vor.

Es geht im Großen und Ganzen darum, dass Stefan (Lucas Gregorowicz) Karriere als Rechtsanwalt in Dubai gemacht hat und jetzt nach Deutschland zurückkehrt, um seine Geburtsurkunde zu holen. Bei diesem Heimaturlaub trifft er auf seinen alten Kiff-Kumpel Kai (Moritz Bleibtreu), der mittlerweile ihren ehemaligen Dope-Lieferservice zu einem Asia-Lieferservice (namens „Lommbock“) umfirmierte. Nach einer gemeinsamen Tüte lassen die beiden dann die alten Zeiten aufleben und geraten in so einige verrückte Situationen.

Man sollte bei dieser deutschen Komödie nicht allzu viel erwarten, denn seien wir mal ehrlich: Das Original stand auch schon ganz gut für sich alleine. Viele der Gags zünden nicht wirklich und auch die Handlung ist nicht unbedingt genial. Aber wer Bock auf Nostalgie hat und gerne seine Slacker-Helden von damals nochmal auf der Leinwand sehen möchte, kann mit dem Filmchen bestimmt auch Spaß haben.
Wer noch mehr über Lommbock erfahren möchte, lese unsere Rezension hier.

Life

Was crawlt denn da durchs All?

Deadpool, der Nightcrawler und Rebecca Ferguson (The White Queen) im neuesten Science-Fiction-Filmkracher! Die Gegenwart: Die Internationale Raumstation ISS schwebt um die Erde. Die kleine Crew an Bord, u.a. Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal, fängt eine vom Mars zurückkehrende Forschungskapsel ein. An Bord das Unglaubliche: außerirdisches Leben. Was als kleine Zellkultur in der Petri-Schale anfängt, wächst schnell zu einem mörderischen Organismus à la Alien heran (also nicht wie das Alien, aber auch tödlich und fies). Nachdem der süße Zellhaufen seine Absichten bekannt gegeben hat, fängt ein Kampf ums Überleben an Bord der ISS an. Ganz nebenbei wollen die Astronauten auch ein Übergreifen des evolutionär überlegenen Wesens auf die Erde verhindern.

2017 könnte ein gutes Jahr für Sci-Fi-Filme werden, schließlich kommen mit Alien: Covenant und eben Life zwei astreine, im Weltall spielende Werke ins Kino. Darüber hinaus wird es auch noch einige auf der Erde angesiedelte futuristische Streifen wie etwa Blade Runner 2(049) und den nächsten Titel in unserer Kinovorschau (wenige Zentimeter weiter unten!) geben. Und Life? Sollten die geneigten Zuschauer und besonders Sci-Fi-Fans sich mal anschauen, denn das mit großen Stars und großem Budget ausgestattete Werk bringt zumindest den Weltraum schon mal glaubhaft und realistisch rüber. Soll heißen: Die Spezialeffekte überzeugen.
Hier geht’s zur ausführlichen SLEAZE-Rezension des Sci-Fi-Streifens.

30. März

Ghost in the Shell

Ein Remake der etwas anderen Art: Mit Ghost in the Shell gibt es die Realverfilmung des Anime-Klassikers von 1995. In bester Cyberpunk-Tradition kämpfte damals die Spezialeinheit Sektion 9 gegen Hacker, unsichtbare Panzer und ähnliches.

Scarlett Johansson in Ghost in the Shell

Das Besondere: Sexy Hauptfigur Kusanagi war ein Cyborg mit geringem Anteil Restmensch. Sie konnte durchaus auch ihre Freizeit gestalten und grübelte immer wieder über ihre eigene Existenz nach. Philosophie trifft Science-Fiction!

Das in den letzten Jahren notorisch an Original-Ideen arme Hollywood bringt diesen Stoff nun eben mit echten Personen auf die Leinwand. Thematisch stimmt das schon mal, denn Ghost in the Shell war seiner Zeit damals weit voraus. Auch mit der Japan-erprobten Scarlett Johannson (Lost in Translation) ist ein Glücksgriff gelungen. Aber wird der Streifen auch wirklich gut? Wir werden sehen und hoffen das Beste!
Und hier lässt sich die SLEAZE-Runder-Tisch-Besprechung des Cyberpunk-Krachers finden.

Simon & Robert

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