„Ich hätte mir dich ziemlich anders vorgestellt“

„Ich hätte mir dich ziemlich anders vorgestellt“

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Norman Sinn? Sinn wie „das macht Sinn“? Ja ganz richtig. Trotzdem ist und bleibt dieser Ausspruch für alle grammatikalisch falsch, außer für Norman. Was er macht, macht nämlich Sinn. 24.06.2011 kam Norman Sinns Album raus. „Was macht Sinn“ heißt es, und für uns hat es Sinn gemacht euch das gute Stück vorzustellen. Deshalb haben wir unser Sleazel CoCo zum Olympiastadion geschickt um mit  Norman zu sprechen. Das hat sie getan und einiges über Liebe, Wildpferde und natürlich seine Musik erfahren!

Knapp 75.000 Menschen passen ins Berliner Olympiastadion. Du spielst heute hier als Vorband für Herbert Grönemeyer. Beeindruckt dich diese Kulisse? Bist du nervös?

Wenn ich auf die Bühne gehe, merke ich natürlich wie ich hochfahre. Vorher mache ich mich warm. Ich singe mich ein und „sportlermäßig“ mache ich zwei oder drei Hock-/Strecksprünge. Das ist diese Spannung die mir zeigt: jetzt geht’s gleich los!

 

Wusstest du, dass der größte Gegner von Nervosität Bewegung ist?

Nein. Aber schön das ich noch was mitnehmen kann.

 

Redaktioneller Einschub: Bei seiner Antwort verspricht Norman sich.

Bist du so nervös wegen mir?

Ja das auch!

 

Verstehe! Erklär bitte wie du von Jena, wo du geboren und groß geworden bist, auf die großen Bühnen Deutschlands kamst.

Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Alles was zischt und brummt und in Industriebetrieben hin und her fährt, habe ich zu reparieren gelernt. Für mich ist das genauso wie kreatives Arbeiten oder Lieder schreiben. Du baust etwas, das irgendwie rundlaufen muss. Es muss einen Sinn haben. Nach der Ausbildung hatte ich in dieser Firma noch einen Monat einen Job in der Produktion. Das bedeutete für mich: an einer Maschine stehen und zwei Stempel drücken. Es war sehr schnell klar, dass dieser Beruf nicht mein Ding ist. Also kündigte ich und leistete meinen Zivildienst ab. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon angefangen zu rappen und zu freestylen. Auf dem Heimweg von der Zivi-Stelle zum Bauernhof meiner Eltern hatte ich immer ein Tape dabei und habe über die Beats gefreestylt. So bin ich zur Musik gekommen.

 

Deine Eltern haben einen Bauernhof?

Ja. Damals hatten sie Schweine, Gänse, Enten, Hasen, Schafe, Hühner sowieso, Hund, Katz und Maus. Heute haben sie Pferde, Hasen und Hühner für den Eigenbedarf.

 

Kannst du reiten?

Ich kann mich drauf setzen und ich komme vorwärts. Das Ganze ist aber differenziert  zu betrachten. Die Pferde meiner Eltern sind Westernpferde Die reagieren auf Schenkeldruck und nicht wie auf die klassische englische Art mit Eisen im Maul, die man dann durch die Zügel dirigiert.

 

Schön! Du hast dich also zu erst gegen die professionelle Tierzucht entschieden, wolltest dann Industriemechaniker werden und bist schlussendlich bei der Musik gelandet. Was war der nächste Schritt, um diese professionell zu machen?

 

Es gab damals die Rap Formation „Wostok Mob“, zu denen auch Clueso anfangs zählte. In der Gegend um Bad Salzungen und Thüringer Land haben sie ihre Musik gemacht. Irgendwie kamen wir in Kontakt. Wir kannten uns von Jams. So ergab sich, dass ich Support Act bei einem Auftritt in Bad Salzungen war und dort auf Clueso traf. Bald kam für mich die Entscheidung, dass ich nach Erfurt möchte. Schließlich haben alle, die wir uns zusammengefunden hatten, beschlossen Alles (Bohrmaschinen, Zäune, Geld) zusammen zu werfen, was wir hatten, um den Zughafen, ein altes Gebäude, als Treffpunkt für Musiker in Erfurt aufzubauen. Das ist immer noch im Entwicklungsprozess, aber inzwischen auf hohem Niveau. Das passierte alles 2001. 2002 hatten wir dann den Mietvertrag.

 

Das ist richtig lang her. Inzwischen hast du dein erstes Album am Start. Was müssen wir darüber wissen?

Mein Album  birgt einige Geheimnisse. Es gibt Zusammenhänge, die sich dem Zuhörer vielleicht nicht sofort erschließen, außer ich verrate es. Und das tue ich für euch jetzt einfach mal. Zum Beispiel zwischen dem Song „Treu muss ich mir selber sein“ und dem folgenden Titel „Mit dir“ besteht solch ein Zusammenhang. Die erste Zeile von „Mit dir“ lautet: „Mit dir bin ich mir treu“, das ist quasi die Brücke zwischen den beiden Liedern.

 

 

Das ist aber romantisch. Geht’s da um eine Frau?

Ja. In dem  Kontext ist das Lied entstanden. Aber dann ist mir aufgefallen das es interpretierbar ist!

 

Das finde ich schrecklich! (hab ich einfach mal so gesagt)

Ich find s gut! Weißte warum? Weil Liebe….lass uns mal über Liebe reden!

Ja sehr gern, auf Liebe wollte ich ohnehin hinaus!

Liebe im transzendierten Sinne, den Körper übersteigend, ist glaube ich das  was jede Religion versucht. Man kann einen Menschen haben den man liebt  ohne das man eine Beziehung hat oder sonst was.

Ja!

 

Das hat nichts Philosophisches. Du bereicherst dich selbst daran, wenn du nimmst ohne zu geben oder gibst ohne zu nehmen. Das ist eher direkt aus dem Leben.

 

 

Einschub der Redaktion: Während dieser Antworten stoppt Norman mitten im Satz weil er mit zwei Ladys flirten musste die an unserem Interviewplatz vorbei flanierten. Als taffe junge Journalistin habe ich ihn selbstverständlich auf sein eigenwilliges Verhalten hingewiesen. Das klang dann so:

CoCo: Dir ist klar, dass ich diese Situation unseren Lesern beschreiben werde?! Tut mir leid für dich, aber das hast du verbockt.

Norman: Was denn?

CoCo: Mit anderen Frauen flirten während ich dir gegenübersitze.

Norman: Weil du mich liebst bedeutet dir das gar nichts. Unsere Liebe übersteigt das Körperliche und deswegen…

CoCo: Dann müsste ich auch tolerieren wenn du fremdgehst!

Norman: Würdest du. Aber warum sollte ich! Wir haben das Körperliche überstiegen. DAS IST ALSO EIN WIEDERSPRUCH.

Habe ich doch gerade erklärt, wie das mit der transzendenten Liebe ist.

 

Wenn eine bezaubernde junge Frau (zum Beispiel eine der beiden von gerade eben) deine Musik hört, könnte sie sich in das Bild verlieben, das du mit deiner Musik erschaffst. Würde sie dich dann durch einen Zufall treffen, würde sie den Mann kennenlernen den sie auf Grund der Texte erwartet?

Das ist doch nur ein einziges Bild von dem Film der ich bin. Es ist ein Teil von mir. Es ist für den Zuhörer eine idealisierte Form. Keine widerspricht dem Zuhörer und jeder kann daraus machen was er möchte!

 

Ist doch gemein!

Warum?

 

Weil du mir…äh dem Zuhörer suggerierst, dass du so bist und ich….äh die junge bezaubernde Frau sich in dich verliebt…..!

Ja ich bin so, du kannst…äh….man kann mich ruhig so finden.

 

Na ok. Deine Musik wird oft in einem Atemzug mit Clueso genannt. Nervt dich das?

Nein das nervt mich nicht. Wir kommen aus dem selben Haus und machen seit zehn Jahren zusammen Musik. Dass es Parallelen gibt, ist doch völlig klar. Ich würde sagen, dass er seine Linie gefunden hat. Ich weiß noch nicht wie mein nächstes Album klingen wird, aber ich habe schon ein paar Ideen.

 

 

Verrätst du uns deine Ideen?

Nein das wäre doch langweilig!

 

 

Wie würdest du deine Musik bezeichnen?

Ich könnte sie nicht in eine Schublade stecken. Mein Album ist soviel mehr als „nur“ Rock oder Pop. Es ist zum Beispiel auch eine Country-Nummer drauf. Die Platte ist bunt. So wie ich es bin. Ich habe Lust auf viele verschiedene Dinge. Trotzdem versuche ich, einen roten  Faden beizubehalten. Dabei hat mir der Produzent Clive Martin aus England sehr geholfen. Darüber bin ich ausgesprochen froh.

 

 

Neben dem Country-Song hast du das Lied Treu auf dem Album, das nach 20er Jahre Salonmusik klingt. Wie kommt das beim Publikum an?

Wahnsinn. Bei der Herbert Grönemeyer-Tour waren wir in Hannover und das Publikum war wie paralysiert als der Titel kam. Ich weiß nicht, ob es Angst oder Erstaunen war, aber es kam gut an! Wir bauen mit unseren Pop- und Rockliedern eine Welt auf, die wir mit diesem Titel völlig einreißen. Die Leute waren begeistert und haben während dem Lied Zwischenapplaus gegeben. Der Song ist wie Tanzen, es macht wahnsinnig Spaß!

 

Was ich dich noch fragen wollte: Ist Norman Sinn dein wirklicher Name?

Ja! Ich habe leider meinen Pass nicht dabei. Aber es steht auf meinem Künstlerausweis! Siehst du?!

Schönes Bild von dir! Irgendwie siehst du verrückt aus!

Nein, ich nehme mich ja mit Tiefgang auf die Schippe. Das muss man um auf dem Boden zu bleiben. Hinter dem was ich sage gibt es immer  noch eine zweite Ebene, Eine Metaebene. Manchmal ist sie mir selbst nicht zugänglich, aber hin und wieder schaffe ich es.

 

 

Ich hätte einen anderen Menschen erwartet. Du redest ja fast schneller als ich? Ich dachte du bist…. wie sage ich das mal? Eher laaaaaangsam.

Ich glaub ich bin wahnsinnig! Du musst mich mal sehen wenn ich einen Kaffee getrunken hab!

 

Das schauen wir uns bei Gelegenheit mal an!

Was gibst du mir, allen Sleazels und unseren Lesern mit auf den Weg?

ERSTENS KOMMT ES ANDERS UND ZWEITENS ALS MAN DENKT!

Tschük Tschük Tschük (besser kann ich die Laute nicht in Buchstaben wandeln, die Norman zum Ende von sich gab!)

 

Danke Norman! Wir wünschen dir für dein Album utopisch hohe Verkaufszahlen und wir bedauern es sehr, dass kein Kamerateam vor Ort war, um das über die Maßen sympathische Interview zu begleiten. Alles soll werden wie du es dir wünschst. Nur das macht Sinn!

CoCo

 

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